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epa08587331 French President Emmanuel Macron hugs a resident as he visits a devastated street of Beirut, Lebanon, 06 August 2020. Macron arrived to Lebanon to show support after a massive explosion on 04 August in which at least 135 people were killed, and more than 5,000 injured in what believed to have been caused by an estimated 2,750 of ammonium nitrate stored in a warehouse.  EPA/Thibault Camus / POOL MAXPPP OUT

Macron umarmt eine aufgebrachte Frau in den Strassen von Beirut. Bild: keystone

Frau in Beirut schimpft über Regierung – Macron reagiert mit inniger Umarmung

Macron besuchte am Donnerstag Beirut. Die folgenden 3 Videos werden in Erinnerung bleiben.



Zwei Tage nach der schweren Explosion hat Emmanuel Macron Beirut besucht. Der französische Präsident besuchte den Hafen und machte sich ein Bild von der Zerstörung in den umliegenden Strassen. Wie diverse Videos von Macrons Besuch zeigen, liegen die Nerven in der libanesischen Hauptstadt blank.

Grosses Gedränge

Für die Bodyguards des französischen Präsidenten muss der Besuch in Beirut ein Albtraum gewesen sein. Wie ein Video des BBC-Journalisten Quentin Sommerville zeigt, war das Gedränge in den Strassen der libanesischen Hauptstadt sehr gross. Viele aufgebrachte Bürger konfrontierten den französischen Präsidenten mit ihren Sorgen und Forderungen. Man hörte etwa einen Mann flehen: «Bitte helfen Sie uns! Was machen Sie, um uns zu helfen?»

Zudem hörte man immer wieder, wie die Menschen in den Gassen den Sturz der libanesischen Regierung fordern: «Das Volk will den Sturz des Regimes!» Macron versuchte trotz des grossen Durcheinanders ruhig zu bleiben und mit einzelnen Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Macron umarmt Frau

Ein Austausch wird wohl besonders in Erinnerung bleiben. Eine Frau liess ihrem Ärger über die aktuelle und vorhergehende Regierung freien Lauf. Sie warf Macron vor, dass er sich mit «Warlords» treffe. Der französische Präsident wurde vom libanesischen Präsidenten, Michel Aoun, in Empfang genommen. Der Premierminister, der Präsident und der Sprecher des Parlements würden alle unter einer Decke stecken, schimpfte die Frau. «Sie haben uns die vergangenen Jahre manipuliert.»

Der Gast aus dem Elysée-Palast, das erste Staatsoberhaupt, welches den Libanon nach der Katastrophe besuchte, hörte der Frau zunächst geduldig zu. Dann entgegnete er ihr: «Ich bin nicht hier, um denen zu helfen. Ich bin hier, um euch zu helfen.»

Anschliessend nahm der französische Präsident die Frau zu sich und umarmte sie innig. Das Bild der Umarmung wird nun auf Social Media herumgereicht. Es zeigt einen starken Kontrast. Während sich die libanesische Regierung seit der Explosion nicht auf die Strasse wagte, begab sich Macron auf Augenhöhe mit der leidtragenden Bevölkerung.

Macron macht Druck

Mehrfach hörte man von den Menschen auf der Strasse den Wunsch nach einem politischen Wandel im Libanon. Hilfsgüter und Geld alleine würden nicht viel bringen. Macron ging auf diese Forderungen ein und kündigte an, dass er einen neuen politischen Pakt einfordern werde.

Dann fügte er eine Aussage an, die noch für Gesprächsstoff sorgen dürfte, zumal Frankreich im vergangenen Jahrhundert als Kolonialmacht noch das Sagen im Libanon hatte. Macron sagte über seine Pläne für politische Reformen: «Ich werde am 1. September zurückkommen und falls sie es nicht hinkriegen, werde ich meine politische Verantwortung übernehmen.»

(cma)

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Hoffen auf Lebenszeichen: Retter suchen in Beirut nach Verletzten

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    Alle Leser-Kommentare
  • StGb Art. 258 @ Bundesrat 07.08.2020 15:22
    Highlight Highlight Ist das nicht der Heuchler der Leuten die im eigenen Land unzufrieden mit SEINER Regierung sind von der Polizei die Hände abschiessen lässt?
  • Winger 07.08.2020 12:10
    Highlight Highlight Der Macron will wiederkommen wenn sich im Libanon nichts verändern sollte. Der Typ hält sich für Rambo, der dann aufräumen will. Es ist gut, wenn eine europäische Mittelmacht versucht sich einzumischen und das Feld nicht den Türken, Iranern oder Chinesen überlässt. Aber warum nicht schon früher? Seine Reise ist reine Selbstinszenierung. Er kann die Probleme kaum lösen. Von der EU hat er keinen Auftrag, vor allem keinen, dort europäische Steuergelder zu verteilen. Soll es die Fremdenlegion schicken? Die dürfte historisch gesehen zu sehr belastet sein. Wirtschaftshilfe alleine genügt aber nicht.
  • Sharkdiver 06.08.2020 22:20
    Highlight Highlight Typisch heutige Zeit. Macht ein Politiker nichts, typisch böse Politiker, geht einer auf die Menschen zu, spricht mit ihnen oder sowas wie hier, ist es nur Eigennutz. (Das gleiche gilt auch bei Stars oder reiche) an allem schlechten sind nur Politiker und die Reichen und Berühmte schult, so kann sich jeder aus der Verantwortung ziehen und auf die anderen Zeigen. So einfach ist ja die Welt.
    Immerhin hat Macron so einiges Riskiert. Nicht viele Politiker würden sich das trauen, trotz Schutz. Und anstelle die Frau herablassend zu behandeln, hat er ihr Trost gespendet. Eine ehrenvolle Geste 👍🏻
    • So oder so 06.08.2020 23:48
      Highlight Highlight Das Blöde ist die Bilder haben alle inzwischen gesehen in Beirut und sie werden auch in einem Monat noch auf allen Handys sein - in einem Monat muss der Trost in anderer Form daherkommen sonst haben andere Interessen Gruppen ne Gute Vorlage. Aber ja Forza Macron - das kann er dann dem Putin unter die Nase Reiben - hast gesehen Vladi, mittendrin , kannst das auch Hä !
  • Hardy18 06.08.2020 21:10
    Highlight Highlight Ich wünsche denen, dass nach solchen Worten auch Taten folgen und nicht weiterhin Kuscheldiplomatie betrieben wird, um irgendwelche Beziehungen zu verlieren.

