Hof statt Herd: Immer mehr Bauernbetriebe sind in Frauenhand
Irgendwo zwischen «Tradwives» und Gotthelf-Romantik geistert sie noch herum: die tüchtige Bauersfrau. Sie hält ihrem Mann den Rücken frei, steht Tag und Nacht am Herd, kümmert sich selbstlos um Kinder, Haus und Garten. So wichtig (und leider oft unterschätzt) diese Aufgaben auch sind: Dieses verklärte Bild wird der heutigen Rolle der Frau in der Landwirtschaft nicht gerecht.
Die Vereinten Nationen haben 2026 zum «Jahr der Landwirtinnen» erklärt. Das nehmen wir zum Anlass, die Geschlechterverhältnisse auf Schweizer Bauernhöfen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Paare leiten den Betrieb gemeinsam
Die gute Nachricht vorweg: Frauen tragen auch in der Schweizer Landwirtschaft immer mehr Verantwortung. Laut Umfrage führen über zwei Drittel der Bäuerinnen den Betrieb gemeinsam mit ihrem Partner – knapp die Hälfte davon offiziell als Co-Betriebsleiterinnen. Oft managen Frauen ganze Betriebszweige selber, zum Beispiel die Direktvermarktung im Hofladen oder auf dem Märit.
Vollständig in Frauenhand sind bislang erst wenige Schweizer Bauernhöfe – aber der Trend zeigt nach oben. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil der alleinigen Betriebsleiterinnen mehr als verdoppelt – gut 7 Prozent der Bauernbetriebe haben heute eine Frau an der Spitze.
Aus- und Weiterbildungsquote steigt
Bei der Frauenquote liegt die Schweiz im europäischen Vergleich noch auf den hinteren Plätzen. Doch die Zeichen stehen gut, dass die positive Entwicklung weitergeht. Die Ausbildungszahlen nehmen zu, ein Viertel der Lernenden in der Landwirtschaft ist heute weiblich. Vor allem im Wein- und Gemüsebau sind die Frauenanteile hoch. Auch die Weiterbildungsquote gibt Anlass zu Zuversicht: Bei der Ausbildung «Betriebsleiter/in mit Eidg. Fachausweis» kommt eine Frau auf sieben Männer.
• Frauenanteil Ausbildung: 25%
• Frauenanteil Weiterbildung Betriebsleiter/in: 12%
• Frauenanteil Betriebsleitung: 7%
Positive Vorbilder statt Rollenklischees
Viel zu tun bleibt trotzdem noch. Fast 40 Prozent der Arbeitskräfte auf Schweizer Bauernhöfen sind Frauen. Dieser hohe Anteil spiegelt sich in den Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Betriebsleitungszahlen noch nicht.
Positive Vorbilder helfen, dies zu ändern. Sabrina Schlegel beispielsweise gehört zu den wenigen Frauen, die einen Landwirtschaftsbetrieb leiten. Sie räumt mit Rollenklischees auf und sagt: Seit Roboter viele schwere Arbeiten verrichten können, ist das Geschlecht auf dem Bauernhof sowieso nicht mehr wichtig.
Hier kannst du das ganze Portrait über Sabrina lesen.
Alles, was du wissen musst.
Wir ❤️ saisonal & regional.
