Schweiz
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Jonas Fricker, jetziger Praesident Gruene Aargau, spricht anlaesslich der Nominationsveranstaltung der Gruenen zu den Nationalratswahlen 2015 vom 18. Oktober, am Dienstag, 31. Maerz 2015, im Bullingerhaus in Aarau. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Gab am Samstag seinen Rücktritt bekannt: Nationalrat Jonas Fricker (Grüne/AG). Bild: KEYSTONE

Interview

Experte: «In der Krisenkommunikation hat Fricker alles richtig gemacht»

Der Grüne Jonas Fricker zieht die Konsequenzen aus seinem geschmacklosen Vergleich: Der Nationalrat ist zurückgetreten. Dabei machte er laut Kommunikationsprofi Walter Stüdeli nach seinem Fehltritt alles richtig. Trotzdem gebe es für ihn keine Zukunft in der Politik. 



Herr Stüdeli, nachdem er Schweinetransporte mit den Deportation von Juden in die Konzentrationslager verglichen hatte, ist Nationalrat Jonas Fricker zurückgetreten. War das unausweichlich?
Walter Stüdeli:
Frickers Aussage war völlig inakzeptabel. Aus Sicht der Krisenkommunikation ist es fraglich, ob da noch ein Ausweg am Rücktritt vorbei führt. So etwas bleibt vermutlich für immer haften.

Wie bewerten sie Frickers Kommunikation im Nachgang zu seinen Äusserungen?
Bezüglich Krisenkommunikation hat Fricker alles richtig gemacht. Er hat sich sofort bei den Betroffenen entschuldigt. Es gab kein Lavieren, kein Zuwarten. Fricker ist von sich aus auf den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) zugegangen, der seine Entschuldigung angenommen hat. Die Message ist in der Öffentlichkeit angekommen: Fricker tun seine Worte aufrichtig leid.

Bild

Walter Stüdeli ist Kommunikationsexperte und Politikberater in Bern. Bild: zVg

In seiner Entschuldigung vor dem Rat, ebenso wie in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung»  sprach Fricker davon, dass er schlicht naiv gewesen sei. Eine glaubwürdige Erklärung?
Für eine Person, die in der Öffentlichkeit steht und immerhin seit zwei Jahren im Nationalrat sitzt und davor in der kantonalen Politik aktiv, ist diese Aussage erstaunlich. Zwar ist es möglich, dass Fricker schlicht naiv war und nicht begriffen hat, welche Wirkung sein Vergleich entfalten würde. Doch für einen Politiker in seiner Position ist das keine ausreichende Erklärung – er hätte die Brisanz seiner Aussage voraussehen müssen.

Jonas Frickers Entschuldigung im Nationalrat im Video

abspielen

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Seine Fraktion distanzierte sich umgehend von Frickers Aussagen und der Präsident der Grünen Aargau liess Fricker wissen, dass ein Rücktritt die beste Lösung sei. Hat Fricker in der Kommunikation mit der eigenen Partei etwas falsch gemacht?
Das ist von aussen unmöglich zu beurteilen. Aus Kommunikationssicht haben die Grünen korrekt gehandelt. Die sofortige Distanzierung von Frickers inakzeptablen Aussage war richtig.

Teilweise wird der Partei jetzt der Vorwurf gemacht, ihren Nationalrat fallen gelassen zu haben.
Für eine Organisation stellt sich bei einer solch inakzeptablen Äusserung ja immer die Frage: Können wir ihm weiterhin den Rücken stärken? Wie Fricker selber ist wohl auch die Partei zum Schluss gekommen, dass nur mit einem Rücktritt ein Schlussstrich gezogen werden kann.

Ermöglicht dieser Schlussstrich Fricker in einigen Jahren ein politisches Comeback?
Ein Comeback erscheint mir unwahrscheinlich. Dieser inakzeptable Vergleich bleibt an ihm haften. Ich habe Zweifel, dass die Partei ihn erneut aufstellen und die Bevölkerung ihn wieder wählen wird. Es wäre wohl besser, wenn Fricker das Kapitel Politik beendet. Der Anstand erfordert, dass man Fricker nun in Ruhe lässt. Er hat sich entschuldigt, diese wurde angenommen und er ist zurückgetreten. Mehr kann er nicht tun. Er soll sich nun in aller Ruhe um eine neue Aufgabe kümmern können.