    Ich verstehe so einige Länder nicht, wie sie nur zuschauen können, wie andere ihre Völker niedermachen um sich selber zu bereichern. Und da ist Libanon nicht das einzige Land. Haut endlich gemeinsam auf den Tisch und und macht ihnen Klar, dass es so nicht geht!
    Es soll nicht heissen das unsere Politik was für andere Länder sein kann bzw die beste ist, aber eins weiss ich, Leben möchte ich in solch Politischen Ländern nicht.
  • Randy Orton 06.08.2020 20:47
    Highlight Highlight Frankreich hat nach wie vor eine Verantwortung für die von ihm kolonialisierten Gebiete, nicht nur historisch. Bis heute bezahlen diese Staaten wortwörtlich teuer, Frankreich ist nach wie vor der Nutzniesser und beutet fröhlich weiter aus. Immerhin sieht Macron das ein und übernimmt politisch ein kleines bisschen Verantwortung für die Region.
  • Hyper80 06.08.2020 20:10
    Highlight Highlight Die Stimmung ist in dieser schwierigen Zeit extrem angespannt und emotional. Verständlich aber macht auch Angst.
  • Militia 06.08.2020 18:36
    Highlight Highlight Was Macron hier wohl für eine Agenda hat..? Man hat noch nicht mal alle Toten geborgen und ein ausländischer Staatschefs gibt den Messias der leidenden Bevölkerung. A suivre...
    • De-Saint-Ex 06.08.2020 19:53
      Highlight Highlight Wär‘s Dir lieber, Syrien, Iran oder Russland würden den „Messias“ geben? Schliesslich sind diese Staaten für den (erneuten) Niedergang Libanons mitverantwortlich. Mir ist es weitaus lieber, ein westeuropäischer Staatschef manifestiert Präsenz. Europa kann sich kein weiteres Auseinanderbrechen eines Mittelmeerstaates leisten!
    • Militia 06.08.2020 20:21
      Highlight Highlight Bevor sich noch nicht Mal der Staub gelegt hat, hat dort überhaupt kein ausländischer Staatschef sich zu profilieren. Haltet ihr den Libanon und seine Bürger für unmündige Idioten, welche sich gerne von Neo-Imperialisten das Leben erklären lassen? Oder denkt ihr, dass Frankreich den Libanon aus der Misere holen wird? Dort wo es richtig brennt wir in Syrien oder Palästina hört man nämlich nichts von Macron. Scheinbar scheint seine Taktik aufzugehen.
    • De-Saint-Ex 06.08.2020 20:49
      Highlight Highlight Ach, und „plötzlich“ sollte er aber überall anzutreffen sein? Come on!
    Weitere Antworten anzeigen
  • So oder so 06.08.2020 18:35
    Highlight Highlight Nicht ganz uneigennützig aber sehr Mutig von Macron - da ziehe ich denn Hut. Ich Hoffe das alle in der Region und im Westen merken das es ein Libanon der Komplet untergeht einfach sehr sehr übel wäre - für alle.
    • Gabern 06.08.2020 19:11
      Highlight Highlight Warum müssen Sie Macron Eigennutz unterschieben? Warum darf es nicht einfach eine spontane Reaktion sein?
    • Waseli 06.08.2020 19:19
      Highlight Highlight @Gabern:
      Möglich, dass es spontan ist, aber wir reden hier von Politik. In diesem Gremium wird sehr viel mit öffentlicher Inszenierung gearbeitet.
      Ein bischan Skepsis schadet daher nicht
    • Gawayn 06.08.2020 20:04
      Highlight Highlight Ich weiß von keinem Presidenten der sich in den letzten Jahren so verhalten hat.

      Egal wie Viele ihn begleiten.
      Bei einer derart großen Menschenmenge gibt es keine Sicherheit.
      In Beirut gibt es eine irre hohe Waffen pro Kopf Dichte.
      Aber schon ein Irrer mit einem Schraubenzieher in der Hand hätte gereicht.

      Man kann Macron vieles übel nehmen.
      Aber hier hat er Größe bewiesen und Frankreich Ehre gemacht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • chicadeltren 06.08.2020 18:22
    Highlight Highlight Was soll denn das jetzt? Soll der Libanon von Frankreich anektiert werden oder was?
    • Coffeetime ☕ 06.08.2020 18:34
      Highlight Highlight Warum kann nicht jemand Herz zeigen, ohne dass die Tat wieder von jemanden schlecht gemacht werden muss?
    • Tikvaw 06.08.2020 19:00
      Highlight Highlight Libanon war Jahrzehnte lang unter französischem Mandat. Also eine Quasi-Kolonie.
      Die Beziehungen sind deshalb sehr stark und eng miteinander verflochten.
    • Neruda 06.08.2020 19:15
      Highlight Highlight So traurig wie's ist, wäre wohl besser für die einfache Bevölkerung.
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