Luftfahrt
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Lufthansa wusste von Andreas Lubitz' Depressionen – Bergung der Toten beendet



Der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat die Lufthansa bereits im Jahr 2009 als Flugschüler über eine «abgeklungene schwere depressive Episode» informiert. Das teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit.

Demnach hatte der junge Mann im Jahr 2009 der Lufthansa-Verkehrsfliegerschule im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner für mehrere Monate unterbrochenen Pilotenausbildung medizinische Unterlagen übersandt, in denen von einer «abgeklungenen schweren depressiven Episode» die Rede war.

Lufthansa erklärte, die Unterlagen seien «nach weiteren internen Recherchen» gefunden und der Staatsanwaltschaft Düsseldorf übergeben worden. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, der Copilot habe zum Zeitpunkt des Germanwings-Absturzes in der vergangenen Woche «ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1» besessen.

Der Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz nach dem Absturz gesagt, der Copilot sei «100 Prozent flugtauglich ohne Einschränkung» gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, dass der Copilot der Germanwings-Maschine vor seiner Pilotenkarriere psychotherapeutisch wegen möglicher Suizidgefährdung behandelt worden war. Schon seit einigen Tagen ist zudem bekannt, dass der 27-Jährige am Tag des Unglücks eigentlich krank geschrieben war.

In seiner Wohnung wurden zerrissene Krankschreibungen auch für den Tag des Absturzes gefunden. Der Copilot steht im Verdacht, die Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.

Bergung beendet 

Am Absturzort der Germanwings-Maschine beendeten die Ermittler unterdessen die Bergung der Todesopfer. Es gebe keine Leichen mehr am Absturzort, sagte ein Vertreter der Gendarmerie, Jean-Marc Ménichini, am Dienstagabend der Nachrichtenagentur AFP in Seyne-les-Alpes.

Am Mittwoch sollen Gebirgsjäger vor Ort persönliche Gegenstände der Opfer einsammeln. Auch die Suche nach dem Flugdatenschreiber soll weitergehen. Bis Ende der Woche sollten alle 150 Opfer mithilfe von DNA-Proben identifiziert sein.

Der Absturzort des Germanwings-Airbus kann seit Dienstag über eine neu gebaute Strasse erreicht werden. «Wir arbeiten schneller, länger und wir bringen mehr Proben zurück», berichtete die Polizei. Bisher mussten Ermittler und Hochgebirgspolizisten entweder per Helikopter an den Unglücksort gebracht werden oder nach einer Fahrt über eine holprige Piste zu Fuss noch rund eine halbe Stunde laufen.

Lufthansa sagt Feier ab

«Diese Tage sind für die Hinterbliebenen sehr schwer, aber sie können dann ihre Trauerarbeit beginnen», sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Dienstag während einer Medienkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Merkel dankte ihm und der französischen Bevölkerung erneut für ihre grossherzige Hilfe.

Die Lufthansa sagte unterdessen die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der Fluggesellschaft ab. Stattdessen werde der Konzern den Staatsakt für die Absturzopfer im Kölner Dom am 17. April für seine Mitarbeiter übertragen, teilte das Unternehmen mit.

Der Lufthansa-Chef werde am Mittwoch an den Unglücksort reisen. Er wolle dort Angehörige der Opfer treffen und den Helfern danken. Germanwings ist eine Tochtergesellschaft der Lufthansa. 

Germanwings-Chef dankt Helfern

Der Germanwings-Chef Thomas Winkelmann dankte den Helfern in einer Videobotschaft. «Die Retter, Helfer und Betreuer vor Ort leisten Unermessliches», sagte er. «Sie werden in beispielloser Weise unterstützt durch die Bevölkerung von Seyne-les-Alpes und der umliegenden Orte.» Der Verlust des Fluges gehöre zweifellos «zu den grössten Tragödien unseres Landes». (sda/afp/gag)

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    Alle Leser-Kommentare
  • WC-Entchen 31.03.2015 19:42
    Highlight Highlight Und wieso muss der Copilot jetzt völlig unverpixelt gezeigt werden??? Ich persönlich finde das nicht in Ordung seiner Familie gegenüber
    • Miautsch 31.03.2015 20:22
      Highlight Highlight die medien begruenden es mit 'interesse der oeffentlichkeit' - aber eigentlich ist es sensationsgeilheit.
    • Michèle Seiler 31.03.2015 23:01
      Highlight Highlight Sind diejenigen, die von Täterschutz sprechen, eigentlich der Meinung, dass es mehr- und minderwertige Menschen gibt?

      Ich bin wahrlich niemand, der in Abrede stellt, dass das, was solche Menschen tun, furchtbar und Unrecht ist und wünsche mir natürlich, dass deren Opfer die Hilfe kriegen, die sie brauchen, aber Fakt ist halt auch, dass Leute wie A.L. häufig Personen um sich haben/hatten, die sie nach wie vor lieben, eben weil sie Menschen sind, trotz allem mit guten Seiten, trotz allem Sohn/Tochter von jemandem sind usw. (die sicher keine Anfeindung wollen oder verdient haben, sondern auch Raum, um zu trauern).

      Und Fakt ist, dass - jetzt nicht in diesem Fall, aber dort, wo sich der Täter nicht umbringt - zur Verhinderung von Rückfällen und Wiedereingliederung in die Gesellschaft (damit sie ihr nützen können und es ihnen, natürlich, auch selbst besser geht) nötig ist, sie menschlich zu behandeln, Ursachenforschung zu betreiben und auch ihnen die Hilfe zu bieten, die sie brauchen.

      Das zu verstehen macht es vielleicht nötig, zu sehen, dass es nicht nur schwarz und weiß, nicht Menschen und Monster gibt, und dass die eigene Sichtweise zwar legitim, aber nicht zwangsläufig das Maß aller Dinge ist.
    • Michèle Seiler 01.04.2015 12:59
      Highlight Highlight Ja, ich habe an die Angehörigen der Opfer und deren Trauer nachgedacht, wie das, was ich geschrieben habe, eigentlich verdeutlichen sollte.

      Und auch von Mitgefühl war meinerseits nicht die Rede, sondern von einer Wertfrage, von Menschlichkeit, von konstruktiven Lösungen für die Gesamtgesellschaft.

      Das alles bedeutet ja nicht, dass man mit einen Täter mitfühlt bzw. ihn versteht. Es bedeutet, Menschen (in all ihren Facetten) als Menschen zu sehen und, egal, aus welchem Blickwinkel man auf das Geschehen schaut, zumindest so viel Verstand aufzuwenden, dass man erkennt, dass es auch andere gibt und das Gesamtbild aus mehr als der eigenen Sicht besteht.

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