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Der Bündner Alex Fries arbeitet in der «Hero City» mit einigen der renommiertesten Investoren im Silicon Valley zusammen.  patrick züst

«Schweizer haben zu wenig Mumm» – Warum ein Bündner im Silicon Valley Trump zujubelt

Der Bündner Alex Fries ist Kapitalgeber im Silicon Valley und einer der wenigen Unterstützer von Präsident Trump. Im Interview spricht er über Mentalitätsunterschiede und sagt, wieso er primär in Schweizer Firmen investiert.

Patrick Züst aus San francisco / Schweiz am Wochenende



Mister Alex Fries komme sicher gleich, sagt die Rezeptionistin. Sie sitzt in einem schwarzen Tesla, bei dem Dach und Räder entfernt wurden und der jetzt als Empfangsbüro dient. Wir befinden uns in der «Hero City», dem wohl bekanntesten Grossraumbüro des Silicon Valley. Passend zum Namen sind riesige Comic-Superhelden an die Wände gemalt, die daran erinnern, wie schnell ein Coder hier zur Koryphäe wird.

Fries ist einer der wenigen Schweizer Investoren in Kalifornien. Er lebt seit den 90er-Jahren hier, mit einigen kurzen Unterbrüchen. Für die meisten Schweizer Start-ups ist er in den USA die erste Ansprechperson. Denn Fries verwaltet zwei Technologie-Fonds über 40 respektive 100 Millionen Dollar. In sein Bündnerdeutsch mischen sich immer wieder englische Begriffe.

Herr Fries, Sie sind Investor im Silicon Valley und haben hier Zugang zu den vielversprechendsten Tech-Start-ups der Welt. Wieso investieren Sie trotzdem primär in Schweizer Firmen?
Alex Fries: Beim Entwickeln von neuen Technologien ist Europa den USA überlegen. Mit der ETH Zürich und der EPFL in Lausanne haben wir zwei grossartige Hochschulen, welche in vielen Forschungsbereichen weltweit führend sind. Es wäre vermessen, würde man dieses Potenzial als Investor einfach ignorieren.

«Beim Entwickeln von neuen Technologien ist Europa den USA überlegen.»

Wieso kommen die erfolgreichen «Unicorns», die Milliardenunternehmen, dann nicht aus der Schweiz, sondern aus dem Silicon Valley?
Das Problem ist, dass Schweizer ihre Ideen zu wenig kommerzialisieren. Sie können weder sich noch ihre Produkte verkaufen und haben nicht genügend Mumm, um Risiken einzugehen. In dieser Branche hat nur Erfolg, wer zielstrebig und hartnäckig ist: Als Investor erhalte ich jeden Tag etwa zehn Business-Pläne. Wenn ich mich dann für ein Projekt interessiere, reagieren amerikanische Unternehmer jeweils sofort und wollen Nägel mit Köpfen machen. Von Schweizer Unternehmern hingegen hört man teilweise drei Wochen nichts mehr – und bis dann habe ich ihre Idee schon lange wieder vergessen.

Aber am Mentalitätsunterschied allein kann es nicht liegen.
Natürlich nicht. Entscheidend ist vor allem, dass es in der Schweiz zu wenige Risikokapitalgeber hat. Europäische Investoren sind viel zu konservativ und geben vielversprechenden Start-ups nicht genügend Geld. Man müsste in jedes Spin-off der ETH und der EPFL investieren. Ausnahmslos. So wird das ja hier in Stanford gemacht, wo Jungunternehmer mit Geld überschüttet werden. In der Schweiz aber hat man zu wenig Vertrauen in die Studenten. Und statt dass man selber investiert, kommen amerikanische Risikokapitalgeber an die Hochschulen und schnappen uns die vielversprechendsten Start-ups weg.

«In Stanford werde Jungunternehmer mit Geld überschüttet. In der Schweiz aber hat man zu wenig Vertrauen in die Studenten.»

Machen Sie als Valley-Investor nicht genau dasselbe, wenn Sie Schweizer Firmen nach Kalifornien holen?
Ganz und gar nicht. Wir investieren in Schweizer Firmen und sorgen dafür, dass sie eine Brücke in die USA haben. Der amerikanische Markt ist extrem wichtig: Die Unternehmen können sich hier schneller entwickeln. Zudem wird der Firmenwert etwa zehn Mal höher angesetzt als in der Schweiz. Marketing und Verkauf sollte man deshalb ins Silicon Valley verlagern, der Hauptsitz und die Technologie-Abteilung müssen aber unbedingt in der Schweiz bleiben.

Wie kommen Sie eigentlich in Kontakt mit neuen Start-ups?
Ich bin schon lange als Investor tätig, unterdessen kennen mich die Leute also. Viel läuft über Mundpropaganda, und wenn Schweizer Delegationen Exkursionen ins Silicon Valley machen, kommen sie häufig auch bei mir vorbei. Ausserdem gehe ich natürlich jede Woche an «Demodays», wo Firmen ihre Produkte präsentieren, und erhalte viele Tipps von anderen Investoren.

