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epa04357412 A picture made avaliable on 17 August 2014 shows Yazidi refugee children fleeing Iraq waiting in line for food in Silopi refugee camp near Sirnak city, at the Turkish-Iraqi border, 16 August 2014. Islamic State militants killed around 100 Yazidi men near the northern Iraqi town of Sinjar, after they refused to convert to Islam, surviving residents said on 16 August.  EPA/ULAS YUNUS TOSUN

Auf der Flucht vor dem IS: Jugendliche Jesiden im türkischen Flüchtlingslager Silopi nahe der Grenze zum Irak. Bild: EPA

IS-Miliz im Irak

Amnesty beklagt gewaltige ethnische Säuberung

Überlebende berichten von grausamen Szenen, Massenhinrichtungen, Entführungen: Die Menschenrechtler von Amnesty International haben Flüchtlinge aus dem Nordirak interviewt. Dort jagt die IS-Miliz systematisch Andersgläubige. 

Raniah Salloum / Spiegel Online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Mit Tränen in den Augen listet Mochsen Elias auf, wer aus seiner Familie alles von den Radikalislamisten entführt wurde: Seine Mutter, seine Geschwister, seine Ehefrau, schwanger mit ihrem ersten Kind.

«Mein Baby ist noch nicht einmal geboren und schon in Gefangenschaft», sagt der Jeside mit zitternder Stimme. Von insgesamt 43 Angehörigen hat er seit dem 3. August nichts mehr gehört. Vier Generationen der Elias-Familie wurden verschleppt von der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS).

So beschreibt es ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Zwischen Juni und August 2014 hatten die Menschenrechtler im Nordirak mit Hunderten Überlebenden gesprochen, die vor den Radikalen geflohen waren. 

Seit der IS am 10. Juni in den Nordirak vordrang, sind von dort fast eine Million Menschen geflohen. Meist mit kaum mehr als den Kleidern, die sie am Leib trugen, und ohne Aussicht auf Rückkehr. Wer nicht rechtzeitig entkam, musste mit dem Schlimmsten rechnen. Als «ethnische Säuberungen von historischem Ausmass» hat Amnesty International das Vorgehen des IS im Nordirak bezeichnet. 

Jungen und Männer wurden massakriert

Die Radikalen verfolgen systematisch nicht-sunnitische und nicht-arabische Minderheiten, von denen es seit Jahrhunderten viele im Nordirak gab – bis vor kurzem: Jesiden, Turkmenen, Schabak, Mandäer, Chaldäer und andere Christen. Alle werden nun gejagt. 

Der Bericht schildert grausame Szenen: Wahllos hat die Miliz in den eroberten Dörfern und Städten einzelne Männer abgeführt und erschossen. In zwei Dörfern, Kinije und Kocho, wurden offenbar fast alle Jungen und Männer, insgesamt bis zu 500 Menschen, exekutiert. 

«Sie sind einen schrecklichen Tod gestorben», sagt Salem, ein Jeside, der das Massaker in Kocho verletzt überlebte und von einem sunnitischen Nachbarn gerettet wurde. 

Die Männer und Jungen wurden gruppenweise mit Pick-Ups zu einem Tal gebracht und dort aufgereiht und erschossen. Manche blieben noch stunden- und tagelang schwerverletzt liegen, bis sie starben. Auch Sunniten, die mit den irakischen Sicherheitskräften zusammengearbeitet haben sollen, wurden vom IS ermordet. 

Mädchen und Frauen wurden zwangsverheiratet

Die Frauen und Kinder aus Kocho haben die Radikalen mitgenommen. Seitdem fehlt von ihnen jedes Lebenszeichen. Insgesamt sind laut Amnesty International Hunderte, möglicherweise sogar Tausende, in der Gewalt der Miliz. 

Einige Mädchen und Frauen, die dem IS entkommen konnten, berichteten Amnesty, dass sie zwangsverheiratet werden sollten. Frauen, die sich weigerten, sollten verkauft werden

Auch in Syrien gehen die Dschihadisten ähnlich vor. Nach der Einnahme des Militärflughafens von Tabka wurden über 100 syrische Soldaten von den Radikalen festgenommen und ermordet. Viele von ihnen waren Angehörige der alawitischen Minderheit. Noch immer sind knapp hundert alawitische Frauen und Kinder verschwunden, die im August 2013 aus ihren Dörfern an der syrischen Küste entführt wurden

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