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Heikles Thema: Sollen Polizisten die Herkunft von Tätern und Opfern verschweigen?

Eine Mehrheit im Zürcher Gemeinderat fordert, dass in Meldungen der Stadtpolizei keine Angaben zu den Nationalitäten der Täter und Opfer mehr gemacht werden. Damit wurde ein Nerv getroffen und eine hitzige Diskussion ist entflammt.



THEMENBILD ZUR KRIMINALSTATISTIK 2013 --- Zuercher Stadtpolizisten des Sonderkommissariats Uno 44 verhaften am 30. Mai 2008 in Zuerich, Schweiz, einen Verdaechtigen. Der Auftrag der SOKO Uno 44 ist die Verhinderung einer verdeckten Drogenszene. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Nationalitäten der Täter könnten in Zukunft von der Stadtpolizei Zürich verschwiegen werden. Bild: KEYSTONE

Das Stadtparlament von Zürich wird in seiner nächsten Sitzung über das brisante Thema entscheiden. Bei einer Annahme dürfte die Stadtpolizei keine Angaben zur Herkunft von Tätern und Opfer mehr machen – auch nicht auf spezifische Anfrage von Journalisten. 

«Die Angabe der Nationalität bringt – sofern nicht ein ausdrücklicher Zusammenfang zum Delikt besteht – keinerlei Erklärung für das begangene Verbrechen», so Min Li Marti (SP) und Samuel Dubno (GLP) im Postulat. Diese Angabe würde keinerlei Vorteile bringen, sondern nur Vorurteile schüren. Für die Kriminalitätsstatistik soll diese Information allerdings gespeichert werden.

Damit sind längst nicht alle einverstanden:

Keine neue Idee

Beim Vorstoss von Min Li Marti handelt es sich aber keineswegs um eine revolutionäre Idee. In Deutschland ist es zum Beispiel Gang und Gäbe, keine Angaben zur Nationalität des Täters zu machen, wenn diese Information keine wichtige Rolle im Fall spielt.

Prinzipiell teilt auch der Schweizer Presserat diese Meinung. Allerdings: «Er sagt nicht, dass es generell nicht erlaubt ist. Allerdings muss man abwägen, ob die Nennung der Nationalität wirklich zur Erhellung des Falles beiträgt und ob der Informationswert dies rechtfertigt», so Usina Wey, Geschäftsführerin des Schweizer Presserates gegenüber watson. Vor allem sollten Journalistinnen und Journalisten in der Kriminalberichterstattung auf Zuschreibungen verzichten, die eine Nation oder Ethnie diskriminieren. 

Allerdings gibt es auch Ausnahmen: «Medien dürfen die Staatsangehörigkeit nennen, wenn sie dies systematisch tun, um die vollständige Information des Publikums zu gewährleisten.» (lhr)

Umfrage

Ist es notwendig in diesem Fall die Nationalität zu nennen: «Einem 27-jährigen Sicherheitsmann wurde vorgeworfen, einen renitenten Gast mit Fusstritten traktiert zu haben. Zu unrecht, fanden die Richter. Bestraft wurde der Kosovo-Albaner dennoch.» Was ist deine Meinung?

170

  • Ja49%
  • Nein45%
  • Weiss nicht5%

Umfrage

Ist es notwendig, in diesem Fall die Nationalität zu nennen? «Am Dienstagabend kurz vor 21 Uhr kam es zwischen drei Männern zu einer Ausseinandersetzung. Dabei verletzten sich alle Beteiligten durch einen Schuss. Involviert waren ein 56-jähriger Schweizer, ein 30-jähriger Russe sowie ein 28-jähriger Mann aus dem Kosovo.» Was ist deine Meinung?

