Schweiz
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In den USA boomt der Leihmutter-Tourismus (Symbolbild). bild: shutterstock.com

Interview

«Eine Leihmutterschaft wäre in der Schweiz zu teuer»

Zwei schwule CVP-Politiker aus Zürich haben gemeinsam ein Baby, das von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde. Immer mehr Schweizer Paare erfüllen sich ihren Kinderwunsch auf diesem Weg. Die spezialisierte Anwältin Karin Hochl sagt im Interview, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind.



Frau Hochl, ein schwules CVP-Paar hat ein Töchterchen, das von einer Leihmutter geboren wurde. Überrascht es Sie, dass die beiden Männer so selbstverständlich dazu stehen?
Karin Hochl:
Das Thema Leihmutterschaft ist sicher weniger tabuisiert als noch vor einigen Jahren. In jüngster Zeit haben einige Schweizer Männerpaare öffentlich darüber gesprochen, wie sie Väter eines Leihmutter-Babys wurden. Dass nun auch ein prominentes Paar aus einer christlichen Partei offen dazu steht, zeigt, dass sich der Trend zur gesellschaftlichen Öffnung fortsetzt.

Sie sind als Anwältin auf die Vertretung solcher Paare spezialisiert. Von wie vielen Fällen pro Jahr sprechen wir?
Wir bekommen pro Woche ein bis zwei Anfragen, Tendenz steigend. Wie viele Schweizer Paare jährlich insgesamt ins Ausland reisen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen, weiss niemand. Ich gehe davon aus, dass es inzwischen sicher über hundert sind. Darunter sind nicht nur schwule Männer, sondern auch viele heterosexuelle Paare, die aus biologischen Gründen keine eigenen Kinder haben können.

Karin Hochl Rechtsanwältin Leihmutterschaft Leihmutter Stiefkindadoption

Karin Hochl ist als Rechtsanwältin auf Fragen rund um Leihmutterschaft und Fortpflanzungsmedizin spezialisiert. bild: zvg

In der Schweiz ist Leihmutterschaft verboten. Müssen Paare, die mit einem Baby aus dem Ausland zurückkommen, mit Schwierigkeiten rechnen?
Unter Umständen ist das Kind papierlos und hat Schwierigkeiten in die Schweiz einzureisen. Die Hauptfrage ist, ob die Schweiz die sogenannten Wunscheltern als rechtliche Eltern anerkennt. Laut Bundesgericht wird bei Leihmutterschafts-Babys aus dem Ausland jeweils nur der genetische Elternteil rechtlich anerkannt, dabei macht das Gericht keinen Unterschied zwischen verschieden- und gleichgeschlechtlichen Paaren. Ein Elternteil, der mit dem Baby nicht genetisch verwandt ist, hat keine Rechte. Bislang konnten gleichgeschlechtliche Partner das Kind auch nicht adoptieren.

Doch das ändert sich nächstes Jahr, wenn die Stiefkindadoption in der Schweiz Homosexuellen in eingetragener Partnerschaft erlaubt wird.
Ja, der zweite Vater kann dann das genetische Kind seines Partners adoptieren. Damit sind dann beide Männer offiziell als Väter ihres Leihmutter-Kinds anerkannt. Heterosexuelle Paare, die ein Leihmutter-Baby haben, können heute schon den Adoptionsweg beschreiten – allerdings erst nach einem Jahr. Trennt sich das Paar vorher, oder sind die Eltern zu alt, um adoptieren zu dürfen, bleibt es bei einer «Einelternschaft». Dem Kind bleibt dann das Recht, ab Geburt zwei Eltern zu haben, verwehrt. Das kritisiere ich.

Eine Leihmutter, eine Eizellspenderin, ein genetischer Vater

Bei einer Leihmutterschaft trägt eine Frau ein Kind aus, das genetisch nicht mit ihr verwandt ist. Eine Eizelle von einer Spenderin wird mit den Spermien eines Mannes befruchtet und dann der Leihmutter eingesetzt. Bei homosexuellen Männer-Paaren, die sich auf diesem Weg den Kinderwunsch erfüllen, ist also in der Regel einer der beiden der genetische Vater des Babys. Der andere ist biologisch nicht mit dem Kind verwandt.

