Jazz-Galaxien und New Yorker Nostalgie
Es ist eines der letzten Konzerte der Saison im Pflegidach. Noch wird im Publikum gesprochen, doch die Aufmerksamkeit richtet sich schnell auf die Bühne, als Gilad Hekselman mit Bassist Orlando Le Flemming und Schlagzeuger Ofri Nehemya den Raum betritt.
Gilad Hekselman - "Second Best Time To Plant A Tree" @ musig im pflegidach, Muri
Emotionale Turbulenzen
Von der ersten Note an wirkt die Band vollkommen eingespielt. Besonders beim Stück «May Song» zeigt sich, wie stark Hekselmans Musik von Gefühlen lebt. Der Song soll die emotionalen Turbulenzen des Frühlings einfangen. Das Auf und Ab zwischen Leichtigkeit, Unsicherheit und Neuanfängen.
Mal wird das Stück schneller und rhythmischer, dann wieder ruhig und zurückhaltend. Gegen Ende wird der Klang immer sanfter und beruhigender. Im Publikum beginnen einige Zuhörer leicht mit dem Kopf im Rhythmus mitzuwippen.
Wenn Musik zu einer Reise durch Galaxien wird
Besonders intensiv wird es beim Stück «Far Star». Bevor Hekselman zu spielen beginnt, lädt er das Publikum ein, sich einfach treiben zu lassen und sich vorzustellen, wie die Musik durch verschiedene Galaxien führt. Viele Zuschauer folgen dieser Einladung sofort und schliessen die Augen. Für einen Moment wirkt das Pflegidach beinahe meditativ.
Hekselman beschreibt seinen kreativen Prozess mit den Worten: «Imagination first, instrument second.» Noch bevor er eine Saite berührt, entscheide zuerst die Fantasie, wohin die Reise gehen soll. Die Musik wirkt leicht, beinahe schwerelos. Mal entstehen dichte, komplexe Klangflächen, dann wieder zarte Töne, bei denen es im Publikum fast vollkommen still wird.
Ein Dorf im 5/4-Takt
Ein weiteres Highlight des Abends ist Hekselmans musikalische Hommage an den New Yorker Jazz der 90er-Jahre. Rhythmisch, verspielt und voller Energie erinnert das Stück an die Clubs, die ihn als Teenager prägten. Nach langem Applaus verschwindet die Band zunächst hinter der Bühne, kehrt jedoch kurz darauf für eine Zugabe zurück. Mit dem Stück «The Dove Will Fly High» verwandelt Hekselman das Pflegidach plötzlich in einen kleinen Jazz-Chor.
Scherzhaft bezeichnet er Muri zuerst als Stadt, verbessert sich dann aber lachend zum «Dorf». Anschliessend lässt er das Publikum eine Melodie im 5/4-Takt mitsingen. Die Zuschauer machen konzentriert mit. Ein überraschender und gleichzeitig sehr passender Abschluss für diesen Sonntagabend.
