DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Daumen hoch: Peter Tschentscher und seine SPD gewinnen die Bürgerwahl in Hamburg.
Daumen hoch: Peter Tschentscher und seine SPD gewinnen die Bürgerwahl in Hamburg.Bild: EPA

SPD gewinnt Wahlen in Hamburg +++ AfD knapp über der 5%-Hürde

Sozialdemokraten und Grüne haben die Regionalwahl im deutschen Bundesland Hamburg laut Hochrechnungen klar gewonnen. Sie können die letzte verbliebene rot-grüne Koalition in Bund und Ländern fortsetzen. SPD-Mann Peter Tschentscher bleibt Bürgermeister.
23.02.2020, 22:02

Trotz Verlusten setzte sie sich die SPD in Hamburg vom jahrelangen Negativtrend der Partei auf nationaler Ebene ab und wurde stärkste Partei. Die Christdemokraten von Bundeskanzlerin Angela Merkel rutschten auf ihr deutschlandweit schlechtestes Ergebnis bei Landtagswahlen seit knapp 70 Jahren ab.

Überraschend musste die zuletzt in allen Bundesländern erfolgreiche rechtspopulistische AfD am Abend um ihren Wiedereinzug in die Bürgerschaft bangen - ebenso wie die FDP (Liberale). Die Abstimmung in der Hansestadt ist nach derzeitigem Stand die einzige Landtagswahl in Deutschland in diesem Jahr.

Hochrechnung von 21:43 Uhr.
Hochrechnung von 21:43 Uhr.screenshot ard

Nach Hochrechnungen von ARD und ZDF vom Sonntagabend erzielte die SPD 38,8 bis 38,9 Prozent (2015: 45,6 Prozent). Die Grünen konnten mit 24,2 bis 24,4 Prozent (2015: 12,3) ihren Stimmenanteil in etwa verdoppeln. Die CDU landete mit nur noch 11,1 bis 11,2 Prozent (2015: 15,9) auf Platz drei. Die Linke kam auf 9,1 bis 9,2 Prozent (2015: 8,5)

Die AfD, die bei drei Landtagswahlen in Ostdeutschland 2019 jeweils weit über 20 Prozent gekommen war, lag am Abend bei mageren 5,0 bis 5,1 Prozent (2015: 6,1) knapp an der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament. Die Liberalen (FDP) mussten mit 5,0 Prozent (2015: 7,4) ebenfalls zittern.

Sitzverteilung im Hamburger Parlament.
Sitzverteilung im Hamburger Parlament.screenshot ard

Das vorläufige amtliche Endergebnis wird wegen des komplizierten Wahlsystems erst für Montagabend erwartet. Am Sonntagabend wollte der Landeswahlleiter nur die voraussichtliche Verteilung der 121 Sitze in der Bürgerschaft bekannt geben. Nach den Hochrechnungen ergibt sich folgende Verteilung: SPD 50 (2015: 58), Grüne 31 bis 32 (15), CDU 14 bis 15 (20), Linke 12 (11) und FDP 6 bis 7 (9) und die AfD 7.

Beliebter Bürgermeister

Die Hansestadt Hamburg ist mit 1,85 Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt in Deutschland. Wie die Hauptstadt Berlin ist sie ein eigenes Bundesland. Die Sozialdemokraten stellten dort seit dem Zweiten Weltkrieg die meiste Zeit den Regierungschef.

Der Erfolg der Sozialdemokraten in einer ihrer letzten Hochburgen könnte die grosse Koalition aus CDU, CSU und SPD in Berlin stabilisieren. Die SPD, die um die Jahrtausendwende noch den Bundeskanzler stellte, ist in Deutschland seit Jahren im Sinkflug und kam bei der Europawahl 2019 nur noch auf 15,8 Prozent. Die «GroKo» (grosse Koalition) wurde daher in der Partei lautstark in Frage gestellt.