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    Alle Leser-Kommentare
  • slick 03.10.2017 10:46
    Highlight Highlight Ich verstehe immer noch nicht, was an der Aussage so schlimm war. Sie stimmt doch. Verstehe auch nicht, woher sich der Mensch das Recht nimmt Tiere systematisch zu töten. Entweder sollte man kein Fleisch und Fisch mehr konsumieren oder aber dann sollte man nicht mehr so heuchlerisch das menschliche Leben hochhalten. Verstehe nicht wieso die Gesellschaft so klar zwischen Mensch und Tier trennt? Wegen der Intelligenz? Ist es also auch weniger schlimm, wenn ich einen dummen Menschen töte, als einen gescheiten?
  • Madison Pierce 03.10.2017 08:05
    Highlight Highlight Zum Glück entscheidet nicht ein Kommunikationsexperte darüber, was an wem haften bleibt, sondern die Wähler. Ich hoffe auf ein Comeback von Fricker in einer anderen Partei.

    Die Grünen im Aargau werde ich nicht mehr wählen. Man geht nicht so schäbig mit verdienten Parteikollegen um. Dass jetzt Irène Kälin nachrücken konnte, welche von Platz 1 der Liste im 2015 nicht gewählt worden war, gibt der Sache ein Gschmäckle. Zumal ihr Lebensgefährte bei Ringier arbeitet, von wo aus die Kampagne massgeblich gefahren wurde.
  • Saraina 03.10.2017 00:00
    Highlight Highlight Ich würde ihn jederzeit wählen. Der Mann hat sich daneben benommen, es eingesehen und das Füdli gehabt sich zu entschuldigen. Da weiss man wenigstens Bescheid, mit wem man es zu tun hat. Es schwirren ganz andere Charakterlumpen durch sämtliche Farben des Politspektrums.
    • dan2016 03.10.2017 05:26
      Highlight Highlight Ich sehe es gleich.
  • T0815 02.10.2017 23:19
    Highlight Highlight Das ist Politik. Er hat einen Fehler gemacht, sich entschuldigt und ist zurück getreten. Fricker ist gestraft genug, die Presse sollte in nun in Ruhe lassen.

    Wer hier aber ernsthaft fragt, was an dem Vergleich nicht akzeptabel war, hat entweder kein Feingefühl und Anstand, oder hatte in Geschichte einen Fensterplatz.
    • rauchzeichen 03.10.2017 15:46
      Highlight Highlight falsch. je nach perspektive und eigenem moralischer hierarchie. für dich ist sie inakzeptabel, ich finde sie grenzwertig, aber für das was er anscheinend meinte, zutreffend. die transportbedingungen der tiere ist schlecht, was er mit einem bild unterstreicht, das jeder kennt, der keinen fensterplatz hatte. was für einen juden beleidigend daran sein sollte, da könntest du mich vielleicht aufklären? die transporte sind objektiv gesehen tatsächlich vergleichbar. um die gehts im vergleich, nicht das transportierte lebewesen

      feingefühl und anstand sind zudem subjektiv.

  • Telomerase 02.10.2017 23:14
    Highlight Highlight Wenn Fricker bei der nächsten Wahl kein Comeback gibt, fress ich einen Besen.
  • Snowy 02.10.2017 20:58
    Highlight Highlight Was ist eigentlich genau "absolut nicht akzeptabel" an Frickers Aussage?

    Der Mann hat sich von seiner wahrlich selten dämlichen und deplatzierten Aussage glaubhaft entschuldigt.

    Aber war sein Vergleich wirklich so wahnsinnig krass? In Zeiten wo SVP Nationalräte mit "dieses Pack (gemeint sind kriminelle Albaner) wollen wir hier nicht" zitiert werden... und natürlich weiterhin im Amt sind und genau deswegen gewählt werden.

