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Einer von fünf Männern unter 35 fühlt sich in seiner Männerrolle sehr verunsichert.
Einer von fünf Männern unter 35 fühlt sich in seiner Männerrolle sehr verunsichert.bild: shutterstock

Welche Männer die Genderdebatte als «völlig unnötig» befinden

In einer neuen Studie wird den Deutschschweizer Männern und ihrer Gefühlslage auf den Zahn gefühlt. Vor allem unter 35-Jährige fühlen sich zuweilen unsicher in ihrem Rollenbild und hätten gerne mehr Sex.
11.11.2021, 09:3015.11.2021, 10:10
helene obrist

Gendergerechte Sprache und Gender-Quoten sind in aller Munde. Gleichstellungsthemen dominieren die öffentliche Debatte zunehmend. Doch was sagen eigentlich die Männer dazu? Und wie hat sich ihr Rollenbild verändert? Die Schweizer Zeitschrift Annabelle und die Forschungsstelle Sotomo wollte genau das von rund 1363 Deutschschweizer Männern zwischen 16 und 95 wissen.

Herausgekommen sind einige spannende Erkenntnisse. Folgend die sechs spannendsten Punkte der Studie zusammengefasst.

Männerbild

64 Prozent der befragten Männer haben immer oder häufig eine klare Vorstellung davon, was es heisst, ein Mann zu sein. Je jünger die Männer aber sind, desto unscharfer wird das Männerbild. Fragt man die unter 35-Jährigen, weiss nur jeder Zehnte immer, was von einem Mann verlangt wird. Oder umgekehrt formuliert: Einer von fünf Männern unter 35 fühlt sich in seiner Männerrolle sehr verunsichert.

Die Unterschiede zwischen den Altersklassen waren am deutlichsten. Zwischen den unterschiedlichen Bildungsniveaus fanden die Studienautorinnen keine relevanten Unterschiede.

Wirkung auf andere

Fragt man Männer, wie sie am liebsten auf andere wirken möchten, dann antwortet die grosse Mehrheit (78%) mit «freundlich!» und das unabhängig davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Es ist ihnen aber auch wichtig, dass sie selbstsicher wirken und die Aussenwelt den Eindruck erhält, dass sie mit sich im Reinen sind.

Männern ohne Kinder ist es deutlich wichtiger, dass sie intelligent rüberkommen. Wer hingegen Kinder hat, der möchte in seinem Umfeld als ein entscheidungsfreudiger Mann wahrgenommen werden.

Zur Studie
Die Männerstudie wurde von Sotomo gemeinsam mit annabelle durchgeführt. Die Datenerhebung fand zwischen Ende August und Anfang September 2021 statt. Die Grundgesamtheit der Befragung bildet die sprachlich integrierte männliche Bevölkerung der Deutschschweiz ab 16 Jahren ab. Für die Auswertung wurden die Antworten von 1363 Teilnehmer berücksichtigt.

Genderdebatte

Gut die Hälfte der befragten Männer empfindet die aktuell in der Gesellschaft geführte Geschlechterdebatte (sehr) wichtig. Zwischen den Altersgruppen und dem Bildungsniveau gibt es aber deutliche Unterschiede:

Jüngere Männer bewerten die Genderdebatte als deutlich wichtiger als ältere. 40 Prozent der über 65-Jährigen finden, die Geschlechterdebatte sei «völlig unnötig». Bei den 16 bis 34-Jährigen wollen nur 16 Prozent am liebsten gar nichts über Geschlechterthemen hören.

Und von den Männern mit einer höheren Bildung bewerten gut zwei Drittel die Debatte als wichtig. Von den Männern mit tieferer Bildung ist es nur die Hälfte.

Erwerbstätigkeit

Ein Grossteil der Männer ist nach wie vor Haupternährer der Familie. Umfrageteilnehmer, die in einer Familie oder Partnerschaft leben, erwirtschaften rund 70 Prozent des Familieneinkommens. Viele empfinden das als Last.

Die Hälfte aller befragten Männer möchte eigentlich lieber weniger arbeiten. Die Pensen können aber nicht reduziert werden, weil die finanzielle Verantwortung für die Familie auf ihren Schultern lastet.