Und woher stammt das Geld, das Sie investieren?
Vor etwas mehr als zehn Jahren habe ich meinen ersten eigenen Fonds aufgesetzt. Seit 2016 führe ich nun einen Fonds gemeinsam mit Kollegen der EPFL. Wir nennen uns Polytech Ecosystem Ventures. Das Geld kommt von einer Schweizer Versicherung, Privatbanken und mehreren Einzelpersonen. Eigentlich wollten wir 50 Millionen Franken aufnehmen, aber wir haben nur 40 Millionen gefunden. Dafür starten wir bereits dieses Jahr einen neuen Fonds für 100 Millionen Dollar, bei dem wir uns auf Entwicklungen im Bereich der selbstfahrenden Autos, Fintech und künstliche Intelligenz fokussieren. Mit diesem Betrag lassen sich nochmals ganz neue Türen öffnen.

Sie kämpfen schon lange für einen grossen Schweizer Fonds. Wieso hat es erst vergangenes Jahr geklappt?
Ich versuchte schon vor zehn Jahren, einen Fonds für Schweizer Jungunternehmen aufzusetzen. Damals habe ich wirklich alle potenziellen Geldgeber angeschrieben, um irgendwie an Investitionskapital zu kommen – vom Flughafen-Chef über die Rhätische Bahn bis hin zur Migros. Aber niemand hat sich getraut. Dann ging ich nach Bern und wollte einen Fonds aufziehen, der zur Hälfte staatlich und zur Hälfte privat finanziert ist.

Aber auch das klappte nicht?
Nein, die zuständigen Kommissionen wollten nichts davon hören, und auch Bundesrätin Doris Leuthard hat sich mehr für Cleantech und Bäume interessiert statt für unseren Fonds. Also kam ich zurück nach Kalifornien. Als ich dann 2016 die Jungs von Polytech kennenlernte, stimmte die Chemie und wir haben uns entschieden, etwas gemeinsam zu machen. Dafür haben wir dann auch die nötigen Geldgeber gefunden.

FILE - In this Wednesday, Dec. 20, 2017, file photo, President Donald Trump speaks during a cabinet meeting at the White House, in Washington. Trump has lost money for a third year in a row at his golf club in Ireland, but business appears to be improving. (AP Photo/Evan Vucci, File)

Bild: AP/AP

Man hört hier immer wieder, das Risikokapital läge im Silicon Valley derzeit auf der Strasse. Stimmt das?
Das hat etwas, ja. Es gibt hier momentan zu viele Start-ups und diese erhalten zu viel Geld. Das liegt vor allem daran, dass viele Investoren keine Ahnung haben von der Branche, aber trotzdem auf das grosse Geld hoffen. Nicht die Unternehmer sind das Problem, sondern die Geldgeber.

Sie sind doch auch Investor.
Aber ich kenne mich aus im Business und habe selber schon Unternehmen gegründet. Vielen anderen fehlt diese Erfahrung und sie investieren kopflos.

Wie gut sind Sie mit anderen Valley-Kapitalgebern vernetzt?Wenn es um das Geschäft geht, habe ich natürlich schon meine Kontakte – ohne die läuft hier gar nichts. Ansonsten bin ich aber mit meinem Fokus auf Schweizer Unternehmer ein Aussenseiter. Und das, obwohl ich den anderen Investoren schon so lange zu erklären versuche, dass wir in Europa die besten Technologien haben.

Sie schwärmen viel mehr von der Schweiz als von Kalifornien. Wann ziehen Sie zurück ins Bündnerland?I
Ich suche derzeit nicht aktiv nach einem Job. Aber wenn es irgendwo in der Schweiz eine spannende Position gibt, könnte ich mir das schon vorstellen.

«So einen wie Trump bräuchten wir auch in Europa. Ich unterstütze natürlich nicht alle Ideen von ihm, aber bin glücklich, dass er Präsident ist.»

Ist es eine Flucht vor Präsident Donald Trump?
Sicher nicht – der ist schon gut! So einen wie Trump bräuchten wir auch in Europa. Ich unterstütze natürlich nicht alle Ideen von ihm, aber bin glücklich, dass er Präsident ist. Er mischt das ganze Establishment mal so richtig durch. Das ist auch super für Europa, wo man jetzt nicht mehr einen «Big Daddy» hat und seine Probleme selber lösen muss.

Mit dieser Ansicht sind Sie hier ziemlich allein.
Klar, hier sind auch alles Demokraten und Hippies. Wer sich das Leben in der Nähe von San Francisco leisten kann, hat Geld und kann damit die Ärmeren unterstützen. Deshalb stören sich die meisten von ihnen auch nicht an den Steuererhöhungen. Aber mir geht es um das Prinzip – und grundsätzlich soll jeder für sein Glück und sein Geld auch etwas leisten, statt sich einfach vom Staat durchfüttern lassen.

Donald Trump repräsentiert komplett andere Werte als das Silicon Valley. Hier dreht sich alles um technologischen Fortschritt, während der konservative Trump für viele Dinge steht, aber sicher nicht für Innovation.
Doch, genau dafür steht er. Er sorgt für die nötigen wirtschaftlichen Bedingungen, dass innovative Firmen überhaupt entstehen können. Die Steuern sinken, dafür nehmen die Börsengänge zu. Es wird weniger Regulierungen geben, wodurch beispielsweise neue Entwicklungen in der Gesundheitsbranche möglich werden. Je mehr Geld der Staat den Leuten lässt, desto mehr können sie im freien Markt ausgeben. Das ist das beste Investment überhaupt.

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