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FILE - In this Nov. 22, 2019 file photo, people attend the funeral of Said Abdel Ahad, a Christian fighter of the Syriac Military Council, in Hassakeh, Syria. Ahad was killed in a Turkish offensive near Tal Tamr. Investigators for the U.N.-backed Human Rights Council said on Monday, March 2, 2020, that they had found evidence of war crimes in Syria committed by nearly all sides in the conflict during the second half of last year and into January. (AP Photo/Baderkhan Ahmad, File)

Verstörte Menschen bei einer Beerdigung in Syrien. Bild: AP

Aktivisten melden: Mindestens 384'000 Tote im Syrien-Konflikt – darunter 22'000 Kinder



Seit Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011 sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 384'000 Menschen in Syrien getötet worden. Unter den Todesopfern seien mehr als 116'000 Zivilisten, darunter rund 22'000 Kinder und 13'000 Frauen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind unter den Toten mehr als 129'400 Kämpfer, die den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützten, darunter knapp 1700 Angehörige der pro-iranischen Schiitenmiliz Hisbollah. Zudem wurden demnach mehr als 70'600 Oppositionskämpfer sowie rund 67'300 Dschihadisten getötet.

Der Syrien-Konflikt hatte im März 2011 mit Protesten gegen Assad begonnen, die von der Führung in Damaskus mit Gewalt niedergeschlagen wurden. Dies führte zu einem das ganze Land erfassenden Krieg, in den sich nach und nach zahlreiche ausländische Mächte und Staaten einschalteten. Die Vereinten Nationen bezeichneten den Syrien-Konflikt im Jahr 2017 als die «schlimmste vom Menschen verursachte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg».

FILE - In this April 16, 2018, file photo, people stand in front of damaged buildings, in the town of Douma, near Damascus, Syria. In its ninth year, many Syrians fear their country’s unresolved war has become a footnote in a long list of world crises. (AP Photo/Hassan Ammar, File)

Zerstörte Häuser in Syriens Hauptstadt Damaskus. Bild: AP

Der Krieg hat die syrische Wirtschaft lahmgelegt und mehr als elf Millionen Syrer in die Flucht getrieben. Menschenrechtsorganisationen prangern immer wieder Menschenrechtsverletzungen durch die syrische Regierung an, darunter tödliche Angriffe mit Chemiewaffen, Folter sowie willkürliche Festnahmen. Doch auch die weiteren Konfliktparteien würden sich gemäss der Hilfsorganisation World Vision nicht an die Menschenrechte halten (siehe Infobox).

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat ihren Sitz in Grossbritannien und stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.

FILE - In this Feb. 11, 2020, file photo, Syrian government helicopter is shot by a missile in Idlib province, Syria. Syria’s civil war has long provided a free-for-all battlefield for proxy fighters. But in its ninth year, the war is drawing major foreign actors into direct conflict, with the threat of all-out confrontations becoming a real possibility. (AP Photo/Ghaith Alsayed, File)

Ein von einer Rakete getroffener Helikopter der syrischen Regierung. Bild: AP

World Vision sieht in Syrien Kriegsverbrechen von allen Seiten

In der nordsyrischen Konfliktregion Idlib begehen nach Einschätzung der Hilfsorganisation World Vision alle Seiten Kriegsverbrechen. Keine Konfliktpartei halte sich an internationales humanitäres Recht, sagte deren Syrien-Koordinatorin Marianna von Zahn am Samstag im Deutschlandfunk. Zwar seien die Luftangriffe derzeit zurückgegangen, doch die Menschen hätten Angst, in ihre Städte und Häuser zurückzukehren, weil sie dem Waffenstillstand nicht trauten.

Viele Binnenflüchtlinge in der Region lebten in Lagern. Im Winter seien viele Menschen in improvisierten Lagern erfroren, sagte von Zahn. Die kommende Regenzeit werde die Camps überfluten und den Menschen wieder alles nehmen.

Das Gesundheitssystem sei zusammengebrochen. Derzeit gelangten Hilfsgüter über zwei Uno-kontrollierte Grenzübergange nach Idlib. Die medizinische Versorgung werde hauptsächlich von Hilfsorganisationen geleistet. Es gebe zwar auch mobile Ambulanzen in schwer zugänglichen Gegenden, doch es herrsche Mangel an Medikamenten und Personal.

