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Die Impfung schützt nicht zu 100 Prozent gegen schwere Verläufe. Darum werden mit höherer Impfquote auch mehr Geimpfte im Spital landen.
Die Impfung schützt nicht zu 100 Prozent gegen schwere Verläufe. Darum werden mit höherer Impfquote auch mehr Geimpfte im Spital landen.Bild: keystone

Mehr Geimpfte als Ungeimpfte bei Ü70-Jährigen im Spital – warum die Impfung trotzdem wirkt

Man hört das Argument immer mal wieder: Es liegen noch immer viele Geimpfte in den Schweizer Spitälern. Warum die Impfung trotzdem gut vor schweren Verläufen schützt, versuchen derzeit einige virale Posts zu erklären.
24.11.2021, 09:0725.11.2021, 07:20
Reto Fehr
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Die Diskussionen um Geimpfte und Ungeimpfte in den Spitälern gibt es seit Wochen. Und auch wenn die Gründe dafür, warum auch Geimpfte im Spital landen können (und auch in Zukunft landen werden), immer wieder erklärt wurden, hält sich die Skepsis hartnäckig.

Denn bei älteren Altersklassen (ab 70 Jahren) werden in der Schweiz aktuell in absoluten Zahlen mehr vollständig Geimpfte als Ungeimpfte mit schweren Verläufen ins Spital eingeliefert. Diverse Gruppen behaupten darum, dass die Impfung halt doch nicht so gut schütze.

Diese Annahme ist falsch.

Wir zeigen in drei Punkten wieso.

So viele Corona-Patienten liegen in Schweizer Spitälern

Die Hospitalisationen von Corona-Patienten in der Schweiz zogen in den letzten Tagen wieder an. Wir haben diese hier aufgeteilt nach Impfstatus. Blicken wir auf die absoluten Zahlen (7-Tage-Durchschnitt), so erweckt dies den Eindruck, dass zwar mehr Ungeimpfte eingeliefert werden, aber die vollständig Geimpften nur unwesentlich weniger ins Spital müssen und die beiden Kurven ähnlich steil steigen.

Die Gruppe der teilweise Geimpften macht einen so kleinen Anteil der Bevölkerung aus, dass wir diese später vernachlässigen werden.

Schauen wir noch etwas genauer hin und teilen die Hospitalisierten in Altersklassen auf, fällt auf: In absoluten Zahlen mussten von den 70- bis 79-Jährigen und den Ü80-Jährigen gar mehr Geimpfte als Ungeimpfte ins Spital:

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Aber halt, wir haben etwas Wichtiges vergessen

Entscheidend ist aber, dass diese Zahlen alleine nicht die ganze Wahrheit erzählen. Und hier kommt der Prävalenzfehler ins Spiel. Wir zitieren hier aus Wikipedia:

«Als Prävalenzfehler bezeichnet man den Fehler, der entsteht, wenn die Bestimmung der bedingten Wahrscheinlichkeit einer statistischen Variable A unter einer Bedingung B ohne Rücksicht auf die Prävalenz oder A-priori-Wahrscheinlichkeit von A vorgenommen wird. Die Prävalenz bezeichnet die Verteilung von A über die in Frage stehende Grundgesamtheit und wird auch als Basisrate bezeichnet. Der Prävalenzfehler wird daher auch als Basisratenfehler, als Basisratenmissachtung oder als Base Rate Fallacy bezeichnet. Für A und B kommen Ereignisse, aber auch Eigenschaften in Frage, der Fehler ist ein allgemeines Phänomen bei der Interpretation von statistischer Korrelation.»

Um diese einigermassen komplizierte Erklärung verständlicher darzustellen, nehmen wir die Hilfe von drei Posts in Anspruch. Diese gingen in den letzten Tagen in den diversen sozialen Medien viral.

So hoch sind die Inzidenzen der Geimpften und Ungeimpften

Rechnen wir diese Beispiele oben für die Schweiz um. Hier sind mit Stand vom 21. November 5'749'479 Personen vollständig geimpft, 2'802'417 nicht geimpft.

Die laufende Entwicklung der Inzidenzen zeigt deutlich auf, dass die Kurve der Ungeimpften praktisch immer höher lag und – im Gegensatz zu den absoluten Zahlen von Punkt 1 – aktuell steiler ansteigt und der Abstand deutlich grösser ist:

Auch hier nehmen wir die Verteilung auf die Altersgruppen dazu. Die Inzidenzen sind jetzt nicht nur immer bei den Ungeimpften höher, sondern jeweils um ein Vielfaches.

Zur besseren Vergleichbarkeit der absoluten Fälle und der (entscheidenderen) Inzidenz hier nochmals zusammengefasst:

Wie sehr verändert die Impfung mein Risiko auf eine Hospitalisation?

Wir bleiben bei den Inzidenzen und vergleichen diese für die letzten vier Wochen pro Altersklasse. Nicht möglich ist der Vergleich bei den Altersgruppen der 0- bis 9-Jährigen und 10- bis 19-Jährigen, da in den letzten vier Wochen bei diesen Altersgruppen keine vollständig Geimpften ins Spital mussten. Bei den 0- bis 9-Jährigen sind allerdings auch nur 163 Personen in der Schweiz geimpft.

In allen anderen Altersgruppen müssen Ungeimpfte deutlich häufiger hospitalisiert werden. Dies betrifft vor allem die ungeimpften 20- bis 69-Jährigen. Bei den 70- bis 79-Jährigen und den Ü80-Jährigen wird dieser Unterschied deutlich kleiner, allerdings werden Ungeimpfte auch hier 7,7-mal, respektive 8,7-mal häufiger mit so schweren Verläufen getroffen, dass sie ins Spital müssen.

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