Wäre es nicht auch widersprüchlich, wenn sich Paare in der Schweiz anstandslos als Eltern eines Leihmutter-Babys registrieren könnten, obwohl die Praxis hierzulande verboten ist?
Diese Kinder existieren, daran ändert eine Gerichtspraxis nichts. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass sie rechtlich abgesichert sind. Auch das Bundesgericht kam zum Schluss, dass es im Interesse des Kindes wäre, zwei anerkannte Elternteile zu haben. Allerdings gewichteten es die Lausanner Richter höher, das Verhalten der Eltern zu missbilligen. Es ging ihnen darum, mit ihrem Urteil Nachahmer abzuschrecken, da die Leihmutterschaft in der Schweiz verboten ist.

Es gibt Bestrebungen, die Leihmutterschaft im Inland zu legalisieren. Dafür sprach sich 2013 sogar die nationale Ethikkommission aus. Was halten Sie davon?
Aus meiner Sicht steht diese Frage derzeit nicht im Vordergrund. Wichtiger ist es, die Anerkennung der Leihmutter-Babys aus dem Ausland zu regeln. Zudem wäre eine Leihmutterschaft in der Schweiz wohl zu teuer.

Umfrage

Was halten Sie von Leihmutterschaft?

  • Abstimmen

441

  • Schön, wenn Paare auf diesem Weg zu einem Baby kommen.33%
  • Ich befürworte sie nur, wenn die Leihmutter rechtlich gut abgesichert ist.34%
  • Ich finde diese Dienstleistung aus moralischer Sicht problematisch.33%

Was kostet denn ein Baby von einer Leihmutter aus dem Ausland?
Das kommt ganz auf das Land an: In den USA ist die Leihmutterschaft gut reglementiert, die Standards sind hoch. Sowohl die Leihmutter als auch die Wunscheltern sind vertraglich abgesichert. Es ist etwa geregelt, was passiert, wenn das Kind behindert ist oder zusätzliche medizinische Versorgung benötigt. Dort kostet der ganze Prozess sicher 100’000 bis 180‘000 Franken. In der Ukraine sind Leihmutterschaften billiger – allerdings sind die Player auch weniger seriös.

Was kann bei einer ukrainischen Leihmutterschaft schief gehen?
Unter Umständen darf ein Schweizer Paar, das sein Leihmutter-Baby in der Ukraine abholt, monatelang nicht ausreisen, weil die Papiere für das Kind fehlen. Auch die Leihmütter sind schlecht geschützt: niemand garantiert ihnen, dass sie finanziell abgesichert sind, wenn es medizinische Probleme gibt. Oder dass ein Paar das Kind am Ende wirklich abholt, falls es beispielsweise behindert ist.

Ganz grundsätzlich: Haben Sie persönlich keine moralischen Bedenken?
Ich bin Anwältin. Es geht mir darum, eine rechtliche Lösung für Familienkonstellationen zu suchen, die bereits bestehen. Ich mache aber sicher keine Werbung für die Leihmutterschaft. In der gesamten Fortpflanzungsmedizin stellen sich schwierige moralische Fragen: Was, wenn die Wunscheltern bereits über 60 Jahre alt sind? Oder wenn sie ein Baby eines bestimmten Geschlechts wollen?

Und dass Frauen gegen Bezahlung ein Kind austragen und es nachher nie wieder sehen – scheint Ihnen dieses Prinzip nicht problematisch?
Wir leben in einer hochkommerzialisierten Gesellschaft. Prostitution ist erlaubt, es gibt alle möglichen Dienstleistungen gegen Geld zu kaufen. Leihmutterschaft ist eine von unserer technologisierten Gesellschaft hervorgebrachte Entwicklung, die nicht gestoppt werden kann. Dass sich Frauen entscheiden, gegen Geld ein Kind zur Welt zu bringen – das genetisch im übrigen nicht mit ihnen verwandt ist – finde ich nicht per se unethisch. Wichtig erscheint mir, dass die Frauen dies aus eigenem Antrieb tun, ihre Rechte schützt sind und sie ein angemessenes Entgelt erhalten.

