Schweiz
Gesellschaft & Politik

«Exorbitante PR-Kosten»: Rösti-Bundesamt für Strassen in der Kritik

«Exorbitante PR-Kosten» für Autobahnen etc. – Rösti-Bundesamt für Strassen in der Kritik

Teure Aufträge an externe PR-Firmen, ein Besucherpavillon mit modernster Technik, Vorwürfe der Schönfärberei: Die Kommunikation des Bundesamts für Strassen (Astra) wird zum Thema im Parlament.
01.01.2026, 08:2801.01.2026, 08:28
Christoph Bernet / ch media

Das Bundesamt für Strassen (Astra) setzt auf die Unterstützung der bekanntesten PR-Firmen der Schweiz – und gibt dafür viel Geld aus. Wie CH Media im Oktober 2024 gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz publik machte, vergibt das Astra regelmässig Grossaufträge im Bereich Kommunikation an mehrere externe Dienstleister. Die Vergaben erfolgten dabei häufig im freihändigen Verfahren – also ohne öffentliche Ausschreibung.

CAPTION ADDITION: ADDS NAME OF FRANZISKA BINER - KEYPIX - De gauche a droite, Franz Ruppen, Conseiller d'Etat valaisan, Franziska Biner, conseill
PR für Autobahnen statt sachlicher Behördeninformation? Albert Röstis Departement steht in der Kritik.Bild: keystone

Alleine die bekannte PR-Firma Farner erhielt in den letzten Jahren Aufträge in der Höhe von 8,2 Millionen Franken, unter anderem für die Kommunikation zum umstrittenen Ausbau der A1 auf acht Spuren. Damals bestätigte das Bundesamt gegenüber CH Media jährliche Gesamtausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit von über fünf Millionen Franken, Tendenz steigend.

Die Recherche vom Oktober 2024 sorgte für Aufsehen im laufenden Abstimmungskampf über den Autobahnausbau. Die Gegner warfen dem Astra und dem zuständigen Bundesrat Albert Rösti (SVP) vor, unsachgemäss zu informieren und die Folgen für Verkehrssicherheit, Lärm und Umwelt zu beschönigen.

Die Vorlage sah die Finanzierung von sechs Teilprojekten mit Gesamtkosten von 4,9 Milliarden Franken vor. Sie scheiterte am 24. November 2024 mit 52,7 Prozent Nein-Stimmen.

Ein Luxuspavillon sorgt für Stirnrunzeln

Dieses Ergebnis brachte ein anderes teures PR-Projekt des Bundesamts für Strassen in die Bredouille. Wie der «Tages-Anzeiger» im Februar 2025 berichtete, verzögerte sich deswegen die Eröffnung eines 3,8 Millionen Franken teuren Besucherpavillons in Bern-Wankdorf.

Ursprünglich wollte das Astra dort über vier Autobahnausbauprojekte in der Region informieren. Das Bundesamt hatte das Projekt vorangetrieben, obwohl das Referendum gegen den Autobahnausbau bereits angekündigt worden war. Alleine die Technik (interaktive Panoramawand, «Holo-Deck») hat 1,2 Millionen Franken gekostet.

Drei dieser vier Projekte sind unterdessen infrage gestellt: Entweder als direkte Folge der Abstimmung oder indirekt wegen des Berichts von ETH-Professor Ulrich Weidmann über die Zukunft des Infrastrukturausbaus,  den Verkehrsminister Rösti nach der Abstimmung erstellen liess. Das Astra musste deshalb über die Bücher und das Konzept des Besucherpavillons anpassen.

«Nonchalanter Umgang mit Steuergeldern»

Nun haben diese Enthüllungen ein parlamentarisches Nachspiel. Grünen-Nationalrätin Florence Brenzikofer (BL) verlangt in einer Interpellation vom Bundesrat Auskünfte über die «exorbitanten PR-Kosten» beim Astra.

Nationalraetin Florence Brenzikofer, GP-BL, spricht waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 11. Dezember 2025 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Will Antworten von Bundesrat Rösti: Nationalrätin Florence Brenzikofer (Grüne/BL).Bild: keystone

Die hohen Beträge werfen Fragen auf zur Öffentlichkeitsarbeit des Astra. «Oberstes Ziel scheint zu sein, das Bundesamt und seine Projekte im besten Licht darzustellen», so Brenzikofer. Dafür würden offenbar «keine finanziellen Mühen gescheut». Dieser «nonchalante Umgang mit Steuergeldern» sei in Zeiten von Entlastungsprogrammen besonders stossend, sagt Brenzikofer. Sie erhofft sich nun «klare und transparente Antworten» von Bundesrat Rösti.

Die Verwaltung habe den Auftrag, sich für eine nachhaltige, energieeffiziente Mobilität einzusetzen. Die Kommunikation des Astra im Abstimmungskampf zum Autobahnausbau lasse daran zweifeln, sagt die Baselbieterin: «Es ist demokratiepolitisch befremdlich, dass das Astra weder sachlich noch objektiv zu informieren scheint». Neben Florence Brenzikofer haben auch ihre Parteikolleginnen Franziska Ryser und Aline Trede Interpellationen zum Astra eingereicht. Sie kritisieren «Schönfärberei» und «Intransparenz» bei der Kommunikation. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
90 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
CH-Bürger
01.01.2026 09:13registriert Juni 2018
Das Vorgehen von Bundesrat Rösti entspricht dem bekannten Stil mancher SVP-Politiker. Leider zeigt sich dieses Muster nicht nur in dieser Angelegenheit. Würde hingegen ein Vertreter des linken politischen Spektrums in vergleichbarer Weise handeln, würde die SVP unweigerlich den sofortigen Rücktritt fordern.
22615
Melden
Zum Kommentar
avatar
Chris_A
01.01.2026 09:16registriert Mai 2021
Es war ein riesen Fehler der SVP das UVEK zu überlassen. Hier reit sich seit der Übernahme Desaster an Geldverschwendung.
19211
Melden
Zum Kommentar
avatar
The litterbox incident
01.01.2026 09:13registriert März 2025
Kann der BR dann zusätzlich zur Höhe der Ausgaben bitte auch gleich ausweisen, ob die Aufträge regelkonform ausgeschrieben worden sind, wohin das Geld geflossen ist, und zu welchem Grad es sich dabei um Bekannte von Herrn Rösti handelte?
1727
Melden
Zum Kommentar
90
Die häufigsten Neujahrsvorsätze – und die Gründe, warum wir sie nicht lange einhalten
Fast 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fassen sich Neujahrsvorsätze, aber nur wenige halten sie auch tatsächlich über eine längere Zeit ein. Das hat seine Gründe.
Mit dem Rauchen aufhören, abnehmen, sich mehr bewegen, weniger Social Media – jedes Jahr nehmen sich viele Menschen Vorsätze, um ihr Leben zu verbessern oder komplett zu ändern.
Zur Story