Schweiz
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Wo die Nationalbank ihr Gold versteckt: In diesem Bunker liegen Milliarden

Als der Bundesrat für sich vor gut 30 Jahren einen Bunker planen liess, nahm die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Gelegenheit wahr, um einen atombomben- und einbruchsicheren Aufbewahrungsort für die Goldreserven in den Berg hauen zu lassen.

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Manchmal kommt etwas dazwischen. Einmal geriet ein ahnungsloser Autofahrer an einer Kreuzung zwischen die Panzerfahrzeuge im Konvoi. «Den haben sie sofort weggeputzt, er hatte einen gehörigen Schrecken», erzählt ein älterer Einheimischer in Kandersteg im Berner Oberland.

Sie, das sind die bis auf die Zähne bewaffneten Insassen der gepanzerten Fahrzeuge, die bisweilen aus dem Unterland in Richtung Kandersteg brausen. Die Konvois bestehen zum einen aus Truppentransportern, in denen Spezialeinheiten in Vollmontur mit ihren Maschinenpistolen sitzen. «Es sind Armeefahrzeuge», sagt ein Einheimischer. Sie sind zum Schutz des Panzerlastwagens da, der in der Mitte des Trosses fährt.

Bild

Die «Garage»: Von hier führt der Stollen in den Berg zum Bundesratsbunker und dem Nationalbanktresor. Bild: Alessandro Habegger/Keystone/Montage:az

Auffällige Gold-TransporteMehrmals pro Jahr rollen diese Konvois durchs Oberländer Dorf, in der Regel am helllichten Tag. «Viel auffälliger könnten sie es nicht machen», sagt ein zweiter Einwohner des Oberländer Dorfs, «sie fahren mit Blaulicht

Was in den Panzerlastwagen in der Mitte der Konvois steckt, das weiss in Kandersteg anscheinend jeder. «Das Gold der Nationalbank», sagt ein Wirt.

Und wohin fahren die Konvois? «Oben in der Eggeschwand ins Loch», grinst er.

Die Eggeschwand liegt in der Nähe des Portals zum alten Lötschberg-Bahntunnel. Mit «Loch» ist der Eingang zum Stollen gemeint, in dem angeblich eine Schmalspurbahn etwa zwei Kilometer in den Berg hineinführt, unter die Jegertosse und den Fisistock. Der Tunnel führt zu einer der am besten geschützten Anlagen der Schweiz: Zum Bundesratsbunker.

Der Haupteingang zum Bunker, wo jeweils das Gold verschwindet, ist von aussen gut zu erkennen: Er sieht aus wie eine grosse Autogarage.

Riesiger Tresor im Berg

Es ist der untere Eingang zur «Gesamtverteidigungsanlage für die Landesregierung», auch K20 genannt. Sie wurde in den Neunzigerjahren gebaut. Im Kriegs- und Katastrophenfall soll sich die Landesregierung mitsamt ihren Stäben dort einbunkern, so das Konzept (siehe Kasten).

Bundesratsbunker

1986 gab der Bundesrat dem Militärdepartement grünes Licht, eine neue «Gesamtverteidigungsanlage für die Landesregierung» zu bauen. Zuvor hatte die Armee in der Zentralschweiz einen sehr ähnlichen «Generalstabsbunker» gebaut. Die erdbeben- und atombombensichere Anlage mit eigener Energieversorgung wurde zunächst geheim finanziert, erst 1992 tauchte ein Teil der Kosten von total 268 Millionen in der zivilen Baubotschaft auf. Darin verriet der Bundesrat auch einige Details des «Schutzbaus». Dieser bestehe aus zwei durch Zugangs- und Verbindungsstollen erschlossene Grosskavernen. In der einen seien «Unterkünfte, Verpflegung, Werkbetrieb und Sicherheit sowie die Technik (Maschinenhaus) untergebracht». Die andere sei «ausschliesslich als Bürobereich konzipiert». Der frühere SP-Präsident Helmut Hubacher gab einmal an, tausend Leute fänden in der Anlage Platz, für Parlamentsmitglieder seien 40 Plätze reserviert. Die Bunkeranlage hat mehrere (Not-)Ausgänge. Einer führt in den alten Lötschberg-Bahntunnel.

Aber der Bunker im Berg – Details zu seinem Innenleben sind nach wie vor Staatsgeheimnis – ist nicht nur für den Bundesrat da. Er dient auch als Schatzkammer der Nation: Tief drin, unter etwa anderthalb Kilometer Fels, befindet sich in einem Annexbau zum Bundesratsbunker ein riesiger Tresor.