160

  • Ja59%
  • Nein38%
  • Weiss nicht1%

Umfrage

Ist es notwendig, in diesem Fall die Nationalität zu nennen: «Am Sonntagabend gegen 22.15 Uhr fuhr ein 34-jähriger Türke in eine Beleuchtungssäule vor dem Regierungsgebäude in Frauenfeld. Der Alkoholtest fiel positiv aus.» Was ist deine Meinung?

159

  • Ja41%
  • Nein58%
  • Weiss nicht0%

Umfrage

Was ist generell deine Meinung: Soll die Polizei die Nationalität der Täter und Opfer verschweigen?

  • Abstimmen

197

  • Ja, diese Information bringt keinen Mehrwert.40%
  • Nein, damit blendet man die Realität aus.55%
  • Mir egal5%

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 21.06.2015 14:40
    Highlight Highlight "Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch"
    Das hat der Grüne Europaparlamentarier D. Cohn-Bendit schon vor Jahren prophezeit. Auch sprach er von einem Verlust bürgerlicher Werte in der Multi-Kulti-Gesellschaft. Dieses Beispiel hier zeigt nun, wie die Grünen damit umgehen wollen. Schwach!
    • Citation Needed 22.06.2015 19:17
      Highlight Highlight Cohn-Bendit sprach von einem Verlust verbindlicher Werte, nicht bürgerlicher Werte, und warnte rechts und links davor, Realitäten d. multikulturellen Gesellschaft zu verkennen.
      Er fand, Konflikte seien vorprogrammiert und es bringe nichts, die entweder zu beschönigen oder zu verteufeln. Ich finde Publikation der Nationalität in Einzelfällen nutzlos, ja verteufelnd, in der Kriminalstatistik aber objektiv und aussagekräftig. Ganz verschweigen ist doof.
      Aber wieso schreibst Du "Die Grünen"? es ist eine Mehrheit im Gemeinderat die der Forderung zustimmt, Postuliert von SP-Frau und GLP-Mann.
  • Citation Needed 20.06.2015 14:25
    Highlight Highlight Entweder IMMER oder NIE. Wobei ich zu NIE tendiere.
    Der Prix Courage des Beobachters wurde mal einem Arbeiter verliehen, der an einem Unfall vorbeigekommen und geistesgegenwärtig die Insassin (oder mehrere?) aus dem brennenden Wagen gerettet hatte. Kein Verbrechen, weder Täter noch Opfer. Der Retter hatte ic-Nachname, also eher kein Schwiizer oder mind. Schwiizer mit Migrationshintergrund. Wenn wir beginnen bei Verbrechen Nationalitäten anzugeben, dann bitte auch bei Heldentaten. Und bald bei jedem Furz. Dabei kommt's im Einzelfall eh nicht drauf an. Statistik ist dsbzgl. aussagekräftiger!
  • Donalf 19.06.2015 23:52
    Highlight Highlight Im Interesse der Transparenz und Vermeidung von ungerechtfertigten Vermutungen sollte eine solchen Angabe nicht fehlen.
  • googelhupf 19.06.2015 21:27
    Highlight Highlight es ist doch absolut überflüssig die herkunft eines verbrechers zu benennen, damit wird nur unnötiger rassismus gefördert.
    es interessiert schliesslich auch niemanden ob der täter blonde oder schwarze haare hat, denn das ist genauso irrelevant wie die nationalität.
    das es für diese einsicht einen gesetzlichen vorstoss gibt finde ich jedoch ein bisschen fragwürdig, journalisten sollten ihre verantwortung von sich aus wahrnehmen und nicht dazu gezwungen werden. aber scheinbar sind den meisten journalisten die quoten wichtiger als ihre ethnische verantwortung, was mir schon ein bisschen zu denken gibt.
  • Michèle Seiler 19.06.2015 19:58
    Highlight Highlight Für mich auch ein schwieriges Thema ... Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, dass die Herkunft von Straftätern mitgeteilt wird - um ein realistisches Bild der Gesamtsituation aufzuzeigen, braucht es wohl allerdings viel mehr.