Idlib ist ausserhalb der von Kurden beherrschten Gebiete das letzte grosse Gebiet Syriens, das nicht von der Regierung kontrolliert wird. In der vergangenen Woche hatten die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, eine Waffenruhe für Idlib vereinbart. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt Rebellen, Russland die Regierung. (rst/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • LalaLama 15.03.2020 03:50
    Highlight Highlight Und es interessiert einfach fast niemanden. Und denken wir auch an alle, die in Lybien, Türkei und Griechenland hängen geblieben sind. Tragisch.
    Frieden stiften ist auch schwierig. Eine Pufferzone wäre gut....aber die hat Trump leider zubomben lassen.
  • Noach 14.03.2020 21:09
    Highlight Highlight Bitte Bitte,könnt ihr nicht endlich mit diesem sinnlosen Krieg aufhören ,was für eine Schande für die Menschheit!
  • Ueli_DeSchwert 14.03.2020 21:05
    Highlight Highlight Lesebeispiel: Im Syrien-Konflikt sind drei mal mehr Personen gestorben, als von Corona weltweit überhaupt infisziert wurden. Lass dir das mal auf der Zunge vergehen, das ist Wahnsinn.
    • Rüebliraupe 14.03.2020 23:04
      Highlight Highlight Da sterben Kinder und junge Menschen...
      Wo sind hier die Berichte über die Ärzte und Pflegefachkräfte, welche jeden Tag fürs Überleben dieser Menschen sorgt? Oder das Hilfspaket? Oder die Solidarität?
      Ich hab aktuell so viele offene Fragen...
  • Dong 14.03.2020 20:46
    Highlight Highlight Zur Erinnerung: Die „Opposition“ hält aktuell noch die Gegend um Idlib, und die Kontrolle haben dort Al Qaida-Einheiten, welche von der Türkei gestützt werden. Mir ist auch kein unabhängiger Journalist bekannt, der sich da reintrauen würde. Das Wort „Aktivisten“ ist vor diesem Hintergrund blanker Zynismus.
    • LalaLama 15.03.2020 03:46
      Highlight Highlight Aber trotzdem ist das doch eine Katastrophe. All diese Kinder, die so aufwachsen müssen (egal wieviele es sind). :-(
  • izzygoing 14.03.2020 19:39
    Highlight Highlight Endlich wieder ein Beitrag zu Syrien. Im Moment dreht sich sonst alles nur um das Coronavirus. Ich hoffe sehr, dass diese sinnlose Gewalt endlich ein Ende findet. Aber solange gewisse Länder davon profitieren, ist dies wohl reine Utopie.
    • für d' Füchs 14.03.2020 23:43
      Highlight Highlight Dieses Land ist in vielen Belangen so total zerstört, da ist ein "echter" Frieden leider fast unvorstellbar. Korruption, Misstrauen unter der Bevölkerung, Armut und viele weitere Faktoren werden wohl immer wieder für ein Aufflammen von Konflikten sorgen, selbst wenn sich nun z.B. morgen alle die Hände schütteln und die Kämpfe einstellen würden. So zumindest erklärte es mir ein guter Freund, der aus Syrien kommt (zurzeit aber zum Glück in den USA lebt). Da können wir einmal mehr einfach unglaublich dankbar sein, in einem so sicheren und stabilen Land wie der Schweiz zu leben.
  • NumeIch 14.03.2020 19:20
    Highlight Highlight Syrien ist so weit weg und die Bomben die auf das Land niederregnen sind nicht zusehen. Aber dieses Corona Virus sehe die Hamster vor ihrem geistigen Auge während sie panisch 10kg Teigwaren und 10 Liter Wasser im Einkaufswagen stappeln. Also liebe Syrer kommt ja nicht hier her. Das ist meine Nahrung.
    Ach wie gut es uns doch geht in der Schweiz! Das Leben ist schön.
  • Coffeetime ☕ 14.03.2020 18:28
    Highlight Highlight Ich bin jetzt recht zynisch. Aber würde Syrien Hauptproduzent für WC-Papier sein, dann hätten viele Staaten schon eingegriffen.... aber es ist halt "nur" Syrien und ist weit weg. Deshalb geht es den Meisten am Allerwertesten vorbei. Siehe auch die Anzahl Kommentare.

    Irgendwann muss aber etwas gemacht werden. Je früher desto besser. Wie kann so eine Situation überhaupt geduldet werden?
    • Friction 15.03.2020 02:56
      Highlight Highlight @coffeetime: total auf den Punkt gebracht!
      Die wenigen Kommentare zeugen echt davon, in wie weit die Solidarität aufgrund dieses Coronasch**sses gelitten hat. insbesondere die Solidarität ausserhalb des eigenen Landes....

      Unfassbar! Und zum K***en!
  • Garp 14.03.2020 18:14
    Highlight Highlight Wer ist denn mit Aktivisten gemeint? Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte? Danke für die Aufklärung im Voraus.

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