Als der Bundesrat den Bunker vor gut 30 Jahren planen liess, nahm die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Gelegenheit wahr, um einen atombomben- und einbruchsicheren Aufbewahrungsort für die Goldreserven in den Berg hauen zu lassen. Die SNB war, wie vor Jahren einmal durchsickerte, neben der Bundeskanzlei der zweite Bauherr der riesigen Anlage.

Im Laufe der Jahre sind in der Region mehr Details bekannt geworden. Dazu gehört: Die Dimensionen des Tresors sind gigantisch. Er ist so lang wie ein mittleres Fabrikgebäude, so hoch wie zwei Stockwerke. 6000 Tonnen Gold passen in die Schatzkammer. Diese Menge kostet beim aktuellen Kilopreis (knapp 40'000 Franken) rund 240 Milliarden.

ZU DEN EIDGENOESSISCHEN ABSTIMMUNGEN VOM SONNTAG, 30. NOVEMBER 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR GOLD-INITIATIVE ZUR VERFUEGUNG - Gold im Tresor der Schweizerischen Nationalbank, aufgenommen am 21. Februar 2001 in Bern.  (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Auch im Tresor der Nationalbank in Bern lagern hunderte Goldbarren. Bild: KEYSTONE

Dass die SNB in den Achtzigerjahren einen derart grossen Tresor im Berg bauen liess, hängt mit den damaligen Goldreserven zusammen. 2600 Tonnen besass die Zentralbank damals noch. Der Tresor wurde auf die doppelte Menge ausgelegt. Man weiss ja nie. Und die Nationalbank bunkert nicht nur eigenes Gold. Sondern auch die Goldreserven anderer Zentralbanken.

Von den 2600 Tonnen sind heute nur noch 1040 da: Zwischen 2000 und 2008 verkaufte die Nationalbank 1550 Tonnen. Von den verbleibenden gut 1000 Tonnen bewahrt sie gemäss eigenen Angaben rund 30 Prozent in England und Kanada auf. 70 Prozent oder etwas über 700 Tonnen befinden sich laut der Bank in der Schweiz. Sie sind derzeit knapp 30 Milliarden wert. Nur ein kleiner Teil der 700 Tonnen, vor allem die Goldmünzen, befindet sich unter dem Bundesplatz in Bern.

Österreich bringt 50 Tonnen

In Kandersteg ist zweifellos nicht nur Schweizer Gold verstaut. Die Nationalbank bewahrt auch Goldreserven anderer Zentralbanken auf. Etwa für die italienische. Auch die Österreichische Nationalbank (OeNB) lagert einen Teil ihres Goldes in der Schweiz. 6 Tonnen waren es bisher. Bis 2020 kommen 50 Tonnen dazu, die bisher in England lagerten, wie die OeNB kürzlich mitteilte.

Auch der türkische Präsident Erdogan schafft Gold in die Schweiz. Er will demnächst 19 Tonnen aus Fort Knox (USA) nach Basel zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bringen. Die BIZ lagere in Basel kein Gold, hiess es allerdings im Mai auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende». Denkbar also, dass auch Erdogan-Gold im Bunker von Kandersteg verschwindet.

Nationalbank schweigt weiter

Staatsgeheimnis Gold. 2003 sagte Finanzminister Kaspar Villiger im Parlament: «Wo diese Goldbarren genau liegen, kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil ich es auch nicht weiss, nicht wissen muss und nicht wissen will.» Sonst platze es ihm bei einem Glas Wein womöglich noch heraus, gab er an.

Die Nationalbank schweigt heute noch. Zwar erlaubte sie 2013 einem Westschweizer TV-Journalisten, den Goldschatz zu filmen. Aber der Mann wusste angeblich nicht, wo er die Aufnahmen drehte. Walter Meier, Chefsprecher Nationalbank, sagt auf Anfrage nur: «Wie andere Zentralbanken gibt auch die SNB die Lagerstandorte der Goldreserven nicht bekannt. Aus Sicherheitsüberlegungen werden diese vertraulich behandelt und Fragen im Zusammenhang mit der Logistik nicht kommentiert. Aus den gleichen Gründen geben wir auch keine Informationen zu Goldbeständen anderer Zentralbanken, die bei der SNB gelagert sind.» (aargauerzeitung.ch)

