Schweiz
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Sie helfen bei der Familienplanung, betreuen die Gebärenden und Überwachen den Fötus in der Gebärmutter: Die Aufgaben von Hebammen sind sehr vielfältig. (Symbolbild) Bild: shutterstock

Die Schweiz hat bald ein Hebammen-Problem – und das verwundert

In Deutschland betreut eine Hebamme im Schnitt 90 Geburten pro Jahr. Zu viel, sagen die Verantwortlichen. Auch in der Schweiz zeichnet sich ein Hebammenmangel ab. Und das, obwohl die Hochschulen mit Interessentinnen überrannt werden.



In Deutschland herrscht Hebammenmangel. Auf eine Hebamme kommen 90 Geburten pro Jahr, berichtete kürzlich t-online. Immer mehr Hebammen arbeiten wegen der hohen körperlichen und psychischen Belastung Teilzeit.

In der Schweiz ist die Situation etwas komplizierter. Weil national keine Zahlen erhoben werden, sei es schwierig, eine eindeutige Einschätzung zur hiesigen Situation der Hebammen abzugeben, erklärt Andrea Weber, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbands.

«Klar ist: Die Ökonomisierung hat auch vor dem Gebärsaal nicht Halt gemacht. Und das Personal ist nun mal am teuersten», führt Weber aus. So stark wie in Deutschland sei der Mangel noch nicht. «Es gibt aber durchaus Schweizer Randregionen, wo zu wenige freie Hebammen verfügbar sind und grosse Gesundheitszentren, die aus unterschiedlichen Gründen zu wenige Hebammen finden.»

So viel verdienen Hebammen

Gemäss Lohncheck.ch verdient die Hälfte aller Hebammen zwischen 6100 CHF und 6830 CHF im Monat. Der Medianlohn für 100% mit einem 13. Monatslohn beläuft sich auf 6520 CHF. Ein ähnliches Resultat zeigt sich beim Lohnrechner des Bundes. Wer sich mit abgeschlossener Ausbildung an einer Fachhochschule erstmalig als Hebamme in der Region Zürich anstellen lässt, erhält im Durchschnitt 6247 CHF. Im Tessin liegt der Medianwert bei 5523 CHF für eine 100%-Stelle.

Zu wenig Lohn und hoher Druck

Durchschnittlich 6520 Franken – für die Leiterin Geburtshilfe* eines kleinen kantonalen Spitals ist dieser Lohn gemessen an der Arbeit zu tief angesetzt. «Hebammen übernehmen die Verantwortung für Mutter und Kind – zwei Menschenleben. Diese riesige Verantwortung sollte gerechter entlohnt werden.» Am Spital gestalte sich die Rekrutierung neuer Hebammen schwierig, so die Leiterin. «Ich kann mir vorstellen, dass besonders junge Frauen sich gegen eine Bewerbung in einem kleineren Spital entscheiden. Wegen der hohen Verantwortung und des im Vergleich eher tiefen Lohns», so die Hebamme. Doch nicht nur der Lohn sei ein Problem. Auch die Zeit für die werdenden Eltern werde immer knapper. «Eine 1:1 Betreuung ist nicht mehr garantiert. Hinzu kommt der steigende administrative Aufwand.»

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Video: watson/Angelina Graf

Verschärfen die tiefen Löhne und die steigende Arbeitslast den Hebammenmangel? 2014 berechnete die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) in einer Studie, wie der Bedarf an Hebammen in den nächsten zehn Jahren ansteigt. 2025 bräuchte es rund 58 Prozent mehr Hebammen als noch 2014.

«Eine 1:1 Betreuung ist nicht mehr garantiert. Hinzu kommt der steigende administrative Aufwand. Das schreckt viele Hebammen ab.»

Praktizierende Hebamme

Dass der Bedarf an Hebammen in den letzten zehn Jahren tatsächlich angestiegen ist, zeigt sich auf Anfrage bei zwei Schweizer Spitälern: An einem kantonalen Spital in der Innerschweiz betreute eine Hebamme 2010 durchschnittlich 60.3 Geburten. 2018 ist die Geburtenzahl auf 62.3 gestiegen. Noch stärker ist der Anstieg am Zürcher Unispital (USZ). 2010 kamen auf eine Hebamme 64 Geburten, 2018 waren es bereits 89 Geburten.

Als Universitätsspital hat Zürich die Möglichkeit, Studierende nach deren Abschluss fest anzustellen. Dennoch ist es auch in Zürich nicht einfach, genügend Hebammen zu finden. «Die Rekrutierung unterjährig gestaltet sich schwierig», bestätigt Claudio Jörg, Kommunikationsbeauftragter am USZ.

