International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
«Michael Moore in Trumpland»

Michael Moore spricht in Wilmington vor schönen Fotos seines Idols Hillary Clinton. Bild: dog eat dog films

So ist Michael Moores Clinton-Liebesfilm «TrumpLand»

Michael Moore ist schwer verliebt und überrascht seine Angebetete mit einem spontan gedrehten Film. Und der ist überaus fantastisch.



Beyoncé ist schuld. Weil sie in der Halbzeit des letzten Superbowls mit ihren «shit-kicking» Stiefeln und ihrem feministischen Schlachtgesang den heiligsten Rasen Amerikas versaute. Exakt da begriff der hässige weisse Mann, dass es nun um alles geht. Und dass er den Kampf um seine Privilegien nur mit einem Anführer gewinnen kann: Donald Trump.

So erzählt es jedenfalls Michael Moore. Für ihn hat der hässige weisse Mann folgende Vorstellung vom Untergang Amerikas:

Auf einen schwarzen Präsidenten folgt eine Präsidentin. Danach übernimmt ein Transidenter, schliesslich setzen Tierschützer einen Hamster in den Oval Office.

«Michael Moore in Trumpland»

Beyoncé, Kampftänzerin des Bösen, in der Halbzeitpause des letzten Superbowls. Bild: dog eat dog films

Michael Moore spricht in einem Theater in Wilmington, Ohio, wo Donald Trump in den Vorwahlen viermal mehr Stimmen erhielt als Hillary Clinton. Michael Moore missioniert wieder einmal, wenn auch reichlich spät. Eigentlich wäre es nicht mehr nötig. Aber schaden kann es nicht, dass seine siebzigminütige Rede von Wilmington aufgezeichnet wurde und jetzt in amerikanischen Kinos und auf iTunes läuft.

«Ich find sie schön, smart und eine nette Person.»

Mr. Moore über Mrs. Clinton

«Michael Moore in TrumpLand» heisst die vor wenigen Tagen gedrehte unangekündigte Überzeugungstat und sie ist überaus fantastisch. Hochkomisch, rhetorisch virtuos, und wenn Moore zu viel Rührseligkeit aus dem Saal herauskitzelt, schlägt er eine umso absurdere Volte. Eine One-Man-Show für the one woman, Hillary Clinton. In die er schon seit über 20 Jahren ein bisschen verliebt ist.

«Michael Moore in Trumpland»

Dieser Blick von Hillary Clinton gilt keinem andern als Michael Moore. Bild: dog eat dog films

«Meine Grossmutter hat gesagt: Du kannst über jeden was Nettes sagen, ausser über Hitler und Matt Lauer (einen amerikanischen TV-Journalisten).» Er probiert's gleich selbst mit George W. Bush: Er hat seine Töchter gut erzogen, er hat in die Aids-Hilfe in Afrika investiert, er ... Pause ... liebt seine Hunde. Und jetzt alle mal was Nettes über Hillary!

«Kennst du das Hillary-Menu bei KFC? Es besteht aus zwei fetten Schenkeln, zwei kleinen Brüsten und zwei linken Flügeln.»

Witz aus der Zeit, als Hillary Clinton First Lady war

Es gibt die Verschwörungs-Theorie, sie und ihr Mann seien für die Ermordung von 46 Menschen zuständig. Quasi eigenhändig. Wie sagt man das jetzt nett? So: «Wir hatten seit Ulysses S. Grant niemanden mehr im Oval Office, der jemanden getötet hat! Der «IS» scheisst sich in die Hosen, wenn sie Präsidentin wird!»

«Michael Moore in Trumpland»

Die angeblichen Mordopfer der Clintons. Bild: dog eat dog films

Und dann kommt wieder eine typische Michael-Moore-Rechnung: 50'000 Amerikaner sterben jährlich, weil sie keine oder eine ungenügende Krankenversicherung besitzen. Vor 20 Jahren strebte Hillary Clinton eine Gesundheitsreform an und wurde dafür verspottet. «Eine Million toter Amerikaner, weil wir uns weigerten, auf Hillary Clinton zu hören!» Die Menschen im Theater haben jetzt Tränen in den Augen. Eine Mutter steht auf und sagt, Hillary Clinton stehe für alles, was sie ihren Töchtern mitgeben wolle.

Michael Moore schwört, Hillary Clinton könne für Amerika sein, was Papst Franziskus für die katholische Kirche sei, eine Revolution. Er ist jetzt im Anbetungsmodus.

Wenn sie sich nicht an ihre Versprechen halte, so droht er, dann werde er, Michael Moore, Präsidentschaftskandidat. Seine Wahlversprechen: gratis HBO, nur noch ein Ladekabel für alle Elektrogeräte und jedes Wochenende zwei Joints für alle.

«Michael Moore in Trumpland»

Für seinen Film «Where to Invade Next» besuchte Moore ein besonders vorbildliches Frauenspital in Estland. Und wer war vor ihm dagewesen? Hillary Clinton! Ein Zeichen! Bild: dog eat dog films

Aber darum geht es erst nach der Halbzeit. Zuerst erzählt Michael Moore, wie er Hillary Clinton nie wählen wollte, weil er ein Bernie-Man war. Wie er die Trump-Wähler versteht und bewundert: Für das Entschiedene, Klare, Ordentliche, Organisierte, Diziplinierte ihres Weltbildes. «Ihr steht um 5 Uhr morgens auf – wir kennen 5 Uhr höchstens, weil wir dann nach einer Party zu Bett gehen.»