1,5 Millionen-Schatz in Schweizer Kanalisation

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • glointhegreat 30.07.2018 18:43
    Highlight Highlight Hört sich stark nach ablenkungsmanöver an wenn die panzerfahrzeuge am helllichten tag durch die dörfer brausen. So blöd sind sie bestimmt nicht.
  • holdrio 30.07.2018 17:47
    Highlight Highlight Wow toll Infos welche nicht für die Öffentlichtkeit bestimmt sind.
    Bleibt nur zu hoffen, dass es noch ein paar unentdeckte Bunker für den Ernstfall gibt.
  • Mnemonic 30.07.2018 14:57
    Highlight Highlight Soweit so gut. Aber dieses Gold ist auch auf dem Schwarzmarkt schlicht nich absetzbar. Ergo nur CH National von Nutzen.
  • Kreasty 30.07.2018 13:01
    Highlight Highlight Schön das im Katastrophenfall das Gold und die älteren Herrschaften sicher sind! :)
    • Mischa Müller 01.08.2018 21:33
      Highlight Highlight Wobei der Bundesrat, angeblich, nicht in der Schweiz geschützt würde, sondern nach England in ein Schweizer Anwesen exportiert würde.... Geheime Quellen.
  • MeineMeinung 30.07.2018 12:52
    Highlight Highlight Mich würde echt mal interessieren, wieviel Berg unsere Berge eigentlich noch sind und wieviel davon Bunker ist. Im Gotthardmassiv hat es anscheinend auch einen riesigen Bunker in dem Munition gelagert wird und auch ganze Tunnelanlagen der Armee. Ach wie gerne ich das mal besichtigen würde!
    • El Vals del Obrero 30.07.2018 14:53
      Highlight Highlight Zumindest teilweise ist das durchaus möglich:

      https://www.sasso-sangottardo.ch
    • Nominator 30.07.2018 15:22
      Highlight Highlight «ganze Tunnelanlagen» ist gut! Bis zum Bau des Schachtes in Sedrun zum Gotthard-Basistunnel hatte die Armee den Rekord für einen Lift von 300 m Tiefe seit 1980. Der Lift wurde inzwischen erneuert und die geheime Anlage zu der er führt auch. Ein unteridisches Transportsystem aus den 50er-Jahren, bestehend aus Standseilbahnen und Horizontalbahn wurde ersetzt durch eine moderne Monorail. Auch beim Bau des Gotthard-Basistunnels mussten und müssen Mineure über gewisse Dinge Stillschweigen bewahren. Der alte Tresorraum der Nationalbank am Gotthard wurde übrigens «Härdöpfelcheller» genannt.
    • esmereldat 30.07.2018 15:44
      Highlight Highlight Einen Einblick bekommst du vielleicht hier:

      https://www.sasso-sangottardo.ch
    Weitere Antworten anzeigen
  • Herbert Anneler 30.07.2018 10:25
    Highlight Highlight Etwas für Tom Cruise...
  • einschweizernamens 30.07.2018 09:49
    Highlight Highlight falls es noch platz braucht... ich habe meinen Keller aufgeräumt...;-)
    • Herbert Anneler 30.07.2018 18:26
      Highlight Highlight Schlingel ;-)
  • Nominator 30.07.2018 09:24
    Highlight Highlight Wer möchte nicht gerne ein wenig mehr wissen über diesen geheimnisumwitterten Bunker?
    https://fredi-lerch.ch/fileadmin/dokumente/journalistisches/Anonymer_Brief.pdf
  • DerSimu 30.07.2018 08:40
    Highlight Highlight "Gsesch de Stäi dete? Hm? Gsesch de Stäi dete? Dasch en Bunker. Sssch nid so luut es hät Usländer do inne."

    - Emil Steinberger
  • Dschonnie 30.07.2018 08:23
    Highlight Highlight Bitcoin is coming...
    Benutzer Bild
    • Panna cotta 30.07.2018 13:11
      Highlight Highlight @Aluhut: 🤔 Nach dem Dritten Weltkrieg wird auch Gold keinen Wert haben. Trinkwasser, Reis und Brot werden am wertvollsten sein.
    • Mischa Müller 01.08.2018 21:35
      Highlight Highlight Trotzdem, so ein Säckchen mit 70 Bitcoins, (geschenkt) ... Da würde ich nicht nein sagen. Es dauert ja noch ein Weilchen bis nach dem dritten Weltkrieg, oder?

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