Grosses Interesse am Job

Doch es ist nicht nur die steigende Anzahl an Geburten, die eine steigende Belastung mit sich bringt. Gemäss Jörg seien die Frauen immer selbstbestimmter und haben präzise Vorstellungen an ihre Geburt. Das bestätigt Gabriele Hasenberg, Co-Leiterin des Bachelor-Studiengangs Hebamme an der ZHAW. «Heutzutage informieren sich die Frauen übers Internet und haben manchmal Erwartungen an ihre Geburt, die nicht erfüllt werden können», erklärt Hasenberg. Hebammen würden gerne auf die individuellen Bedürfnisse der Frauen eingehen, aber es bleibe immer weniger Zeit dafür. «Das führt zu einer grossen körperlichen und psychischen Belastung der Hebammen.»

Die Hebamme Verena Schwander im Gebaerzimmer mit Gebaerbett und Gebaerwanne des Geburtshauses der Maternite Alpine am Donnerstag, 29. Dezember 2016 in Zweisimmen. Das Geburtshaus Maternite Alpine ist ein Ort, wo Kinder in einem geschuetzten und sicheren Rahmen zur Welt kommen koennen. Das Geburtshaus nimmt seinen Betrieb am 1. Januar 2017 auf. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Gebärende Frauen sind selbstbestimmter und haben präzise Vorstellungen an ihre Geburt. Blick in ein Gebärzimmer des Geburtshauses der Maternité Alpine in Zweisimmen. Bild: KEYSTONE

Und dennoch: Die Beliebtheit des Jobs bleibt ungebremst. «Wir haben jährlich dreimal so viele Bewerberinnen wie Studienplätze», so Hasenberg. Auch sie sieht es als Widerspruch, dass es an Hebammen fehlt, obwohl das Interesse am Beruf hoch ist. «Wir bräuchten doppelt so viele Ausbildungsplätze. In einem ersten Schritt wollen wir die Studienplätze von 66 um ungefähr einen Drittel erhöhen, um der Nachfrage gerecht zu werden.»

*Name der Redaktion bekannt

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«Erich Hess, wovor hast du mehr Angst als vor Ausländern?»

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 08.05.2019 22:28
    Highlight Highlight Die bürgerliche Politik versagt völlig, weil das Gesundheitswesen schlicht kein Markt ist. Auf der einen Seite herrscht ein gigantischer Verwaltungsaufwand für die unzähligen Kassen und die mühsamen Wechsel jedes Jahr, auf der anderen Seite gehen die Vergütungen der Spitzenverdiener mit Überschall durch die Decke. Nur bei der Pflege, dem Herzstück der Medizin, wird seit Jahrzehnten gespart. Die Löhne sind mies, die Arbeitszeiten beschissen und die Verantwortung ist extrem hoch.
    Dagegen sorgt das bürokratische Monster Tarmed für volle Taschen bei Ärzten, Therapeuten und Pharmaindustrie
  • NY125 08.05.2019 21:31
    Highlight Highlight Lustigerweise dürfen Männer diesen Beruf nicht ausüben. Gleichberechtigung?
    • El Vals del Obrero 09.05.2019 07:25
    • owlee 09.05.2019 07:43
      Highlight Highlight Lustigerweise stimmt das überhaupt nicht.
    • Astrogator 09.05.2019 07:57
      Highlight Highlight Schwachsinn!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Fajita 08.05.2019 20:35
    Highlight Highlight 1. Danke für den Artikel. Als Hebamme befürworde ich, dass Frauen selbstbestimmt in die Geburt gehen!

    Die teils hohen Ansprüche der Frauen sind bei weitem nicht das Einzige, was uns bei der täglichen Arbeit belastet.
    Was meine Arbeit als Spitalhebamme immer verantwortungsvoller macht, ist die Zunahme an komplexen Fällen. Durch die heutige Medizin nimmt die Anzahl an Frauen mit medizinischen Vorgeschichten und dadurch das Risiko zu Komplikationen zu. Auch diesen Frauen möchten wir eine möglichst komplikationslose Schwangerschaft und Geburt ermöglichen! Dies benötigt hohe fachliche Kompetenz!
  • Dominik Hauser 08.05.2019 20:05
    Highlight Highlight Ich verstehe die Forderung nach mehr Lohn, sie stehen im Vergleich jedoch nicht schlecht da. Bei vergleichbarer "Verantwortung für Menschenleben" verdient eine Pflegefachkraft mit Zusatzausbildung für die Notfallaufnahme nur unwesentlich mehr und die noch viel exponierteren Rettungssanitäter meist sogar einiges weniger. Nur ist deren Lobby halt zu klein...
  • phreko 08.05.2019 19:12
    Highlight Highlight Natürlich ist der Lohn scheisse, wenn die Frauenärztin daneben 500'000.- pro Jahr verdient. Aber dass uns die Gesundheitskosten gerade um die Ohren fliegen ist im Gesundheitswesen auch noch nicht angekommen.

    Im Endeffekt ist aktuell das einzige Problem, dass die Politik kein Geld sprechen will um mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Welche Parteien gerne bei der Bildung sparen ist auch ganz einfach zu eruieren. Dort sind die Schuldigen zu suchen, nirgendwo anders!
    • Team Insomnia 08.05.2019 21:41
      Highlight Highlight 500 Tausend im Jahr? Frauenärztin?
      Können sie bitte eine Quelle nennen woher sie diese Zahl haben?
    • Flying22 09.05.2019 01:37
      Highlight Highlight von der leasingfirma für den aston martin
  • Fairness 08.05.2019 18:37
    Highlight Highlight Es ist querbeet durch einen Grossteil der Unternehmen undIndustrien so.Produktivität je länger je grösser bis zum Umfallen und als Dank stagnierende nd sinkende Löhne. Wehrt euch! Die Politik schläft. Denen geht es ja schliesslich gut mit ihren gut bezahlten Lobbyisten-Ämtli.
  • Heinzbond 08.05.2019 16:54
    Highlight Highlight Auch wenn ich keine hebamme bin, sondern der Einfachheit halber Op pfleger, ich kann es nicht mehr hören das das Personal das teuerste ist.... Und gerade die Pflege, egal welche Sparte, die den Herrschaften Doktoren vor- bei- zu- und nacharbeitet. Wieso muss in einem reichen Staat wie der Schweiz das Gesundheitssystem auf Kosten der beschäftigten kaputt gespart werden. Schaut nach Deutschland, da geht es schon lange der Bach runter und die die Schweiz rennt hinterher.
  • Rhabarber 08.05.2019 16:38
    Highlight Highlight Bedankt euch beim Sozialabbau durch bürgerliche Regierungen.

    Wenn ihr wissen wollt, wie weit das noch gehen wird, guckt nach Österreich. Dort wird immer schlimmer auf dem Rücken der Ärmsten gespart. Wenn ein Freund einem Bedürftigen ein Essen spendiert, wird das bereits von der Unterstützung abgezogen. Gespart wird bei Rentnern, Kranken, Behinderten, Kindern und in der Bildung. Ein Hoch auf Rechts-Regierungen!
  • Holzkopf 08.05.2019 15:52
    Highlight Highlight Verstehe ich das richtig? Das USZ könnte Festanstellungen bieten, will aber nicht: «Die Rekrutierung unterjährig gestaltet sich schwierig»

    Natürlich, Jahresverträge sind bzgl. Arbeitnehmerschutz nämlich total unattraktiv. Bei Krankheit oder Schwangerschaft kann der Arbeitgeber einfach den Vertrag nicht verlängern und ist fein raus.
    Leider braucht es im Gesundheitswesen vielerorts richtig Personalmangel, damit sich endlich die Anstellungsbedingungen verbessern.
    Schade, denn bis dahin ist schon viel Porzellan zerschlagen. Alles kaputtsparen, überall Stellenabbau...ausser in Verwaltungen.
    • Heinzbond 08.05.2019 17:02
      Highlight Highlight Holzkopf, als ehm. Mitarbeiter des usz, das ist so. Aber das usz ist zum Glück eher auf den hinteren Plätzen im ranking bei den gesundheitsberufen. Und das hat viele, in der "Branche" bekannte Gründe.
    • SJ_California 08.05.2019 18:08
      Highlight Highlight Ich verstehe das so, dass die Abgänger halt nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr verfügbar werden für einen 100% Job (nämlich nach dem Abschluss)
    • Garp 08.05.2019 18:13
      Highlight Highlight Unterjährig bedeutet unter dem Jahr. ich interpretiere das eher so, wenn keine Neuabschlüsserinnen eine Stelle suchen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nkoch 08.05.2019 15:46
    Highlight Highlight Nennt mich von mir aus Neider, aber bei 6000 und mehr im Monat mangelts mir ein bisschen an Verständnis... wenn überhaupt verdienen andere viel zu viel.
    • Scaros_2 08.05.2019 20:42
      Highlight Highlight Darüber kann man streiten

      Aber ist halt so

      Ich: In der IT tätig - Je nach Bonus ein Einkommen bei 4 resp. 5 stelliger Zahl

      Sie: nicht mal im Ansatz daran

      Unterschied: Verantwortung über paar Programme wo man kaum was falsch machen kann mit geregelten Arbeitszeiten inkl. reisetätigkeit und homeoffice (wo man chillet) (überspitzt)

      Sie: Verantwortung über 1-2 leben oder sogar mehr. überstunden, mehrarbeiten, diverse schichten etc. - Hohe körperliche belastung.

      Ist nicht ganz so lukrativ irgendwie aus meiner sicht.

      Aber meine Löhne sind halt höher, weil ist so.
    • Holzkopf 08.05.2019 23:58
      Highlight Highlight >6000 bezieht sich auf die Leiterin, d.h. eine Kaderfunktion.
    • Heinzbond 09.05.2019 06:48
      Highlight Highlight Was bei den 6000 nicht dabei steht ist der Schicht, wochenends und feiertagsdienst. Das kurzfristige einspringen wenn mal wieder grippewelle ist. Das manchmal Gewöhnungs bedürftige Verhalten von Ärzten, Kollegen und auch Patienten.
      Klar für nen 9/5 Job in der Bank klingen 6000 okay.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sarkasmusdetektor 08.05.2019 15:18
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