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Euphorie in Russland: Wie der Grönland-Konflikt Moskau zum Jubeln bringt

Euphorie in Russland: «Europa ist am Arsch – und es ist ein Vergnügen, das mitanzusehen»

Zu Jahresbeginn herrschte in Moskau noch Kater-Stimmung wegen Maduros Sturz in Venezuela. Jetzt sorgt der Grönland-Konflikt für russische Jubelstürme.
20.01.2026, 18:3020.01.2026, 18:30
Bojan Stula / ch media

Für Russlands Staatspräsident Wladimir Putin erweist sich Donald Trump – wieder einmal – als einer seiner produktivsten Verbündeten: Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gab am Montag bekannt, dass sein Chef über diplomatische Kanäle eine Einladung der USA zur Teilnahme am sogenannten Friedensrat für den Gaza-Streifen erhalten habe.

«Ein Geschenk für Moskau»: Russlands Kreml-Herrscher Wladimir Putin schaut bestimmt belustigt dem Treiben im «Irrenhaus Europa» zu.
«Ein Geschenk für Moskau»: Russlands Kreml-Herrscher Wladimir Putin schaut bestimmt belustigt dem Treiben im «Irrenhaus Europa» zu. bild: ap

«Derzeit prüfen wir alle Details dieses Angebots, zudem hoffen wir auf Kontakte mit der amerikanischen Seite, um alle Nuancen zu klären», kommentierte Peskow sichtlich befriedigt diese Einladung gegenüber der staatlichen Agentur Interfax. Laut Analysten wird sich Putin eine solche Chance zur Rückkehr aufs westliche diplomatische Parkett nicht entgehen lassen. Dafür dürfte auch die von Trump geforderte Milliarde Dollar «Beitrittsgebühr» kein Hindernis darstellen, welche das US-Portal Bloomberg News zuerst publik gemacht hat.

Noch bedeutsamer als der rote Nahost-Teppich des Weissen Hauses wird in Russland aber das Zerwürfnis über Grönland angesehen. Das Thema dominiert zu Wochenbeginn die russische Meidenlandschaft. So stellt die Tageszeitung «Moskowsky Komsomolez» in einem Kommentar fest: «Europa ist am Arsch. Und offen gesagt, es ist ein Vergnügen, das mitanzusehen.» Die vergangene Woche habe einen guten Witz hervorgebracht, fährt der Verfasser fort: «Jahrzehntelang befürchtete Dänemark, als Teil der Nato, einen Angriff Russlands. Jetzt erfolgt der Angriff durch die Nato.» Was direkt zum Titel des Artikels führt: «Im Irrenhaus ist der Chefarzt verrückt geworden.»

«Grönland – das Ende der Nato?»

Ebenfalls mit viel Freude, aber auch mit einem interessanten Dreh schreibt die staatliche Tageszeitung «Rossikaja Gazeta» über «Grönland – das Ende der Nato?», wie es im hoffnungsvollen Titel des Artikels heisst. «Für Washington ist das westliche Verteidigungsbündnis, in dem die USA jahrzehntelang die erste Geige gespielt haben, weniger wichtig als eine Erweiterung seines Territoriums.» Daraus folgert der Autor: «Wenn Trump die Annexion von Grönland am 4. Juli 2026 erreicht, wenn Amerika das 250. Jubiläum der Unabhängigkeit feiert, wird er ohne Zweifel zur historischen Figur.»

Dazu analysiert Steve Rosenberg, der Moskau-Korrespondent der BBC, in seiner Presseschau: «So wie das hier geschrieben steht, ermutigt die Zeitung Donald Trump regelrecht dazu, um Grönland zu kämpfen und den grössten Deal seines Lebens abzuschliessen. Es präsentiert Dänemark und Europa im Allgemeinen als die Bösewichte hier, die im Weg stehen bei der historischen Verwirklichung des US-Präsidenten.» Gleichzeitig lenke der Grönland-Konflikt von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine ab und rechtfertige die russischen Ansprüche aufs Nachbarland: «Das ist wie ein Geschenk für Moskau», fasst der intime Russland-Kenner Rosenberg zusammen.

Einen fast identischen Kniff wendet die Tageszeitung «Komsomolskaja Prawda» in ihrer Grönland-Berichterstattung an: «Wenn sich Donald Trump Grönland einverleibt, werden die USA nach Russland zum zweitgrössten Land der Erde.» Dies würde Donald Trump in eine Reihe mit den grossen US-Präsidenten wie Abraham Lincoln und George Washington stellen. «Am Ende des Tages erinnert sich niemand daran, dass George Washington ein Sklavenhalter war oder Abraham Lincoln brutal gegen Indianer vorging.»

Was auch immer Trumps Motivation hinter dessen Grönland-Ambitionen sein möge – das Resultat stehe unzweideutig fest, sagt der prominente Moskauer Politologe Sergej Stankevich im russischen Fernsehen: «Die Amerikaner haben der Nato einen katastrophalen Schlag versetzt.»

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