Liebe und Sex

Deutschschweizer Männer wünschen sich von ihren Partnerinnen und Partner vor allem Humor und Verlässlichkeit. Im Gegensatz zu den Frauen möchten die Mehrheit der Männer (56%) in Beziehungen eine starke sexuelle Anziehung spüren. Für die Frauen ist die Anziehung wesentlich weniger wichtig, wie die erste Umfrage zur Befindlichkeit der Frauen in der Deutschschweiz zeigte.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Die Hälfte aller befragten Männer unter 65 möchte mehr Sex haben. Nur ein Viertel ist im Durchschnitt mit dem eigenen Sexleben voll und ganz zufrieden. Und je jünger die Männer sind, desto mehr Luft nach oben gibt es.

Auch hier ist der Unterschied zu den Aussagen der Frauen gewaltig: 41 Prozent der befragten Männer wünscht sich mehr Sex, bei den Frauen waren es nur 24 Prozent. Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern zeigen sich ebenfalls bei der Frage, ob man seine Sexualität genauso ausleben kann, wie man will. Dem stimmen nur 15 Prozent der Männer zu. Bei den Frauen sind es mit 27 Prozent fast doppelt so viele.

Pornografie

Wird nach dem Pornokonsum gefragt, tun sich erneut Gräben zwischen den Geschlechtern auf. In der Männerstudie war jeder fünfte junge Mann der Ansicht, dass er selber zu viel Pornos konsumieren würde. Nur gerade drei von hundert jungen Männern gaben an, dass sie sich nicht für Porno interessieren würden.

Bei den Frauen sah das komplett anders aus. In der Befragung im Frühling 2021 gaben 57 Prozent der befragten Studienteilnehmerinnen an, dass sie sich nicht für Porno interessieren würden. Nur gerade 18 Prozent empfanden Sexfilme als gutes Mittel, um Vorlieben zu entdecken.

Fazit

«Eigentlich geht es den Männern in der Deutschschweiz ziemlich gut», schreiben die Studienautoren zum Schluss. Ausser in Sachen Sex, da könnte es für viele besser sein.

Vergleicht man die Antworten der Männer aber mit jenen der Frauenstudie, zeigt sich: Die Frauen erreichten über alle Generationen hinweg höhere Zufriedenheitswerte. Die Männerbefragung zeige deutlich, dass sich in der Deutschschweiz mittlerweile ein gewisses Generationengefälle zwischen den Männern auftue. «Ältere Männer, aufgewachsen und sozialisiert in einer Welt, die es in vielen Bereichen nicht mehr so gibt, sind in vielen Lebensbereichen deutlich zufriedener und sicherer als jüngere Männer. Diese müssen ihren Platz – und ihre Vorbilder – erst noch finden», heisst es zum Schluss der Studie.

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216 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Joe Hill
11.11.2021 10:02registriert Dezember 2015
"Männer unter 35 sind in ihrer Rolle als Mann verunsichert." No shit Sherlock.
Es vergeht ja auch kein Jahr ohne dass Dutzende sich widersprechende Artikel geschrieben und Videos gefilmt werden wie jetzt ein Mann sein muss um Mann zu sein. Lasst die Männer doch einfach mal zu sich selbst finden.
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Rundlauf
11.11.2021 09:59registriert Februar 2020
Glaubs das Thema wurde über die letzten Jahre hin etwas verkannt bzw. kleingeredet. Neue Weiblichkeit und Feminismus sind die Topthemen der Gegenwart; dass es aber nicht nur um neue und andere Rollen und Rechte für Frauen geht, sondern dass Veränderungen in der Gesellschaft als ganzes auch Auswirkungen auf Männer haben, wurde kleingeredet. Durfte ja auch nicht sein, weil es "jetzt mal nicht um die Männer geht". Sicher richtig; Frauen haben viel Aufholbedarf. Ihnen steht viel mehr zu. Aber der Mann muss sich daneben ja auch einordnen können, dass das künftig funktioniert. Muss man mitdenken.
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mrmikech
11.11.2021 10:52registriert Juni 2016
"Männer unter 35 sind in ihrer Rolle als Mann verunsichert."

Das ist schlussfolge von wem?

Ich lese dass so: Männer unter 35 finden es unwichtig wie sie als mann wahrgenommen werden, und was ein mann sein soll.

Gut so.
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