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Der Mann, der alles tat, um die Gunst von Donald Trump zu gewinnen

FILE - Sen. Lindsey Graham, R-S.C., speaks during a campaign rally for President Donald Trump in Charlotte, N.C., Monday, March 2, 2020. (AP Photo/Mike McCarn)
Graham Trump
Der amerikanische Senator Lindsey Graham ist am Wochenende 71-jährig verstorben.Bild: keystone

Der Mann, der alles tat, um die Gunst von Donald Trump zu gewinnen

Lindsey Graham war einst ein scharfer Kritiker des US-Präsidenten. Dann merkte der Senator, dass er als loyaler Verbündeter mehr erreichen kann. Ein Nachruf auf den Republikaner.
12.07.2026, 20:5112.07.2026, 20:51
Renzo Ruf
Renzo Ruf

In der Karriere von Lindsey Graham gibt es einen klaren Bruch. Der erfolgte 2016, als sich der Senator aus South Carolina um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewarb. Er scheiterte, und zwar kläglich. Gegen den Quereinsteiger Donald Trump hatte auch der schlagfertige Graham keine Chance. Das Fussvolk der Republikaner schlug seine eindringliche Mahnung, wonach eine Nomination Trumps die verdiente «Zerstörung» der Partei zur Folge haben werde, in den Wind.

Die Freundschaft zu John McCain ging zu Brüche

Graham hätte sich nach dieser Blamage zurückziehen können. Im Senat, dem er seit 2003 angehörte, wimmelt es nur so von Möchtegern-Präsidenten. Oder er hätte seine Position als Volksvertreter nutzen können, um dem neuen Präsidenten Fesseln anzulegen – so wie das sein Parteifreund und Mentor tat, Senator John McCain.

Graham aber wollte «relevant bleiben», wie er später sagte.

Also diente er sich dem neuen Mann im Weissen Haus an, den er noch Monate zuvor verteufelt hatte. Graham begann, Trumps Nähe zu suchen, spielte mit ihm stundenlang Golf und lobte ihn plötzlich über den grünen Klee. Der Präsident, anfänglich amüsiert über diese Schmeichel-Attacke, freute sich über den neuen Verbündeten. Und Lindsey Graham war zurück im Zentrum der Macht, durfte in der Präsidentenmaschine mitfliegen und genoss seinen wiedergewonnenen Status als führender Aussenpolitiker der Republikaner.

Dass seine enge Freundschaft mit John McCain, der 2018 an Krebs verstarb, dabei in die Brüche ging, liess Graham geschehen. Auch die Bande zum Demokraten Joe Biden, den Graham einst als Vaterfigur bezeichnet hatte, überlebte Grahams Wandel zum Trump-Freund nicht.

Er sei eben kein Idealist, sondern ein Pragmatiker, pflegte der Senator zu sagen.

Das hing vielleicht auch mit seiner Kindheit zusammen. Seine Eltern besassen in einem Dorf in South Carolina ein Café. Bereits in jungen Jahren musste der 1955 geborene Lindsey im Familienbetrieb mitarbeiten und die Kundschaft bei Laune halten. In den Siebzigerjahren starb zuerst seine Mutter an einem Tumor, dann sein Vater an einem Herzinfarkt. Und Graham, der damals Jus studierte und sich später freiwillig zum Dienst in der Luftwaffe verpflichtete, wurde zum Vormund seiner neun Jahre jüngeren Schwester. Auch deshalb, sollte er später sagen, habe er nie Zeit für eine Beziehung gefunden; Graham blieb Zeit seines Lebens Junggeselle.

«Das war sein bester Moment»

Den Vorwurf, der anfänglich auch aus der Republikanischen Partei zu hören war, Graham sei ein Opportunist, wies er stets zurück. Und tatsächlich war die Realität komplexer. Graham blieb trotz seiner Nähe zu Trump ein aussenpolitischer Falke. Er war ein rabiater Unterstützer des Iran-Kriegs und forderte bis zuletzt den Sturz des Regimes in Teheran. Dem alten Verbündeten Israel hielt Graham die Stange, auch in den vergangenen Jahren, als die Politik von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in den USA immer stärker kritisiert wurde.

Der Senator war zudem ein loyaler Verbündeter der Ukraine. Noch am Freitag hatte Graham der ukrainischen Hauptstadt einen Besuch abgestattet und sich dort auch mit Präsident Wolodimir Selenski besprochen. Es war dies sein zehnter Besuch seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022.

Im Weissen Haus stiessen diese Positionsbezüge Grahams nicht immer auf Zustimmung. Trump aber liess sanfte Kritik an seiner Aussenpolitik zu, wohl auch, weil Graham den Präsidenten in anderen Politikfeldern unterstützte. Dabei kam ihm seine lange Amtszeit zugute, dank der er auch in der Budget- und der Justizpolitik eine führende Rolle spielen konnte. Unvergessen ist der Auftritt Grahams während der Anhörung des umstrittenen Richters Brett Kavanaugh, der von Trump 2018 für einen Posten am Supreme Court nominiert worden war. «Das war sein bester Moment», sagte Trump über die Wutrede, die Graham damals hielt.

Lindsey Graham ist am Samstagabend nach einer «kurzen und plötzlichen Erkrankung» in Washington gestorben, zwei Tage nach seinem 71. Geburtstag. Die zuvor alarmierten städtischen Rettungskräfte hatten einen Herz-Kreislauf-Stillstand diagnostiziert. Trump sagte nach dem Tod seines Verbündeten, Graham sei «einer der grossartigsten Menschen und Senatoren» gewesen, den er je gekannt habe. (schweizheute.ch)

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Gurgelhals
12.07.2026 21:32registriert Mai 2015
Der beste Nachruf über den ich heute im Netz gestolpert bin, ist auch der kürzeste:

"He knew better, but he chose worse."
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