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Wie unsere Gesundheitsversorgung in den Spitäler verbessert werden kann

Un hôpital ne peut pas tout soigner et les Suisses le payent cher
Ein einzelnes Krankenhaus sollte nicht darauf ausgerichtet sein, alle Erkrankungen zu behandeln, so die Präsidentin der Groupe Mutuel.bild: montage watson
Röstibrücke

Wie gut ist unsere Gesundheitsversorgung wirklich?

Überall messen oder vergleichen wir die Qualität des Angebots. Nur bei Gesundheitsdienstleistungen, insbesondere im Spital, tappen wir bezüglich Qualität im Dunkeln. Dabei wäre es relativ einfach, diese zu messen, für Patienten transparent zu machen und in die Spitalplanung zu integrieren.
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20.09.2026, 08:59
Karin Perraudin / franc-parler

Bevor wir ein Restaurant auswählen, ein Hotel buchen oder neue Elektronik kaufen, lesen die meisten von uns unzählige Reviews, checken die Google-Bewertungen oder vertiefen uns in ein Vergleichsportal. Wir wollen auf keinen Fall etwas kaufen, das nicht unseren Erwartungen entspricht. Nur wenn es um unsere Gesundheit geht, haben wir diese Möglichkeit nicht.

Die Qualität der Leistungen in Schweizer Spitälern wird nämlich nicht öffentlich kommuniziert. Als normale Patientinnen und Patienten haben wir keinerlei Möglichkeit zu erfahren, wie oft eine Operation in einem spezifischen Spital bereits durchgeführt wurde oder welche Resultate erzielt wurden. Wir suchen daher meist einfach das nächstgelegene Spital auf oder verlassen uns auf eine Empfehlung des Hausarztes.

Mindestfallzahlen werden in der Schweiz nicht eingehalten

Dabei gibt es bereits Indikatoren, mit denen die Qualität der Behandlungen in Spitälern gemessen werden kann. Ein wichtiger Hinweis ist die Einhaltung der sogenannten Mindestfallzahlen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Erfahrung, Routine und Spezialisierung die Behandlungsqualität verbessern. Daher hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (kurz: GDK) Empfehlungen zu Mindestfallzahlen in verschiedenen Leistungsgruppen erlassen. Diese zeigen die minimale Anzahl Behandlungen auf, die ein Spital durchführen sollte, um Qualität und Patientensicherheit zu gewährleisten.

Verschiedene Studien im Auftrag der Groupe Mutuel und von prio.swiss zeigen jedoch auf, dass über 40 Prozent der Spitäler diese Mindestfallzahlen in einer Mehrheit der Leistungsgruppen nicht einhalten können. Dies obwohl die Empfehlung der GDK weit unter gültigen Standards im Ausland liegt. Bei Brustkrebs zum Beispiel erreichen fast 64% der Spitäler die geforderten Mindestzahlen nicht, das betrifft fast einen Viertel der Patienten.

Wie geht es Ihnen?

Ein weiterer Hebel zur Qualitätserfassung wären patientenzentrierte Outcome-Indikatoren, sogenannte PROMs, PREMs und CROMs. Dabei gilt nicht die simple Durchführung einer Operation als Erfolg, sondern inwiefern der Eingriff die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert hat. Eine Knieoperation gilt also als erfolgreich, wenn der Patient danach besser laufen kann, weniger Schmerzen als zuvor hat und/oder seinen Alltag besser bewältigen kann.

Patientenzentrierte Outcome-Indikatoren
Patientenzentrierte Outcome-Indikatoren messen Resultate von medizinischen Behandlungen aus Sicht der Patienten. PROMs stehen dabei für Patient-Reported Outcome Measures. Sie messen den vom Patienten selbst wahrgenommenen Gesundheitszustand. PREMs sind Patient-Reported Experience Measures erfassen die Erfahrung und die Zufriedenheit des Patienten mit dem Behandlungsprozess. CROMs, Clinician-Reported Outcome Measures, beinhalten die objektiv erhobenen, medizinischen und technischen Befunde und Bewertungen durch das medizinische Fachpersonal.

Einige Spitäler messen bzw. erfragen dies bereits. Schweizweit muss die Qualitätsmessung jedoch hintenanstehen. Und auch im Gesundheitssystem finden die patientenzentrierten Daten wenig Eingang. Dabei wäre es möglich, die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten mit weiteren Qualitätsindikatoren zu erheben und diese dann an die Vergütung der Leistungen zu knüpfen. Sprich, es würde nicht länger die Menge der durchgeführten Leistungen vergütet, sondern deren Qualität für den Patienten.

Qualitätsindikatoren beeinflussen die Spitalplanung

Eine weitreichende Messung der Qualität hätte wohl auch Folgen für die Spitalplanung in der Schweiz. Aktuell verfügen wir in unserem Land über eine sehr hohe Spitaldichte, mit 270 Spitälern an 596 Standorten. Wenn Spitäler konsequenter an der Qualität und an einer Mindestanzahl von Behandlungen gemessen würden, stünden die Spitäler mehr im Wettbewerb zueinander. Nicht jedes Spital könnte immer noch jede Leistung anbieten.

Die nötige Konsolidierung der Spitäler wäre auch ein Anreiz für eine längst überfällige überregionale Spitalplanung. In der kleinräumigen Schweiz macht es wenig Sinn, dass eine Planung der Spitalkapazitäten an den Kantonsgrenzen haltmacht. Eine Studie der Universität St.Gallen hat zudem gezeigt, dass die Patientinnen und Patienten sich in vielen Fällen bereits ausserkantonal behandeln lassen. Die Planung hinkt heute der Realität also hinterher.

Versorgung breit geplant

Statt einer kantonalen Spitalplanung könnten wir somit zu einer überregionalen Versorgungsplanung übergehen mit einem klaren Fokus auf die Qualität. Mindestfallzahlen wie auch Indikations- und Outcomequalität für die Patientinnen und Patienten sollten systematisch und verbindlich gemessen und veröffentlicht werden. Die Versorgung könnte, sowohl ambulant als auch stationär, grösstenteils in fünf bis sieben überkantonalen Gesundheitsregionen geplant werden, ohne an engen Kantonsgrenzen Halt zu machen. Die Grund- und Notfallversorgung wird weiterhin auf regionaler Ebene organisiert, damit ein schneller Zugang zur Versorgung gewährleistet bleibt.

Für eine ideale Versorgung, die nicht möglichst viele Leistungen anstrebt, sondern verlässlichen Zugang, nachweisbare Qualität und eine effiziente Verwendung der Prämiengelder verbindet, damit unser Gesundheitswesen qualitativ hochwertig und finanzierbar bleibt.

Karin Perraudin ist …
Absolventin der HEC Lausanne und eidgenössisch diplomierte Wirtschaftsprüferin. Im Jahr 2002 wurde sie im Alter von 28 Jahren Mitglied des Verwaltungsrats der Walliser Kantonalbank, dem sie von 2011 bis 2013 als Präsidentin vorstand. Heute ist sie Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Mutuel sowie Verwaltungsrätin bei Romande Energie und Ameropa. Neben ihrem wirtschaftlichen Engagement setzt sich Karin Perraudin als Präsidentin der Fovahm (Walliser Stiftung für Menschen mit geistiger Behinderung) auch für soziale Aspekte ein.
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Karin PerraudinBild: Groupe Mutuel
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