    Ein Schwein ist von seinem Empfinden her etwa mit dem Verstand eines 4-jährigen Menschen zu vergleichen. Die Tiere sind sehr intelligent...
    • Palatino 02.10.2017 22:17
      Highlight Highlight Das Inakzeptable war nicht der Vergleich. Auch wenn Christoph Bernet mit seiner Einstiegsfrage drauf lossteuert. Was nicht hinzunehmen war, ist die Unterstellung von Fricker, dass die Opfer der Vernichtungsmaschinerie in irgendeiner Weise ihr Schicksal hätten beeinflussen können. Es gab keine Möglichkeiten und ein Überleben hing ausschliesslich von äusseren Faktoren, etwa dem Kriegsende ab. Also: nicht der Vergleich ist das Problem, sondern die falsche und verharmlosende Darstellung der Fakten.
    • Roterriese #DefendEurope 02.10.2017 22:36
      Highlight Highlight "dieses Pack (gemeint sind kriminelle Albaner) wollen wir hier nicht"

      Du willst also Kriminelle?
    • Nausicaä 03.10.2017 08:51
      Highlight Highlight Ich finde den Vergleich nicht so abwegig. Die deportierten Juden, wie auch die Schweine (wenn man weiss, was mit ihnen explizit geschieht, was diese intelligenten und sozialen Tiere alles erleiden müssen, bevor man sie schlussendlich abmurkst) erfu/ahren eine absolute Entwertung.

      Das Problem ist, es gibt Menschen, die den Holocaust verleugnen oder verharmlosen und es gibt zuhauf Menschen, die nicht wahrhaben wollen, dass Mensch und Tier sich ähnlicher sind, als sie glauben wollen, ja, dass der Mensch eben nur das intelligenteste Tier ist.

      Für diese Umstände muss Fricker nun büssen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Spooky 02.10.2017 20:43
    Highlight Highlight Ungefähr 30 Parlamentarier waren noch im Saal, als Jonas Fricker seine Rede hielt. Nur einem einzigen von ihnen ging der Vergleich von Jonas Fricker gegen den Strich. Dank dem BLICK und den Grünen wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht.

    Was für ein Interesse hatte der BLICK und die Grünen, Jonas Fricker in die Wüste zu schicken?
    • Buda 02.10.2017 22:39
      Highlight Highlight Der Mann von Irene Kälin, welche nachrutscht für Fricker, ist Chefredaktor oder so beim Blick...
    • Telomerase 02.10.2017 23:13
      Highlight Highlight Ich glaubs kaum, Buda hat vollkommen recht!

      Werner de Schepper, der Lebensgefährte von Kälin, ex-Blickchefredaktor und jetzt Schweizer Illustrierten Chefredaktor beim gleichen Verlag.

      Interessanter Artikel von 2015 von der Konkurrenz:
      https://blog.tagesanzeiger.ch/offtherecord/index.php/33688/schwer-verliebt-auf-twitter/
    • Spooky 03.10.2017 00:38
      Highlight Highlight @Buda
      Ach so! Jetzt macht alles Sinn.
    Weitere Antworten anzeigen
  • oliversum 02.10.2017 20:39
    Highlight Highlight ...und wenn ein SVPler antisemitische Sprüche klopft ist es für alle in Ordnung. Traurige Welt.
    • Roterriese #DefendEurope 02.10.2017 22:37
      Highlight Highlight Antisemitismus ist eher was für Linke, oder nenn mir eine antisemitische Aussage der SVP in den letzten 10 Jahren.
    • diff 02.10.2017 22:44
      Highlight Highlight Da wurde doch einer mal wegen eines Kristallnachts Tweets verurteilt...
  • Spooky 02.10.2017 20:20
    Highlight Highlight Wer Parteifreunde hat wie Jonas Fricker, der braucht keine Feinde.

Streit um einen Fragebogen – hat die Operation Libero «Kandidaten gekauft»?

Die «Wochenzeitung» zitiert aus einem vertraulichen Papier der Operation Libero. Das Dokument soll angeblich aufzeigen, wie sich die Organisation im Gegenzug für eine 1,5 Millionen Franken schwere Wahlkampagne Kandidaten für ihre politischen Ziele einspannt. Die Liberos wehren sich gegen die Vorwürfe.

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