Schweiz
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ZUR ARBEIT DER GRENZWACHE STELLEN WIR IHNEN HEUTE FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Members of the Swiss Border Guard Corps accompany an asylum seeker who entered Switzerland by train without papers to take his personal data and to question him about his reasons of entry, pictured at the train station at the Swiss-Italian border in Chiasso, Switzerland, on October 23, 2014. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Schweizer Zoll in Chiasso: Grenzwächter nehmen einen Asylbewerber in Empfang (Oktober 2014). Bild: KEYSTONE

Gambier sind die neuen Eritreer

Schweizer Grenzwächter greifen immer mehr Afrikaner auf. Vor allem junge Männer aus dem Unrechtsstaat Gambia fallen ins Gewicht. Sie haben indes kaum Chancen auf Asyl.

Daniel Fuchs / aargauer Zeitung



Zu Jahresbeginn standen vor allem die Afghanen, Iraker und Syrer an der Schweizer Grenze und baten um Asyl. Doch der Trend hat sich nun deutlich gedreht: Seit März nehmen die Zahlen der Afrikaner, allen voran der Gambier und Somalier, stark zu.

Die Statistik des Grenzwachtkorps (GWK) zeigt ein klares Bild: Zählten die Grenzwächter anfangs Jahr pro Woche bis zu 200 Afghanen, die in die Schweiz wollten, waren es in letzter Zeit deutlich weniger. Bei den Gambiern dagegen schnellte die Zahl auf bis zu 50 pro Woche hoch. Zwar machen die Afghanen im laufenden Jahr mit über 1000 noch immer die grösste Gruppe der illegalen Migranten aus, doch lag die Zahl der Gambier Ende letzter Woche bereits bei über 400.

Weil die Grenzwächter die Nationalitäten nicht systematisch veröffentlichen, sind die GWK-Zahlen blosse Annäherungswerte. Trotzdem verdeutlichen sie: Die Gambier haben nicht nur die Eritreer überholt, die den Asyl-Diskurs in der Schweiz nach wie vor prägen, sondern auch die Kriegsvertriebenen aus Syrien oder dem Irak.

Gambier werden meist weggewiesen

Beim zuständigen Staatssekretariat für Migration (SEM) gibt man sich angesichts der steigenden Fälle gelassen. «Die Gesuchszahlen von Gambiern steigen in ganz Europa, in der Schweiz allerdings auf verhältnismässig tiefem Niveau», sagt SEM-Sprecherin Léa Wertheimer. Viele Gambier hätten bereits in Europa gelebt. «Sie kommen nicht immer nach ihrer Fahrt übers Mittelmeer direkt in die Schweiz», so Wertheimer.

Meist handle es sich um Männer zwischen 18 und 30 Jahren mit tiefer Schulbildung. Oft würden sie wirtschaftliche Gründe für ihr Gesuch angeben, so das SEM. Wirtschaftliche Misere sowie der Fakt, dass die meisten der jungen Gambier vor ihrer Reise in die Schweiz bereits in Europa gelebt haben und als Dublin-Fälle weggewiesen werden können, führten zu einer äusserst tiefen Schutzquote. Das zeigen SEM-Statistiken vom letzten Jahr sowie des ersten Quartals 2016: Bei knapp 1000 Asylgesuchen im vergangenen Jahr erhielten gerade einmal vier Asylsuchende aus Gambia Schutz in der Schweiz.

Noch tiefer lag die Schutzquote für Gambier in den ersten drei Monate des laufenden Jahres: Bei rund 400 Asylgesuchen sprach die Schweiz keinem einzigen Gambier Schutz zu. Ganz anders die Situation bei Somaliern oder Eritreern. Zwischen 60 und 90 Prozent von ihnen erhalten in der Schweiz Asyl, sei es als anerkannte Flüchtlinge oder vorläufig Aufgenommene.

Bei Dublin-Fällen nimmt die Schweiz keine vertieften «materiellen» Abklärungen vor, wie es das SEM nennt. Für sie ist derjenige EU- oder Dublin-Mitgliedsstaat verantwortlich, in dem der Asylbewerber zum ersten Mal um Schutz gebeten hat.

Schwule als «Ungeziefer» bezeichnet

Dabei ist trotz hoher Ablehnungsquote keineswegs ausgeschlossen, dass manche der Gambier schutzbedürftig sind. Im Gegenteil. Zwar ist der komplett von Senegal umgebene schmale Landstreifen um den namensgebenden Fluss Gambia mausarm. Nicht nur wirtschaftliche Gründe treiben die Menschen in die Flucht. Berichte von Amnesty International und der Schweizerischen Flüchtlingshilfe zeugen davon: Der gambische Präsident Yahya Jammeh regiert sein Land seit 20 Jahren mit eiserner Faust. Politische Opposition oder Kritik an seiner Politik duldet er nicht. 2014 schlug er einen Putsch brutal nieder. Einmal vom berüchtigten Geheimdienst oder von der Polizei verhaftet, darben Oppositionelle und Andersdenkende in Gefängnissen unter prekären Haftbedingungen oder geheimen Folterverliessen vor sich hin.

Besonders schwer haben es nicht nur Oppositionspolitiker, in Ungnade gefallene Behördenmitglieder oder Journalisten, insbesondere Schwule, Lesben und Transsexuelle. Männer, die Frauenkleider tragen, werden mit fünf Jahren Haft bestraft. «Schwere Homosexualität» wird mit lebenslänglicher Haft bestraft. Darunter versteht Präsident Jammeh Homosexuelle, die wiederholt erwischt werden oder solche, die HIV-infiziert sind.

2014 richtete der homophobe Präsident diese Drohung an sein Land: «Wir werden dieses Ungeziefer, genannt Homosexuelle oder Schwule, genauso bekämpfen, wie wir die Mücken bekämpfen, die Malaria verursachen, nur noch aggressiver.» 

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