Peter Tschentscher: Bürgermeister und Arzt.
Peter Tschentscher: Bürgermeister und Arzt.Bild: EPA

Das Hamburger Ergebnis bestätigt auch den Aufstieg der Grünen in Deutschland, die sich seit der Europawahl als zweistärkste Kraft auf nationaler Ebene hinter den Christdemokraten etabliert haben. In Hamburg waren sie bei der Europawahl, wie in neun der zehn grössten deutschen Städte, stärkste Kraft geworden. Bei der Bürgerschaftswahl wirkte aber anscheinend der Amtsbonus des populären Bürgermeisters Tschentscher zugunsten der SPD.

So bescheinigten in einer aktuellen Umfrage 67 Prozent der Hamburger Tschentscher eine gute politische Arbeit. 56 Prozent sagten, er sei das Hauptargument SPD zu wählen. Auch die gute wirtschaftliche Lage der Hansestadt begünstigte die Regierungsparteien. So sagten 88 Prozent der Bürger, sie seien mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden.

Thüringen-Nachwehen bei FDP

Die jüngsten Ereignisse bei der gescheiterten Regierungsbildung in Thüringen kosteten laut Nachwahlbefragungen vor allem die FDP Stimmen. In dem ostdeutschen Bundesland war der FDP-Politiker Thomas Kemmerich am 5. Februar überraschend zum Ministerpräsidenten gewählt worden - weil ausser den Christdemokraten auch die Abgeordneten der AfD für ihn stimmten. Eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten hatten aber alle Parteien zuvor ausgeschlossen, und Kemmerich trat nach wenigen Tagen zurück.

Im Gefolge der Thüringer Ereignisse kündigte auch die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug an. Bei den Christdemokraten ist nun der Kampf um ihre Nachfolge in vollem Gange. Die FDP sackte ebenso wie die CDU in Hamburg gegenüber 2015 deutlich ab. Sollte die AfD aus der Bürgerschaft fliegen, wäre es das erste Mal, dass die 2013 gegründete Partei aus einem Landesparlament wieder ausscheidet.

Die nächste Bundestagswahl steht in Deutschland regulär im Herbst 2021 an. Merkel will dann nicht mehr kandidieren. Der oder die neue CDU-Vorsitzende hätte gute Chancen auf ihre Nachfolge. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das sind Merkels mögliche Erben

1 / 9
Das sind Merkels mögliche Erben
quelle: dpa / martin gerten
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Dritter Zitteranfall in der Öffentlichkeit

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

48 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Füürtüfäli
23.02.2020 19:08registriert März 2019
Nazis RAUS aus den Parlamenten. Aus den Ländern. Und aus den Köpfen. Hamburg macht es vor. Die Menschen in Europa müssen diesem Beispiel folgen. Rassismus und Antisemitismus dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.
22674
Melden
Zum Kommentar
avatar
Varanasi
23.02.2020 19:08registriert August 2017
Danke an alle Hamburger für dieses Ergebnis. Hoffentlich bleiben die Blauen draussen.
Die CDU bei unter 30ig Jährigen nur um die 7%.
Sie erreicht mit ihrem ewig gestrigen Kurs die jungen Menschen nicht mehr.
20667
Melden
Zum Kommentar
avatar
Juliet Bravo
23.02.2020 21:15registriert November 2016
Gemäss FAZ um 20:53
AfD und FDP sind mit 5% noch drin.
400
Melden
Zum Kommentar
48
Wie Nato-Chef Stoltenberg vom Militärgegner zum sichersten Wert des Westens wurde
Der Nato-Generalsekretär spricht am WEF. Der 63-jährige Norweger wandelte sich vom Anti-Kriegs-Protestler zum Aushängeschild der Verteidigungsallianz.

In der aktuellen Zeit der Weltunordnung ist er einer der gefragtesten Redner am Weltwirtschaftsforum in Davos: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Was er am Dienstag zum Ukraine-Krieg, zum anstehenden Nato-Beitritt Schwedens und Finnland und zum längerfristigen Verhältnis des Westens zu Russland zu sagen hat, wird mit Spannung erwartet.

Zur Story