So reagierten die CVP-Kollegen auf das Leihmutter-Baby von Markus Hungerbühler und seinem Partner

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • chaetodon 06.09.2017 10:00
    Highlight Highlight „Ein deutsches Ehepaar, das in den USA eine Leihmutter für die Austragung von Zwillingen bezahlt hat, wird in Deutschland nicht als rechtliches Elternpaar anerkannt.“
    http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/unternehmen-vertrag-ueber-leihmutterschaft-verstoesst-gegen-deutsches-recht_id_6994505.html#
    Genau aus dem Grund, dass die Leihmutter in den USA viel zu viel Rechte hat, trafen wir eine Entscheidung für die Behandlung in der Ukraine. In Fragen der Leihmutterschaft geht ukrainisches Gesetz den Eltern entgegen.
  • Anna Moritz 27.07.2017 11:45
    Highlight Highlight Auch wenn einmal in der Schweiz die Leihmutterschaft erlaubt wird, kann ich mich nicht vorstellen, wie viel es kosten wird. Wahrscheinlich zwei Mal mehr als in den USA. Ich denke es ist viel besser und billiger in den Ländern zu fahren, wie Ukraine oder Tschechien. Meine Freundin erzählte, dass die Medizin dort auf gutem Niveau ist. Und auch die Preise sind erschwinglich im Vergleich zu anderen Ländern, in denen solches Verfahren erlaubt ist.
  • Jessica78 18.07.2017 09:33
    Highlight Highlight Ich verstehe nicht, warum fast alle denken, dass Leihmutterschaft ein Menschenhandel ist. Das Ehepaar bezahlt dafür, dass die Leihmutter das KInd nur austragen kann. Das ist nicht ihr Kind. Und sie entscheidet sich dafür selbst. Sie hilft dem Ehepaar ednlich das Wunschkind zu bekommen.
  • Yippie 13.07.2017 11:38
    Highlight Highlight Klar ist Frau Hochl nicht daran interessiert, dass die Leihmutterschaft in der Schweiz legalisiert wird. Das würde ja ihr Geschäftsmodell zerstören.

    Weshalb eine legalisierte Leihmutterschaft in der CH so viel teurer sein sollte als in den USA ist ebenfalls fraglich, fällt doch ein erheblicher administrativer Aufwand weg durch eine Legalisierung.
    • Maracuja 13.07.2017 12:50
      Highlight Highlight Leihmutterschaft dürfte in der Schweiz vermutlich schon teurer sein, weil die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten nicht so weit fortgeschritten ist wie in den USA.
  • Michael Heldner 13.07.2017 10:52
    Highlight Highlight Ich verstehe eins nicht, ich verbiete keinem sein Kinderglück. Aber biologisch und anatomisch sind nunmal homosexuelle Paare nicht in der Lage sich klassisch fortzupflanzen, andererseits gibt es so viele Kinder in Jugendheimen und babyklappen. Sollte man nicht lieber adoptieren als der Biologie zu trotzen? Menschen gibts eh schon zu viele auf der Welt, dann doch immerhin lieber schauen, dass die Waisen Eltern bekommen als noch eins dank moderner Wissenschaft in die Welt zwingen (das gleiche gilt für die egoistischen Frauen wo nach der Menopause unbedingt ein Baby brauchen um sich jung zu fühle
    • Xenarip 13.07.2017 12:32
      Highlight Highlight Natürlich wäre Adoption eine Lösung, wenn dies legal wäre für ein homosexuelles Paar...
    • Lami23 13.07.2017 13:25
      Highlight Highlight Du bist ja ein ganz schlauer. Was nichts nützt, da es nicht legal ist.

Helis fliegen tonnenweise Schnee in Skigebiete – auch in der Schweiz

Um den Skibetrieb trotz der viel zu warmen Temperaturen zu retten, hat ein französisches Ski-Resort kurzerhand 50 Tonnen Schnee eingeflogen. Die umweltschädliche Methode kommt auch in der Schweiz zum Einsatz. Umweltschützer sind empört.

Es sind bizarre Bilder, die uns aus der Skistation Luchon-Superbagnères in den Pyrenäen erreichen. Ein Helikopter fliegt als Unterlast eine Ladung Schnee auf einen Berggipfel. Die Skifahrer schauen mit grossen Augen zu, wie die weisse Pracht angeflogen kommt. Im Hintergrund sind grasgrüne Bergketten zu sehen. Am vergangen Wochenende transportierten die Helis total 50 Tonnen Schnee in das vom Schneemangel geplagte Skigebiet.

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