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Hilfskräfte an einem Flughafen im Jemen
Hilfskräfte an einem Flughafen im JemenBild: Hani Mohammed/AP/KEYSTONE

UNO will Bevölkerung im Jemen versorgen und fordert eine Kampfpause

10.04.2015, 20:37

Der Krieg im Jemen macht die Lage der Bevölkerung immer unerträglicher. Nothelfer der Vereinten Nationen forderten eine Kampfpause zur Versorgung notleidender Menschen.

«Die humanitäre Lage verschlechtert sich von Stunde zu Stunde», sagte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe im Jemen, Johannes Van der Klaauw, am Freitag in Genf. Zehntausende Menschen seien auf Nothilfe angewiesen.

Der Krieg habe 15 der insgesamt 22 Provinzen erreicht, sagte Van der Klaauw. Das Leben von Millionen Menschen sei nicht allein durch Kämpfe und Luftangriffe gefährdet, «sondern auch durch das schnelle Verschwinden grundlegender Dinge wie medizinische Versorgung, sauberes Wasser und Nahrung».

Ambulanzen beschossen, Pfleger geflüchtet

Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichtete, in der umkämpften Hafenstadt Aden im Süden des Landes könnten viele verletzte Zivilisten die Spitäler nicht erreichen, weil ihnen die Kämpfe den Weg abschnitten. Immer wieder würden Ambulanzen beschossen, sagte Greg Elder, der Leiter einer MSF-Einsatzgruppe.

Erschwert werde die Lage auch dadurch, dass die Ausländer unter dem Pflegepersonal der Spitäler das Land inzwischen verlassen haben. Es fehle an Trinkwasser, Stromausfälle seien häufig.

Eine saudische Bombe schlägt in Sana'a ein
Eine saudische Bombe schlägt in Sana'a einBild: YAHYA ARHAB/EPA/KEYSTONE

In der Hauptstadt Sanaa landete erstmals seit der jüngsten Zuspitzung des Konflikts ein Flugzeug des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Die Cargo-Maschine hatte mehr als 16 Tonnen Arzneien, Verbandsmaterial, Infusionslösungen und chirurgische Instrumente an Bord, wie der IKRK-Helfer Robert Mardini via Twitter mitteilte.

Flüchtlingswelle aus Atak

Im südarabischen Land kämpfen die schiitischen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Unterstützt werden die Huthis von Truppen unter der Kontrolle des ehemaligen jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh.

Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz bombardiert seit mehr als zwei Wochen Stellungen und Waffenlager der Huthis. UNO-Stellen sprechen von mindestens 600 Toten in den vergangenen 20 Tagen.

Die von Saudi-Arabien geführte Koalition konzentrierte ihre Luftangriffe am Freitag auf Stellungen der Rebellen in der ölreichen Provinz Schabwa. Die Huthi-Milizen und die mit ihnen verbündeten Truppen hatten am Vortag die Stadt Atak und die umliegenden Ölfelder unter ihre Kontrolle gebracht. Wie Augenzeugen berichteten, ist rund ein Drittel der 37'000 Einwohner Ataks auf der Flucht.

Tausende schiitische Rebellen protestieren gegen die saudischen Luftschläge in Sana'a
Tausende schiitische Rebellen protestieren gegen die saudischen Luftschläge in Sana'aBild: Hani Mohammed/AP/KEYSTONE

Die Lage in Aden ist laut UNO-Koordinator Van der Klaauw «extrem besorgniserregend, wenn nicht katastrophal». Die zweitgrösste Stadt des Landes sei «unkontrollierbaren Milizen» zur Beute gefallen, die sich einen Häuserkampf lieferten.

Nachdem die Huthi-Rebellen den nördlichen Eingang der Stadt erreicht hätten, sei Aden von den bislang intensivsten Bombenangriffen der Militärallianz heimgesucht worden, berichteten Anwohner und Behördenvertreter. Auch die Hauptstadt Sanaa wurde laut Augenzeugen stundenlang von arabischen Kampfjets beschossen.

Pakistan bleibt vorerst neutral

Das pakistanische Parlament sprach sich indes gegen eine Unterstützung des Verbündeten Saudi-Arabien bei seinem Vorgehen im Jemen aus. «Pakistan sollte in dem Konflikt neutral bleiben», hiess es in einer nach fünftägiger Debatte in Islamabad verabschiedeten Resolution.

Das Land stünde aber an der Seite Saudi-Arabiens, sollte die territoriale Integrität des Königreichs bedroht werden. Verteidigungsminister Khawaja Asif hatte während der Debatte gesagt, Riad habe Islamabad um Soldaten, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe gebeten.

Der Konflikt könnte Diplomaten zufolge am Freitag oder Samstag im UNO-Sicherheitsrat zur Sprache kommen. Es solle besprochen werden, den Sohn von Ex-Präsident Saleh auf eine schwarze Liste zu setzen und faktisch ein Waffenembargo gegen die Huthis zu verhängen.

Unklar ist, wie sich die UNO-Vetomacht Russland verhält. Diplomaten zufolge sollte ein Embargo nach russischer Ansicht auch für die jetzige Regierung gelten. (jas/sda/dpa/reu/afp)

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