Für die Trumpwähler hat er das Innere des Theaters in Wilmington umgestaltet. Über allen «muslimischen oder muslimisch aussehenden» Gästen kreist eine Überwachungsdrohne. Alle «mexikanischen oder mexikanisch aussehenden» Zuschauer werden hinter einer Kartonmauer versteckt.

«Michael Moore in Trumpland»

Hier werden die «Mexikaner» eingemauert. Bild: dog eat dog films

«Michael Moore in Trumpland»

Und hier werden die «Muslime» von einer Drohne überwacht. Bild: dog eat dog films

Viele im Publikum sind jung. Sind Millenials. «Gestern kam ein Mann und sagte: ‹Mike, Mike, was tun wir bloss mit Millenials! Sie werden nicht wählen!›», erzählt Moore, «ich habe geantwortet: ‹Wir haben doch bereits etwas getan, wir haben sie erzogen!›»

Die oft gescholtenen Millenials sind für ihn kein Problem, sie seien weder für die Klimaveränderung noch für den Kollaps der Wall Street verantwortlich, wie würden weder Rassismus noch Homophobie kennen, hätten keine Truppen in den Irak geschickt und könnten zuverlässig jedes technische Gerät reparieren. Eine tolle Generation. Michael Moore weiss genau, wie man Wähler mobilisiert.

«Michael Moore in Trumpland»

Die Millenials hören gern, was Moore Nettes über sie zu sagen hat. Bild: dog eat dog films

In Trump erkennt er den «Molotow-Cocktail, die Handgranate der früheren Mittelklasse», die sich rächen will an einem System, das sie verarscht hat. So, wie die britischen Wähler mit dem Brexit ein Zeichen setzen wollten. Einfach mal ihre Meinung sagen wollten.

Die Wahlurne als «Anger Management». Davon gilt es die Leute abzuhalten.

Und schliesslich die ultimative Wahlempfehlung. Während Lewinsky-Gate suchte Michael Moore in einer TV-Show nach einem Date für Hillary. Er fragte: Donald Trump. Der seinerseits versicherte, dass es sich bei Hillary um «a hell of a good woman» und überhaupt eine wahnsinnig tolle Frau und die beste Gattin in Amerika handle. Und dass er ihr voller Respekt alles Gute wünsche. 

«Michael Moore in Trumpland»

Ja, das sagte Trump wirklich und er meinte wirklich Hillary Clinton damit. Bild: dog eat dog films

«Michael Moore in TrumpLand» pimpt Hillary Clintons Wahlkampf ganz zum Schluss mit etwas, das ihm bisher eher fern lag: mit Spass. Und mit grossen Gefühlen. Am Schluss sind alle hingerissen: Die Frauen, die Millenials, die «Muslime» und «Mexikaner», und alle Männer, die sich nach Moores Rede nicht mehr zu den hässigen weissen Männern zählen wollen. Also alle.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Miicha 26.10.2016 17:47
    Highlight Highlight Video lässt sich leider nicht mehr öffnen.
    • Tom Garret 27.10.2016 12:29
      Highlight Highlight Leider ja... Hatte das Teil zur Hälfte geschaut, weiter schauen heute, Fehlanzeige :-/

      Hier, einfach etwas kleiner :-)
      Play Icon
    • Miicha 28.10.2016 22:10
      Highlight Highlight Danke Tom!!
  • Tom Garret 26.10.2016 17:32
    Highlight Highlight Ein Detail, aber der Beyoncé's Auftritt beim Superbowl ist ca 4 Jahre her ;-)
    • Tom Garret 26.10.2016 17:55
      Highlight Highlight Mist muss mir selber ein Blitz geben :-D Sie hatte ja einen Gastauftritt mit Bruno Mars :-)
  • Calvin Whatison 26.10.2016 16:41
    Highlight Highlight Liebe ist... manchmal unergründlich 💕💕💖💘💝😂
  • Kookaburra 26.10.2016 16:10
    Highlight Highlight Ist tatsächlich besser als gedacht und unterhaltsam. Allerdings tönt Moore wie eine Feministin (und sieht auch immer mehr so aus) und ist gegen Monsanto und Wells Fargo, aber für Hillary? (da zeigt sich doch, dass er eigentlich gar keine Ahnung hat)
    Ausserdem ist gerade der übertriebene Feminismus ein sehr zweischneidiges Schwert. Einerseits kann man so (billig und populistisch) Frauenstimmen absahnen, aber andererseits wird dadurch so etwas wie Trumpf erst möglich.
    Moore geht es in erster Linie (wie immer) um sich selbst und um das Rampenlicht. Er hat wohl kein Geld mehr.
  • Kronrod 26.10.2016 14:53
    Highlight Highlight Michael Moore erklärt, warum "actually pretty decent people" Trump wählen.
    Play Icon

Wir schafften es bis nach Amerika! So wurde #dichterdran zum Twitter-Phänomen

Manchmal geschehen Dinge, die hält man im Traum nicht für möglich. Zum Beispiel, dass aus einem Spass, der mal als Psychohygiene begann, plötzlich ein internationaler Erfolg auf Twitter wird. Ein Erfahrungsbericht aus dem Leben mit #dichterdran.

Ob Feminismus oder Fussball, manchmal passt etwas einfach für beides. Ich muss da nämlich mal was klarstellen. Der Name des Hashtags #dichterdran ist geklaut. Ich gebe das hier lieber gleich zu, nicht, dass eines Tages jemand kommt, den Hashtag durch eine Plagiats-Software jagt und uns einen Skandal anhängt. Geklaut ist er von einem Freund, dem Berliner Schriftsteller Moritz Rinke, der einst eine Fussballkolumne für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» mit dem Titel «Dichter dran» …

Artikel lesen
Link zum Artikel