    Und dass das nötig wäre, zeigen all die, die aufgrund solcher Meldungen Vorurteile entwickeln oder sich in ihnen bestärkt fühlen.

    Aber vielleicht ist es schon zu spät.
    • Statler 19.06.2015 21:43
      Highlight Highlight Es ist nie zu spät... ;)
    • Michèle Seiler 19.06.2015 22:11
      Highlight Highlight Danke für die Motivationsspritze. 😊
  • Ninon 19.06.2015 16:35
    Highlight Highlight Die Gefahren, die vom Verschweigen von Fakten ausgehen, werden letztlich immer weitaus grösser sein als der Nutzen.
    Rot-grün macht sich mit dieser Haltung mutwillig blind für existierende gesellschaftliche Probleme.
    Ich habe noch bei Strafrechtsprofessor Martin Killias, studiert. Eine der letzten vernünftigen Stimmen der SP.
    «Wenn man die Nationalität verschweigt, spielt man den Rassisten in die Hände. Dann können sie behaupten, sie seien die Einzigen, die es wagen, die ‹Wahrheit› auszusprechen», sagte er.
    Mit jedem Problem, das die Linken verschweigen, bekommt die SVP wieder ein paar Stimmen.
    • Jol Bear 19.06.2015 21:07
      Highlight Highlight Allerdings sollte der Entscheid ob Nationalität eines Täters genannt werden soll, nicht vom Kriterium der Nutznießung für die SVP abhängig gemacht werden. Das ist leider ein Muster, das bei zahlreichen Politikern und Medien oft erkennbar ist. "Wenn die SVP von etwas profitieren könnte, dann ist man zunächst mal dagegen." Solche Vermeidung einer Konfrontation mit Inhalten ist irgendwie eine Bankrotterklärung und gleichzeitig ein Eingeständnis, dass die SVP doch nicht ganz falsch liegt.
    • Statler 19.06.2015 21:49
      Highlight Highlight Das «Problem» ist aber nicht die Herkunft eines Straftäters, sondern die Tat an sich und vor allem, wie es dazu kommen konnte. Diese Information wäre weitaus wichtiger, als die Staatsangehörigkeit. Dass jemand [beliebige Nation hiereinfügen] ist, ist nie eine Erklärung für die Gründe einer Tat. Dadurch, dass man die Herkunft aber nennt, wird sie mit der Tat verknüpft und so entstehen Vorurteile.
      Aber eine Lebensgeschichte hat halt nicht auf 10 Zeilen oder in 30 Sekunden einer Nachricht Platz...
  • P hilip 19.06.2015 16:25
    Highlight Highlight Klar stört es mich auch wenn in Titel unnötigerweise auf die Herkunft aufmerksam gemacht wird. Damit wird aktiv bezweckt dass noch mehr Personen alle Ausländer in einen Topf schmeissen.

    Aber es zu verbieten kann nicht doch auch keine Lösung sein. Ich denke nicht dass die Leute dadurch weniger pauschalisieren würden.
  • mrgoku 19.06.2015 15:27
    Highlight Highlight schwierig zu sagen... eigentlich ist es nicht relevant welcher herkunft man hat bei einer tat da diese sowieso die tat selber nicht rechtfertigt... anderseits ist das schon so in den köpfer eingebrannt dass sowieso gleich spekuliert wird dass es sowieso ein ausländer war/ist...

    irgendwie werden taten schon fast automatisch mit der herkunft assoziert...
  • Lezzelentius 19.06.2015 14:54
    Highlight Highlight Mir ist bereits in anderen Titeln aufgefallen, dass wenn vereinzelt die Herkunft bei solchen Berichten verschwiegen wird, dass angenommen wird, es handle sich um Ausländer. So wurde "Ausschaffen!" oder sonst was geschrien, ohne sich im Klaren zu sein. Mousseman hat nicht ganz unrecht.

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