Das steckt hinter dem massiven Militär-Aufmarsch der Europäer im Mittelmeer
Der Krieg im Iran rückt näher an die Europäer heran: Bei einem Drohnenangriff im Nordirak wurde ein französischer Offizier getötet und mehrere französische Soldaten verletzt, wie Präsident Emmanuel Macron am Freitag bekannt gab.
Gleichzeitig rücken aber auch die Europäer näher an den Krieg heran: In den vergangenen Tagen haben verschiedene europäische Staaten im östlichen Mittelmeer eine kleine Armada zusammengezogen. Steigt Europa in den Krieg im Nahen Osten ein?
Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Mit welchen Kräften sind die Europäer vor Ort?
Aktuell befinden sich über 20 europäische Kriegsschiffe im östlichen Mittelmeer. Im Zentrum des Aufmarsches steht der französische Flugzeugträger «Charles de Gaulle». Er hat 30 Rafale-Kampfjets, drei Aufklärungsflugzeuge und drei Helikopter an Bord. Begleitet wird der Flugzeugträger von einer Eskorte von insgesamt acht französischen Fregatten.
Dazu kommen niederländische, italienische, spanische und griechische Kriegsschiffe. Zudem hat Frankreich zwei seiner Helikopterträger der Mistral-Klasse und mindestens ein nuklear betriebenes U-Boot in die Region beordert. Laut französischen Fachmedien sind rund 80 Prozent der 28 grösseren Schiffe der französischen Marine im Einsatz auf hoher See. Die Heimathäfen in Toulon und Brest sind weitestgehend leer. Ein solcher Aufmarsch ist beispiellos in Friedenszeiten.
Wo sind die Briten und die Deutschen?
Deutschland ist bloss mit der Fregatte «Nordrhein-Westfalen» präsent. Sie patrouilliert im Rahmen einer UNO-Mission vor den Küsten des Libanons. Weitere deutsche Marine-Kräfte sind zurzeit im Nordatlantik gebunden.
Abwesend sind die Briten, obwohl ihre Luftwaffenbasis auf Zypern vor knapp zwei Wochen Ziel eines iranischen Drohnenangriffs wurde. Der Grund: Die ehemals stolze «Royal Navy» ist in einem schlechten Zustand. Ein Grossteil der Schiffe ist wegen Unterhaltsarbeiten nicht einsatzfähig.
Der Luftverteidigungs-Zerstörer «HMS Dragon» ist erst vor zwei Tagen von England ausgelaufen und wird das Gebiet in rund einer Woche erreichen. Die «HMS Prince of Wales», der momentan einzige einsatzfähige Flugzeugträger, liegt im Hafen von Portsmouth. Er wurde zwar in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Es gibt laut britischen Regierungskreisen aber keine Pläne, ihn bald loszuschicken.
Was ist der Zweck des Aufmarschs?
Primär: Das EU-Land Zypern vor weiteren Bedrohungen schützen. Aber auch gegenüber Partnerstaaten in der Region Präsenz signalisieren.
Das östliche Mittelmeer dient zudem als Aufmarschgebiet: Durch den Suezkanal gelangt man schnell ins Rote Meer an die Arabische Halbinsel. Dort, rund um den Golf von Aden, ist bereits die EU-Marine-Mission «Aspides» im Einsatz. Sie umfasst aktuell drei Kriegsschiffe, die den Frachtverkehr seit dem Jahr 2024 gegen Angriffe der jemenitischen Huthi-Miliz schützen. Frankreich hat nun zwei zusätzliche Fregatten zur Verstärkung von «Aspides» losgeschickt.
Diskutiert wird, das Mandat der Mission auf die Strasse von Hormus am Persischen Golf auszuweiten, die von Iran blockiert wird. Nach einer Videokonferenz der G-7-Staaten kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch eine solche, «rein defensive» Initiative an. Demnach bastelt der französische Staatschef an einer Koalition von Ländern, die zu einem Einsatz bereit wären.
Wie realistisch ist ein Eingreifen der Europäer?
Das Eskortieren von Tankern und Handelsschiffen durch die Strasse von Hormus käme nicht nur mit grossen Kosten, sondern auch Risiken. Vor allem, wenn die Iraner die Meeresenge vermint hätten, wie es erste Meldungen kolportieren. Europäische Kriegsschiffe wären zudem ein einfaches Ziel für Irans Billig-Drohnen. Eine direkte Beteiligung am Krieg wäre kaum noch zu vermeiden.
Laut Macron könnte die Schutz-Mission deshalb erst starten, «sobald die heisseste Phase des Konflikts» vorbei sei. Sobald das der Fall ist, wollen die Europäer aber bereit sein.
(aargauerzeitung.ch)
