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Frappés könne man ohne Strohhalm trinken, so das Credo von Violaine Blétry-de Montmollin (links) und Leïla Rölli von der Vereinigung «En Vert Et Contre Tout».
Frappés könne man ohne Strohhalm trinken, so das Credo von Violaine Blétry-de Montmollin (links) und Leïla Rölli von der Vereinigung «En Vert Et Contre Tout».
bild: zvg
Interview

Neuenburg verbietet Röhrli – Wie trinke ich jetzt den Mojito, Frau Blétry-de Montmollin?

Neuenburg verbietet als erste Schweizer Stadt Trinkhalme aus Plastik. Gemeinderätin Violaine Blétry-de Montmollin sagt, warum das Verbot von mehr als nur Symbolpolitik zeugt. 
23.05.2018, 12:0014.11.2018, 22:08

Neuenburg verbietet ab 2019 als erste Schweizer Stadt Trinkhalme aus Plastik. Die Restaurants werden Sirups, Frappés und Cocktails künftig mit abwaschbaren oder kompostierbaren Röhrchen aus Stahl, Bambus oder Papier servieren – oder das Röhrli ganz weglassen. Die Neuenburger FDP-Gemeinderätin Violaine Blétry-de Montmollin war massgebend an der Planung des neuen Gesetzes beteiligt. 

Frau Blétry-de Montmollin, haben Sie etwas gegen Trinkhalme?
Violaine Blétry-de Montmollin: (lacht) Nein. Ich habe aber etwas gegen Umweltverschmutzung. Weggeworfene Plastik-Trinkhalme gehören zu den häufigsten Abfällen, die am Boden und im Wasser gefunden werden. Das sehen wir auch bei uns im Neuenburgersee. Deshalb ist es für uns wichtig, etwas dagegen zu unternehmen.

Plastikhalme sind winzig klein, gewisse Verpackungen haben wohl einen weit schädlicheren Einfluss auf die Umwelt. Ist das Verbot nicht reine Symbolpolitik? 
Trinkhalme sind jedem ein Begriff – ob jung oder alt. Ein solches Verbot ruft die Problematik somit einer grossen Anzahl Menschen ins Bewusstsein. Das ist nicht zu unterschätzen.

Aber gibt es auch konkretere Anhaltspunkte? Wie viel Plastik gedenken Sie durch das Verbot einzusparen? 
Die öffentlichen Lokale in der Stadt Neuenburg verbrauchten im Jahr bisher rund zwei Millionen Plastik-Trinkhalme. Diese Zahl wird ab 2019 nun drastisch sinken. Ausserdem gehen wir davon aus, dass das Verbot eine abschreckende Wirkung haben wird und die Leute auch privat immer weniger Plastik-Trinkhalme kaufen werden. 

Das Projekt ist im April von der Vereinigung «En Vert et contre tout» für die ganze Romandie lanciert worden. War es schwierig, die Stadtregierung vom Verbot zu überzeugen?
Nein. Für die Stadt Neuenburg stand eine nachhaltige Entwicklung schon immer im Fokus. Nach der Lancierung des Projekts von «En Vert et contre tout» haben sich zahlreiche Neuenburger Lokale entschieden mitzuziehen. Dieses positive Echo hat die Stadtregierung schliesslich überzeugt, den Schritt zu machen und die Plastik-Trinkhalme in allen öffentlichen Lokalen zu verbieten. Übrigens steht auch der Neuenburger Gastgewerbeverband für Hotellerie und Restauration hinter dem Verbot.

Heisst das, in Neuenburg kann man jetzt keinen Mojito mit Trinkhalm mehr schlürfen?
Doch, natürlich. Für gewisse Cocktails oder Frappés werden die Lokale weiterhin Strohhalme anbieten. Nur werden diese kompostierbar sein. Um die Restaurants und Bistros auf den Übergang vorzubereiten, haben wir eine Ansporn- und Sensibilisierungskampagne lanciert. Die öffentlichen Lokale können gratis ein Set von 400 kompostierbaren Trinkhalmen bestellen. Ausserdem erhalten sie Plakate und Aufkleber, um ihre Kunden zu informieren und zu sensibilisieren.

«Ich hoffe, dass Mc Donald's das Verbot zum Anlass nimmt, um schweizweit auf abbaubare Lösungen umzusteigen.»

Denken Sie, es folgen nun weitere Schweizer Städte Ihrem Beispiel?
Es wäre natürlich schön, wenn wir hier eine Vorbildrolle einnehmen könnten. Jedenfalls haben mich bereits mehrere Neuenburger Gemeinden kontaktiert und mich um Tipps gebeten, wie sie ein solches Verbot auch bei ihnen umsetzten könnten. In unserer Stadt gibt es ausserdem zwei Mc Donald's. Diese sind vom Verbot natürlich auch betroffen. Es liegt aber in der Verantwortung von Mc Donald's Schweiz, sich um entsprechende Alternativen zu kümmern. Ich hoffe, dass das Unternehmen dies zum Anlass nimmt, um schweizweit auf abbaubare Lösungen umzusteigen. In Grossbritanien tut dies die Fast-Food-Kette ja schon. Seit diesem Monat gibt es dort in zahlreichen Filialen nur noch Röhrchen aus Papier.  

Die Schweiz benötigt täglich 67 Tonnen Papier für Pappbecher

Video: srf

Plastikmüll im Meer

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