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Interview

Sarah Akanji ist erst 25 Jahre alt – und sorgt für Sensation in Winterthur

Die 25-jährige Sarah Akanji überflügelte bei den Kantonsratswahlen in Winterthur alle. Wie sie vom Resultat erfuhr und ob ihr Bruder ihr bereits gratulierte, erzählt sie im Interview.



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Wurde mit einem Glanzresultat in den Zürcher Kantonsrat gewählt: Sarah Akanji. bild: instagram/akanjisa

Die Wahlen im Kanton Zürich haben viele Geschichten geschrieben. Die wahrscheinlich grösste Überraschung gelang Martin Neukom. Der Grüne schaffte es als Aussenseiter bei den Regierungsratswahlen auf den sechsten Rang und sorgte dafür, dass die FDP überraschend ihren Sitz in der Kantonsregierung verlor. Dementsprechend gross war der Rummel um den 32-jährigen Newcomer am Sonntagabend.

Eine weitere, aber kaum weniger sensationelle Geschichte ereignete sich in Winterthur. In der zweitgrössten Stadt des Kantons erzielte die erst 25-jährige Sarah Akanji mit Abstand das beste Ergebnis bei den Kantonsratswahlen. Landesweit bekannt ist bis jetzt erst ihr kleiner Bruder, der Nati-Fussballer Manuel Akanji. Doch das dürfte sich nun ändern, denn ihr Wahlresultat war überragend.

Die SP-Politikerin erhielt 8557 Stimmen und damit über 1100 Stimmen mehr als Co-Präsident der Kantonalpartei Andreas Daurù. Der beste bürgerliche Kandidat, Franco Albanese von der SVP, machte gar fast 3000 Stimmen weniger als Akanji.

Frau Akanji, wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Akanji: Ich war ehrlich gesagt sehr überrascht über das Resultat. Die Leute finden offenbar, dass ich Politik mache, die den Kanton weiterbringt. Ich glaube, ich konnte die Wähler bei ihren politischen Anliegen packen.

Wie haben Sie vom Resultat erfahren?
Ich hatte einen Fussballmatch von 14 bis 16 Uhr. Meine Familie und mein Freund waren am Spiel und haben die Wahlresultate die ganze Zeit mitverfolgt und mich informiert, als ich nach dem Match aus der Garderobe kam. Da war die Wahl in den Kantonsrat schon so gut wie sicher.

Den Match haben Sie auch gewonnen?
Ja, 3:1. Es war der Rückrundenstart.

Sie haben ja die Frauenmannschaft des FC Winterthur vor vier Jahren gegründet, weil der Verein bis zu diesem Zeitpunkt nur auf Männerfussball setzte. Läuft es gut mit dem Team?
Wir sind ein Team von sehr starken Frauen, die weiter kommen wollen und sich super entwickelt haben in den vergangenen Jahren. Gestern hatten wir alle so Freude, dass die Saison wieder losgeht – und dann haben wir auch noch einen Riesenmatch gemacht.

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Sarah Akanji spielt in der 1. Liga für den FC Winterthur. bild: instagram/akanjisa

Dann war gestern so etwas wie der schönste Tag ihres Lebens?
Haha. Ja, ich würde jetzt vielleicht nicht sagen DER schönste. Aber er gehört definitiv zu denen.

Danach wurde gefeiert?
Ja, zuerst habe ich mit meiner Familie angestossen. Dann ging ich zur SP-Wahlfeier in Zürich.

«Ich werde diesen jungen Leuten eine Stimme geben im Kantonsrat.»

Wurde es spät?
Der letzte Zug fuhr ja schon um 00.15 Uhr ... Aber ja, ich war so aufgewühlt, dass ich nicht wirklich gut schlafen konnte.

Los geht es im Kantonsrat am 6. Mai. Für was werden Sie sich einsetzen?
Chancengleichheit ist für mich ein wichtiges Thema. Mir ist wichtig, dass man den Leuten keine Hürden in den Weg legt und ihnen Gestaltungsraum lässt. Dabei sollen etwa Geschlecht und Alter keine Rolle spielen. Mir ist es wichtig, dass sich die Leute unabhängig von ihrem Hintergrund entfalten und entwickeln können.

Die Wahlen von Sonntag wurden geprägt von der Klimadiskussion. Wie stehen Sie zum Thema?
Ich finde es sehr schön und extrem wichtig, dass junge Menschen auf der Strasse waren und ihre politischen Anliegen kundgetan haben. Es ist etwas das jetzt aktuell ist, etwas das jetzt brennt. Es ist unbedingt nötig, dass wir jetzt etwas unternehmen. Ich werde diesen jungen Leuten eine Stimme geben im Kantonsrat.

Nervt es Sie eigentlich, wenn Sie auf Ihren Bruder angesprochen werden?
Ich glaube, es ist einfach normal geworden.

«Sie haben gesehen, dass ich mich für meine Anliegen auch wirklich einsetze und mich nicht darauf ausruhe, dass ich die Schwester von Manuel bin.»

Also nervt es Sie nicht?
Es nervt mich nicht. Es nervt mich nur, wenn es um meine Politik geht und dann plötzlich doch wieder die Rede von «der Schwester des Fussballers» ist. Es geht ja nicht darum, dass Manuel etwas zur Politik sagen will, sondern um meine politischen Anliegen.

Haben Sie bei der Wahl dennoch von der Bekanntheit Ihres Bruders profitiert?
Das könnte sein, weiss ich aber nicht. Aber ich denke nicht, dass dies ausschlaggebend war. Ich habe mich im Raum Winterthur sehr engagiert und viel gearbeitet, ich glaube, das ist den Leuten geblieben. Sie haben gesehen, dass ich mich für meine Anliegen auch wirklich einsetze und mich nicht darauf ausruhe, dass ich die Schwester von Manuel bin.

Aber gratuliert hat er schon?
Natürlich hat er gratuliert. Er hat mich gerade angerufen und hat gestern schon mehrmals geschrieben.

Ist er eigentlich auch politisch engagiert?
Er hat sicher seine politische Meinung und die teilt er im privaten Rahmen auch mit. Aber öffentlich engagiert er sich nicht politisch.

Haben Sie ein politisches Vorbild? Bei uns in der Redaktion werden sie schon als Alexandria Ocasio-Cortez der Schweiz gehandelt ...
Mein grosses Vorbild in der Politik ist Nelson Mandela – er hat sich sein Leben lang für Menschenrechte und Chancengleichheit eingesetzt. Ebenso inspirieren mich Mattea Meyer und Jacqueline Fehr, die eine enorm wichtige und grossartige Arbeit hier in der Schweiz leisten und sich für eine faire Politik für alle einsetzen.

Und nun, wie geht es weiter nach diesem Glanzresultat? Bereits den Nationalrat im Visier?
Nein, mir ist es wichtig, dass ich mich auf mein Amt konzentriere und dort richtig reinkomme. Wie es in den nächsten Jahren aussieht, weiss ich nicht, aber ich will mich erstmal auf den Kantonsrat konzentrieren.

Mehr zu den gestrigen Wahlen:

Schüler streiken weltweit für das Klima

Video: srf/SDA SRF

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