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epa06077495 A handout photo made available by the German Government (Bundesregierung) on 09 July 2017 shows German President Frank-Walter Steinmeier (2-L) and Hamburg's First Mayor Olaf Scholz (C) visiting a police officer (R, no name given) who suffered injuries during clashes within the G20 Summit, at the German Army (Bundeswehr) Hospital in Hamburg, Germany, 09 July 2017. Others are not identified. Steinmeier visited injured policemen and people, affected by the riots that took place during the G20 Summit, in the north German city. The G20 Summit (or G-20 or Group of Twenty), an international forum for governments from 20 major economies, sparked violent protest actions across the city, with dozens of injured people and heavy material damages.  EPA/GUIDO BERGMANN HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz besuchen einen Tag nach dem Ende des G20-Gipfels einen verletzten Polizisten im Spital. Bild: EPA/GERMAN GOVERNMENT

Dehydrierte Beamte mitgezählt – so flunkerte Hamburgs Polizei bei der Verletzten-Statistik



Die Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg sorgten für Schlagzeilen, die Gewaltbereitschaft und Zerstörungswut eines Teils der Demonstranten stiess auf breite Ablehnung. Als Beleg für deren Brutalität wurde häufig die Zahl von 476 Polizisten beigezogen. Diese vermeldete die Hamburger Polizei am 9. Juli in einer Pressemitteilung, einen Tag nach Abschluss des Gipfels.

Recherchen von Buzzfeed News lassen nun Zweifel an dieser Zahl aufkommen. Das Nachrichtenportal kontaktierte die Polizeibehörden aller 16 deutschen Bundesländer sowie die Bundespolizei. Die Hamburger Polizei gab als einzige angefragte Behörde keine Auskunft, da ihr keine eigenen Zahlen vorlägen. Die Rückmeldungen aus anderen Bundesländern zeigen gemäss Buzzfeed News grosse Diskrepanzen zu den von der Hamburger Polizei kommunizierten Statistik zum Gesamteinsatz.

So hat sich die Polizei für die Jahrhundert-Demo gerüstet

Es finden sich mehrere Ungereimtheiten: So meldeten sich mehr als die Hälfte der Beamten, die in der Statistik auftauchen, schon während den zwei Wochen vor Beginn der Ausschreitungen verletzt. Während der «heissen Einsatzphase» wurden 231 Polizisten verletzt.

Mehr als 95 Prozent der 476 verletzt gemeldeten Beamten konnten bereits nach kurzer Behandlung vor Ort weiterarbeiten. Die Zahl der Beamten, die aufgrund ihrer Verletzung auch noch am Folgetag oder länger dienstuntauglich waren, liegt bei 21 Polizisten. Auf Anfrage wurde aus keinem Bundesland schwer verletzte Polizisten gemeldet.

Analyse der Verletzten-Statistik: Die Zahlen von Buzzfeed News

Bild

Bild: buzzfeed news

Diese Erkenntnisse stehen im Widerspruch zu Aussagen des Gesamteinsatzleiters während des G20-Gipfels, Hartmut Dudde. Polizeidirektor Dudde ist bekannt als Erfinder der «Hamburger Linie», einer Praxis des harten Einschreitens der Polizei bei Demonstrationen. Von Dudde befehligte Polizeieinsätze gegen Demonstrationen wurden gerichtlich mehrfach als rechtswidrig beurteilt.

epa06073919 Riot police chase protesters during clashes at Schanzenviertel quarter close to the squatted culture center 'Rote Flora' on the sidelines of the G20 summit in Hamburg, Germany, 07 July 2017. The G20 Summit (or G-20 or Group of Twenty) is an international forum for governments from 20 major economies. The summit is taking place in Hamburg from 07 to 08 July 2017.  EPA/ARMANDO BABANI

Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Demonstranten beim autonomen Zentrum «Rote Flora» in Hamburg. Bild: ARMANDO BABANI/EPA/KEYSTONE

Auf der Abschluss-Pressekonferenz erweckte er einen ganz mit Bezug auf die 476 gemeldeten Verletzungen einen anderen Eindruck: «Darunter Gesichtstreffer durch Pyrotechnik, Fahrrad von der Brücke geworfen, Gehirnerschütterung, mit Steinen beworfen, Flaschenbewurf, Splitter unterm Visier.» 

In der Verletzten-Statistik werden auch Beamte mitgezählt, die wegen Dehydrierung kurzzeitig nicht einsatzfähig waren. Alleine am Freitag, dem ersten Tag des Gipfels, gab es mehrere Dutzend solcher Fälle. Rafael Behr, Professor an der Akademie der Polizei in Hamburg, kritisierte gegenüber Buzzfeed News: «Die Verletzten-Zahl muss dringend relativiert und eingeordnet werden». (cbe)

Hamburg im G20-Ausnahmezustand

Video: srf/SDA SRF

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