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illustration: florian burkhardt/electroboy

So war das Leben als Switzerland's Male Supermodel

Okay, ihr Schnecken aus «Germany's Next Topmodel»: Wenn ihr wirklich wissen wollt, wie so ein Model-Leben geht, fragt Electroboy. Denn der war zwei Jahre lang ganz oben.



Die Blitzlichter flackerten auf, die Musik krachte tief, treibender Rhythmus. Mit dem Hauch von «Nimm mich, berühr mich, versuch mich» auf den Lippen und einem kecken Augenglitzern blieb ich stehen, drehte mich mit selbstsicherem Schwung um, marschierte zurück, die Beine locker, die Arme schwingend – auf dem Laufsteg in Milano. 

Eine Woche lang rannten die angeblich schönsten Männer der Welt in der Stadt rum, zeigten ihre Fotobücher den Stylisten, standen in endlosen Schlangen, hausten wie Ungeziefer in Residenzen. Übermüdet, von der Hoffnung genährt, diese Saison gross rauszukommen. Für mich war es die erste. War es das Glück oder die Überzeugung, die mir half – ich lief für die grossen Designer, wurde als bester Newcomer gefeiert. Agenten umschmeichelten mich und jemand gab der «Blick»-Reporterin eine Ohrfeige, weil sie aufdringlich war. 

«Am Anfang war das Erlebnis pur, die ganze Welt kam zu einem, im linken Bett Kanada, rechts Schweden, in einer gegen jede Vermutung heterosexuellen Model-Welt.»

Die Unterkünfte für uns Models: irgendwelche Appartements, vollgestopft. Am Anfang war das Erlebnis pur, die ganze Welt kam zu einem, im linken Bett Kanada, rechts Schweden, in einer gegen jede Vermutung heterosexuellen Model-Welt, deren Bestandteil man höchstens war, bis das Geld ausging. Für die meisten teure Ferien, die schnell zu Ende waren. Für alle Milano, für wenige Paris, für eine Handvoll New York, darunter ich. 

Die Welt wurde kleiner, alles schien erreichbar, Berühmtheiten wurden Freunde. Und David LaChapelle, den ich am meisten bewundert hatte, buchte mich. Und weil ich zu Spielen bereit war und nach dem Shooting mit ihm essen oder an ein Konzert ging, buchte er mich weiter. Einem Fernsehsender sollte ich ein Interview geben. Es war mein erstes und letztes. Die Reporterin wollte Vertrauliches hören, emsig notierte sie Hingeworfenes. Doch vor der Kamera sollte ich lügen und erzählen, wie «glamourös» alles sei. Ich lief davon. 

«Ein Sturm wütete über Tokyo. In London wartete der Wagen, um mich zum Hotel zu fahren. Einsam ass ich irgendwo eine Pizza. Noch zwölf Stunden bis zum Abflug.»

Ein Sturm wütete über Tokio. Griff nach dem Flugzeug, riss es rauf und runter. In London wartete der Wagen, um mich zum Hotel zu fahren. Einsam ass ich irgendwo Pizza. Noch zwölf Stunden bis zum Abflug irgendwohin. Nach zwei Jahren war ich müde. Die Agentur in Milano rief mir ein Taxi zu Gianfranco Ferré. Als eine «Schönheit» liebten sie mich, als Objekt. Ich war ein Instrument, um ihre Klamotten besser aussehen zu lassen. Ich entsprach einem Look, der ihren Produkten ein trendiges Image verpassen sollte. Ich war konsumierbar auf Zeit.

Jetzt finde ich das legitim, es ist ein Business wie jedes andere, aber damals machte es mich wütend. Ich entschloss mich, zurückzufahren, noch am selben Tag. Aufgebrachten Agenten hiess ich, Ferré einen Korb zu geben und meine Karte aus dem Regal zu nehmen. 

Und jetzt? Wahrscheinlich posiere ich immer noch und lebe mein Leben wie im Hotel: in unpersönlichen, wechselnden Zimmern. So bin ich Gast im eigenen Leben wie ein Darsteller in einem Film. Und träume davon, irgendwann anzukommen, irgendwo.

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