Diese Frau setzt Putins Armee stark zu
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Sie reist zu den grossen internationalen Rüstungsmessen, verhandelt mit Industrievertretern und nimmt an Gesprächen über die Wiederbewaffnung Europas teil. Die 34-jährige Iryna Terekh, ausgebildete Architektin, leitet Fire Point. Das Unternehmen gehört inzwischen zu den wichtigsten Akteuren der ukrainischen Fähigkeiten für weitreichende Angriffe gegen Russland.
Iryna Terekh trifft uns abseits der Hallen der Luftfahrtmesse, die diese Woche im britischen Farnborough stattfindet, in einem Büro im vornehmen Londoner Stadtteil Mayfair.
Vor einem Monat hatte Fire Point einen Auftritt an der Eurosatory in Frankreich, wo sie in einer Endlosschleife Bilder einer brennenden Raffinerie nahe Moskau zeigte. Diese wurde von einer ihrer eigenen Drohnen getroffen. Für den Auftritt gab es viel Beachtung. Das Unternehmen verzichtete daraufhin auf einen Stand in Grossbritannien.
Einen Monat nach einem viel beachteten Auftritt an der Eurosatory in Frankreich, wo Fire Point in einer Endlosschleife Bilder einer brennenden Raffinerie nahe Moskau zeigte, die von einer seiner Drohnen getroffen worden war, verzichtete das Unternehmen auf einen Stand in Grossbritannien. «Der nächste Auftritt darf nicht weniger gut sein», sagt Iryna Terekh. Sie wolle bei der nächsten Präsentation noch besser abschneiden.
Ohne sichtbares Make-up wirkt sie zugleich zurückhaltend und charismatisch. Sie spricht auf Ukrainisch und Englisch mit der Sicherheit einer Frau, die solche Auftritte inzwischen gewohnt ist: Seit Monaten verteidigt sie Fire Point gegen Kontroversen und Korruptionsvorwürfe, die den rasanten Aufstieg des Unternehmens begleitet haben.
Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, vom Staat bevorzugt behandelt worden zu sein. Zudem sorgten seine öffentlichen Aufträge für Kontroversen. Fire Point entgegnet, die ukrainischen Behörden hätten 2022, 2023 und 2024 verzweifelt nach Herstellern gesucht, die Waffen liefern konnten. Das Unternehmen akzeptiere Kontrollen, Audits und Transparenz.
Iryna Terekh, die zurückhaltende Chefin von Fire Point
Die Mittdreissigerin wuchs in Charkiw im Osten der Ukraine auf. Von ihrem Kinderheim im Quartier Saltiwka aus, das heute zu den am stärksten von russischen Bombardierungen betroffenen Gebieten gehört, konnte sie Belgorod auf der anderen Seite der russischen Grenze sehen.
Sie lebt seit Langem in Kiew und hat «Kinder», über die sie «aus Sicherheitsgründen» nichts weiter sagt. Als Architektin hat sie nie gearbeitet. Stattdessen leitete sie mehrere Unternehmen in der Baubranche. Sie habe daran Gefallen gefunden, zu sehen, wie Ideen Gestalt annehmen.
Als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte, schlug ihr Freund Denys Schtilerman ihr vor, ihm beim Aufbau seines Unternehmens zu helfen. Ihrer Darstellung zufolge wurden die ersten Ideen für die spätere Drohne FP-1 Ende 2022 auf einer Serviette in ihrem Lieblingsrestaurant skizziert. Der Prototyp wurde im Frühling 2023 in einer Garage zusammengebaut. Danach seien innerhalb von drei Wochen sieben Geräte hergestellt worden, erzählt sie. «Wir schliefen drei Stunden und wechselten uns ab.» Auf Kritik an einer «Garagen-Ingenieurskunst» oder an mangelnder Professionalität entgegnet Iryna Terekh, sie sei darauf «sehr stolz».
«Die ukrainische Armee stützt sich heute zu einem grossen Teil auf Freiwillige», betont sie. Die Produkte müssten deshalb «einfach, klar und reproduzierbar» sein. «Wenn du die klügste Person in einem Raum bist, musst du hinausgehen und eine andere finden, in der du dich wie eine Amateurin fühlst», sagt sie. Damit nimmt sie bewusst die Rolle der Aussenseiterin ein, während ihr Werdegang und ihre Kompetenzen in der Ukraine regelmässig infrage gestellt werden. Dann lacht sie laut:
Fire Point produziert Tausende Drohnen
Trotz der Kontroversen gilt Fire Point bei zahlreichen westlichen Fachleuten und Industrievertretern, mit denen wir gesprochen haben, als einer der wichtigsten Akteure hinter den ukrainischen Langstreckenangriffen gegen Russland. Die Firmenchefin will keine Angaben zum Umsatz machen. Sie sagt jedoch, die Produktion liege inzwischen bei mehreren Tausend Drohnen pro Monat. Auch die zuvor genannten Zahlen von 3000 Drohnen und 30 Flamingo-Raketen pro Monat seien weiter gestiegen.
Sie räumt ein, dass die Kontroversen um ihr Unternehmen konkrete Folgen hatten: Einige Projekte mit ausländischen Partnern hätten sich wegen zusätzlicher Compliance-Prüfungen um mehrere Monate verzögert. Diese Verfahren seien inzwischen abgeschlossen, sagt sie.
Ihr Ziel ist nun, zum Aufbau einer umfassenden Koalition zur Abwehr ballistischer Raketen beizutragen – «etwas, das es auf der Welt noch nicht gibt». Fire Point hofft dabei auf eine Schlüsselrolle. Zum Schluss erklärt sie:
