Ameti bestellt die Schweizer Medienlandschaft zu einem Stuhl – dort liegt dieser Zettel
Die öffentliche Empörung war gross, nachdem die damalige GLP-Politikerin Sanija Ameti im September 2024 auf ein Bild von Jesus und Maria geschossen und die Aktion auf Instagram gepostet hatte. Anderthalb Jahre später musste sich Ameti dafür nun auch vor Gericht verantworten.
Das Zürcher Bezirksgericht hat Ameti am Mittwoch schuldig gesprochen. Sie erhielt eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken.
Ameti, die nach dem Shitstorm um die Schüsse auf das Jesus-Bild aus ihrer Partei ausgetreten war, hatte für den Mittwochnachmittag eine Rede auf dem Zürcher Heimplatz angekündigt.
Die informierten Medien fanden dort allerdings keine Ameti vor, sondern nur einen Stuhl, daneben ein Teller mit Würsten und ein Schild mit der Aufschrift «Würste für die Freiheit». Auf dem Stuhl: die angekündigte «Rede».
Kritik an der Öffentlichkeit
In dieser «Rede» richtet sich Ameti anklagend an die Öffentlichkeit. Sie kritisiert darin, dass das öffentliche Interesse insbesondere ihrer Person gelte. Dies unterstrich sie mit den häufigsten Google-Suchen in Zusammenhang mit ihrer Person.
Sie wolle diese Fragen ein für alle Mal beantworten, hiess es weiter – nicht ohne eine Spur bitteren Sarkasmus.
In der weiteren Rede ging Ameti darauf ein, dass sie aufgrund dieser drei Aspekte mit einer anderen Strenge «beschämt» worden sei für ihr Fehlverhalten.
Ihr Fall sei nicht nur persönlich, schreibt Ameti weiter – an ihr sei auch immer ein Exempel statuiert worden, um Menschen mit ähnlichen Attributen «von der Teilhabe an der Öffentlichkeit abzuschrecken und auszuschliessen».
Ameti findet in ihrer «Heimplatzrede» klare Worte: Sie wolle nicht mehr so tun, als wäre sie gleich frei wie andere Menschen in der Schweiz. Die einzige Möglichkeit sei der «Tod der öffentlichen Figur», schreibt Ameti:
Am Tisch sei nie ein Platz für sie vorgesehen gewesen, schreibt Ameti. Nun sei sie befreit von der Maske, die die Öffentlichkeit ihr auferlegt habe. Der Stuhl bleibe darum frei.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl Ameti als auch die Staatsanwaltschaft können es ans Obergericht weiterziehen, schreibt die Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
An der Sitzung des Stadtparlaments am Abend traf die parteilose Politikerin dann doch noch ein. Rund zwei Stunden nach Beginn setzte sie sich an ihren Platz vor der AL. Diesen hatte sie nach dem Austritt aus der GLP eingenommen. Diverse Politikerinnen und Politiker der linken AL unterhielten sich sogleich mit Ameti.
«Heimplatzrede» von Sanija Ameti
(hah)
