International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07496557 British Prime Minister Theresa May speaks to media as she arrives for a special EU summit on Brexit at the European Council in Brussels, Belgium, 10 April 2019. EU leaders gathered for an emergency summit in Brussels to discuss a new Brexit extension.  EPA/STEPHANIE LECOCQ

Bild: EPA/EPA

Brexit-Frist wird bis Halloween verlängert – 5 Fragen und Antworten

Die EU hat Theresa May angeboten, den Brexit auf Ende Oktober zu verschieben. Das stellt die Briten allerdings vor neue Probleme: Sie müssen an der Europawahl im Sommer teilnehmen.



Was ist passiert?

Grossbritannien hat einer erneuten Fristverlängerung für den Brexit bis zum 31. Oktober zugestimmt. Die britische Premierministerin Theresa May akzeptierte in der Nacht auf Donnerstag ein EU-Angebot zur erneuten Verschiebung des Brexits.

Dies bestätigte EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel auf Twitter. «Das bedeutet sechs weitere Monate für das Vereinigte Königreich, um die bestmögliche Lösung zu finden», fügte er hinzu. Die Briten müssen damit aller Voraussicht nach Ende Mai an der Europawahl teilnehmen.

Ursprünglich war der Brexit bereits für den 29. März geplant. Die EU hatte die Frist jedoch auf diesen Freitag verlängert. Ohne erneuten Aufschub wäre es am Freitag voraussichtlich zu einem Chaos-Brexit mit dramatischen Folgen für die Wirtschaft und viele Lebensbereiche gekommen.

Wie verliefen die EU-Verhandlungen?

In einer mehrstündigen Verhandlung hatten sich die verbleibenden EU-Staaten auf den 31. Oktober als spätestes Brexit-Datum geeinigt. Vor allem Frankreich hatte jedoch Widerstand gegen einen so langen Aufschub geleistet. Sollte das Parlament in London dem bereits mit der britischen Regierung ausgehandelten Austrittsdeal zustimmen, könnte Grossbritannien die EU auch schon früher verlassen.

epa07494366 French President Emmanuel Macron (L) greets British Prime Minister Theresa May (R) as she arrives for a meeting at the Elysee Palace in Paris, France, 09 April 2019. British Prime Minister Theresa May is in Paris and Berlin seeking an extension to article 50.  EPA/IAN LANGSDON

Emmanuel Macron leistete zunächst Widerstand gegen einen langen Brexit-Aufschub. Bild: EPA/EPA

Im Juni wollen die EU-Spitzen bei einem weiteren Treffen erneut über den Fortschritt in Grossbritannien beim Brexit reden, wie Maltas Premier Joseph Muscat auf Twitter mitteilte.

May hatte für eine Verschiebung des Austritts bis zum 30. Juni geworben. EU-Ratspräsident Tusk hatte allerdings gewarnt, ein kurzer Aufschub berge das Risiko immer neuer Sondergipfel und Fristen. Dies könnte die übrige Arbeit der EU in den kommenden Monaten überschatten und lähmen.

Welche Bedingungen stellt die EU an die Briten?

Die Verlängerung ist nach dem Entwurf der Gipfelerklärung von EU-Seite an klare Bedingungen geknüpft. So müssen die Briten im Mai an der Europawahl (23.-26. Mai) teilnehmen. Dies soll sicherstellen, dass es keine rechtlichen Schwierigkeiten gibt, falls Grossbritannien im Sommer noch EU-Mitglied sein sollte, aber keine Abgeordneten gewählt hat.

Eine weitere Bedingung für die Brexit-Verschiebung ist, dass sich die britische Regierung verpflichtet, nicht mehr in EU-Entscheide einzugreifen oder diese zu blockieren. Dies könnte etwa bei der Ernennung des nächsten EU-Kommissionschefs oder den Verhandlungen über den EU-Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis Ende 2027 wichtig sein.

Die «flexible» Verschiebung bedeutet nun , dass die Briten aber auch früher austreten könnten - etwa, falls das britische Unterhaus das mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen doch noch annimmt.

Wie geht es jetzt weiter?

May muss nun weiter versuchen, in London eine Mehrheit für ihren Brexit-Kurs zu finden. Sie steckt in der Klemme, weil das britische Parlament den mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag inzwischen bereits drei Mal abgelehnt hat.

Kurzfristig begonnene Vermittlungsgespräche mit Labour-Chef Jeremy Corbyn brachten noch keine Lösung, sollen aber an diesem Donnerstag weitergehen. Die oppositionelle Labour-Partei will eine weichere Form des Brexits mit einer Zollunion und eine engeren Anbindung an die EU, was Hardliner in Mays Konservativer Partei jedoch kategorisch ablehnen.

epa07484292 British Labour party opposition leader Jeremy Corbyn departs his home in London, Britain, 04 April 2019. Corbyn and British Prime Minister Theresa May will continue talks between Conservative and Labour teams to end the Brexit deadlock.  EPA/ANDY RAIN

An ihm beisst sich May die Zähne aus: Jeremy Corbyn. Bild: EPA/EPA

May wird die Gipfelergebnisse nach Angaben eines britischen Regierungssprechers an diesem Donnerstag dem Unterhaus in London vorstellen. Die Abgeordneten müssten aber nicht zustimmen, es sei keine Abstimmung geplant, sagte er.Die «flexible» Verschiebung bedeutet nun, dass die Briten aber auch früher austreten könnten - etwa, falls das britische Unterhaus das mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen doch noch annimmt.

Moment mal, der 31. Oktober – das ist doch....?

Halloween! Auf Twitter wird der neue Termin am 31. Oktober deswegen zum Gegenstand zahlreicher Witze. Der BBC zitiert Tweets wie etwa ein "Nightmare on Downing Street" des schottischen Abgeordneten Keith Brown. Journalisten und Mitarbeiter des Senders kündigen an, sich als Donald Tusk oder Jean-Claude Juncker zu verkleiden. Hier ein paar Anregungen:

(sar/sda/dpa/afp/reu)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die Brexit-Frage spaltet Grossbritannien

Ein chaotischer Brexit hätte für die EU verheerende Folgen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

21 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Kiffkev
11.04.2019 06:18registriert March 2019
S wer doch so eifach!🐱🤫
1252
Melden
Zum Kommentar
De Biber
11.04.2019 02:22registriert August 2017
Tamisiäch. Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf Morgen. Hat mein Mami immer gesagt. Aber jetzt wird sicher alles flauschig...... nöd!
1067
Melden
Zum Kommentar
Matti_St
11.04.2019 02:25registriert August 2017
Dann haben sie genug Zeit um eine neue Regierung zu wählen.
784
Melden
Zum Kommentar
21

«Adieu Samuel»: Frankreich nimmt Abschied von brutal ermordetem Lehrer

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat bei einer emotionalen Gedenkfeier für den brutal ermordeten Lehrer Samuel Paty zur Verteidigung der Freiheit aufgerufen. «Wir werden nicht auf Karikaturen (und) Zeichnungen verzichten», sagte Macron am Mittwochabend im Innenhof der Pariser Sorbonne-Universität mit Blick auf die Mohammed-Karikaturen, die weltweit Kontroversen ausgelöst hatten. Der 47 Jahre alte Paty sei das Opfer einer tödlichen Verschwörung, von Dummheit, Lüge und Hass auf …

Artikel lesen
Link zum Artikel