Neue Air Force One: Trump soll Katar-Scheiche zu Geschenk aufgefordert haben
Das neue Präsidentenflugzeug von US-Präsident Donald Trump stammt aus Katar. So viel ist bekannt. Zuletzt erregte die Boeing viel Aufmerksamkeit. Nach Attentatshinweisen musste Trump den aufwändig umgebauten Jet bei der Abreise vom Nato-Gipfel kurzfristig verlassen und in eine andere Maschine wechseln. Der Präsident verlies die Boeing dabei in einem Cateringwagen.
Nun gibt es neue Hinweise zu dem Jet aus Katar. Nach Angaben des früheren CIA-Agenten John Kiriakou hat Trump bei einer Reise an den Golf im Vorjahr selbst um das Geschenk gebeten. Das katarische Herrscherhaus sei über die Forderung «brüskiert» gewesen, berichtete das Portal Flugrevue. Da es im arabischen Raum aber üblich sei, einem Gast keinen Wunsch auszuschlagen, sei die Herrscherfamilie Trumps Ansinnen nachgekommen.
Katar hatte die Boeing 747-8 als Geschenk an das amerikanische Volk deklariert. Trump aber habe erklärt, die Maschine nach dem Ausscheiden aus dem Amt privat weiternutzen zu wollen. Allein die erste Umbauwelle soll rund 400 Millionen Dollar gekostet haben. Wegen Sicherheitslücken muss die Maschine aber nachgerüstet werden.
Die «VC-25B Bridge» genannte Maschine aus Katar soll kurzfristig als Präsidentenflieger dienen. Die Auslieferung zweier Boeing-Maschinen verzögert sich mindestens bis zum Jahr 2028.
Kleine Soziologie des Schenkens
Trump hatte die «VC-25B Bridge» Anfang Juli in Dienst gestellt. Der US-Präsident nannte den neuen Jet damals ein «wunderschönes, grosses, grossartiges, kostenloses Flugzeug für die Luftwaffe der Vereinigten Staaten». Einen korrumpierenden Verdacht mochte er nicht erkennen. Es wäre «dämlich» gewesen, das Angebot abzulehnen.
Mit dem Schenken ist das eben so eine Sache. Der französische Kulturwissenschaftler Marcel Mauss hatte dazu zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts grundlegende Studien vorgelegt. «Die Gabe», heisst sein Standardwerk. Geben und Nehmen sind für Mauss Rituale archaischer Gesellschaften. «Der Austausch von Sachen ist zugleich ein Austausch von Friedenspfändern und Solidaritätsgefühlen», schrieb der Forscher.
Mauss‘ Studien prägen die Forschung bis heute. Zum einen, weil er die innere Logik des Schenkens durchschaute. Gaben müssen erwidert werden und sind «nur theoretisch freiwillig». Ein Gegenüber erwartet Gaben. Trump kennt das.
Noch etwas notierte Mauss: Er unterschied das freiwillige Geschenk vom ökonomischen Tausch im Wirtschaftsleben. Kulturwissenschaftlerin Tatjana Thelen von der Universität Wien umschrieb es so. «Die Gabe wird abgegrenzt vom Warenhandel, der unpersönlich sein und auf Profit zielen soll.»
Ein Satz, den Trump sicher anders sieht. Er setzt auf die «Kunst des Deals», wie der Titel seines Buches lautet. Auch beim Schenken.
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Verwendete Quellen:
- flugrevue.de: Katar wollte Trump die 747 wohl gar nicht schenken
- apnews.com: Retrofitted Qatari jet takes flight as Air Force One for Trump’s trip to North Dakota (Englisch)
- ksa.univie.ac.at: Kleine Kulturgeschichte des Schenkens

