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Verstörte Menschen bei einer Beerdigung in Syrien.
Verstörte Menschen bei einer Beerdigung in Syrien.
Bild: AP

Aktivisten melden: Mindestens 384'000 Tote im Syrien-Konflikt – darunter 22'000 Kinder

14.03.2020, 15:51

Seit Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011 sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 384'000 Menschen in Syrien getötet worden. Unter den Todesopfern seien mehr als 116'000 Zivilisten, darunter rund 22'000 Kinder und 13'000 Frauen, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle sind unter den Toten mehr als 129'400 Kämpfer, die den syrischen Machthaber Baschar al-Assad unterstützten, darunter knapp 1700 Angehörige der pro-iranischen Schiitenmiliz Hisbollah. Zudem wurden demnach mehr als 70'600 Oppositionskämpfer sowie rund 67'300 Dschihadisten getötet.

Der Syrien-Konflikt hatte im März 2011 mit Protesten gegen Assad begonnen, die von der Führung in Damaskus mit Gewalt niedergeschlagen wurden. Dies führte zu einem das ganze Land erfassenden Krieg, in den sich nach und nach zahlreiche ausländische Mächte und Staaten einschalteten. Die Vereinten Nationen bezeichneten den Syrien-Konflikt im Jahr 2017 als die «schlimmste vom Menschen verursachte Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg».

Zerstörte Häuser in Syriens Hauptstadt Damaskus.
Zerstörte Häuser in Syriens Hauptstadt Damaskus.
Bild: AP

Der Krieg hat die syrische Wirtschaft lahmgelegt und mehr als elf Millionen Syrer in die Flucht getrieben. Menschenrechtsorganisationen prangern immer wieder Menschenrechtsverletzungen durch die syrische Regierung an, darunter tödliche Angriffe mit Chemiewaffen, Folter sowie willkürliche Festnahmen. Doch auch die weiteren Konfliktparteien würden sich gemäss der Hilfsorganisation World Vision nicht an die Menschenrechte halten (siehe Infobox).

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat ihren Sitz in Grossbritannien und stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite oft kaum zu überprüfen.

Ein von einer Rakete getroffener Helikopter der syrischen Regierung.
Ein von einer Rakete getroffener Helikopter der syrischen Regierung.
Bild: AP
World Vision sieht in Syrien Kriegsverbrechen von allen Seiten
In der nordsyrischen Konfliktregion Idlib begehen nach Einschätzung der Hilfsorganisation World Vision alle Seiten Kriegsverbrechen. Keine Konfliktpartei halte sich an internationales humanitäres Recht, sagte deren Syrien-Koordinatorin Marianna von Zahn am Samstag im Deutschlandfunk. Zwar seien die Luftangriffe derzeit zurückgegangen, doch die Menschen hätten Angst, in ihre Städte und Häuser zurückzukehren, weil sie dem Waffenstillstand nicht trauten.

Viele Binnenflüchtlinge in der Region lebten in Lagern. Im Winter seien viele Menschen in improvisierten Lagern erfroren, sagte von Zahn. Die kommende Regenzeit werde die Camps überfluten und den Menschen wieder alles nehmen.

Das Gesundheitssystem sei zusammengebrochen. Derzeit gelangten Hilfsgüter über zwei Uno-kontrollierte Grenzübergange nach Idlib. Die medizinische Versorgung werde hauptsächlich von Hilfsorganisationen geleistet. Es gebe zwar auch mobile Ambulanzen in schwer zugänglichen Gegenden, doch es herrsche Mangel an Medikamenten und Personal.

Idlib ist ausserhalb der von Kurden beherrschten Gebiete das letzte grosse Gebiet Syriens, das nicht von der Regierung kontrolliert wird. In der vergangenen Woche hatten die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, eine Waffenruhe für Idlib vereinbart. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt Rebellen, Russland die Regierung. (rst/sda/dpa)
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