Nach US-Jagd auf Putins rostigen Tanker: Was hatte die «Marinera» wirklich geladen?
Über zwei Wochen lang und einmal quer über den Atlantik dauerte das Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem russischen Öl-Tanker «Marinera» und der US-Küstenwache. Am Dienstag dann brachten US-Spezialeinheiten das 300 Meter lange Schiff südlich von Island in internationalen Gewässern auf. Das von Russland losgeschickte Unterseeboot griff nicht ein. Und auch die weiteren russischen Schiffe, die sich in der Nähe befanden, hielten sich zurück.
Das war auch besser so. Denn zur Unterstützung der US-Küstenwache hatte das US-Militär ein beachtliches Arsenal an Kräften mobilisiert. Unter anderem ein «Poseidon»-Flugzeug zur U-Boot-Jagd und eine Herkules-AC-130, ein mit Artillerie bewaffnetes Flugzeug, das auch als fliegendes «Kanonenboot» bezeichnet wird. Zudem stellten die Briten ein Kriegsschiff als Unterstützung zur Verfügung.
Aber warum dieser Grossaufwand zur Festsetzung eines rostigen Kahns wie der Marinera, der nicht einmal Öl geladen hatte? Warum wurde das Schiff, das bis vor ein paar Tagen noch «Bella 1» hiess und unter guyanischer Flagge fuhr, tausende Kilometer von der Karibik bis nach Island verfolgt? Und warum schickten die Russen auf ihrer Seite eine Eskorte samt U-Boot, um es sicher in russische Gewässer zu geleiten?
Die Vermutung steht im Raum, dass der Tanker, der seine Reise im Iran gestartet hatte, eine geheime Fracht an Bord gehabt haben könnte. Wie zum Beispiel Waffen für den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro. Diese Hypothese äusserten US-Geheimdienstmitarbeiter gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender CBS im Vorfeld des Zugriffs.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die «Marinera», damals noch «Bella 1», nicht etwa wegen des Transports von russischem Öl auf die Schwarze Liste kam. Sondern sie wurde von den USA im Juni 2024 sanktioniert, weil sie verbotene Güter für die libanesische Hisbollah transportierte. «Dieses Schiff mit seiner düsteren Geschichte ist Teil einer russisch-iranischen Achse zur Sanktionsumgehung, die Terrorismus, Konflikte und Elend vom Nahen Osten bis zur Ukraine anheizt», sagte der britische Verteidigungsminister John Healey dazu am Mittwoch.
Klar ist, dass die USA mit der Enterung des Schiffes Russland ein Zeichen gesendet haben, dass sie sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Es kommt zu einem Zeitpunkt, wo die Beziehung wieder zunehmend angespannt ist. Der republikanische US-Senator Lindsey Graham sagte am Donnerstag, dass er bald mit neuen Sanktionen gegen Russland rechne.
US-Präsident Donald Trump habe ihm «Grünes Licht» für den überparteilichen Gesetzesentwurf gegeben, mit welchem Länder für den Kauf von russischem Öl mit massiven Zöllen belegt würden.
Graham sieht primär China, Indien und Brasilien im Visier, da diese mit den Rohstoff-Käufen in Russland dessen «Kriegsmaschinerie» gegen die Ukraine finanzieren würden. Geht alles nach Plan, erwartet Graham bereits kommende Woche die Zustimmung von Republikanern und Demokraten im US-Kongress. (aargauerzeitung.ch)
