Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Somalierin liess Töchter beschneiden – Bundesgericht bestätigt Urteil



Das Bundesgericht hat die Verurteilung einer Somalierin bestätigt, die vor der Einreise in die Schweiz ihre beiden Töchter beschneiden liess. Den Einwand der Frau, wonach sie nicht gewusst habe, dass ihr Tun strafbar ist, lassen die Lausanner Richter nicht gelten.

Das Bundesgericht bestätigt mit dem am Freitag publizierten Urteil den Entscheid des Kantonsgerichts Neuenburg. Dieses hatte die Frau wegen Verstümmelung weiblicher Genitalien zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Siraboye Diallo, with stick in her hand, tries to be as frightening as possible as she performs the part of a traditional circumciser in a play to educate about the risks of female genital cutting in Nangar, southeastern Senegal, in this January 30, 2003  picture. In this scene, she is seen hobbling into the village to perform the ritual on a young girl. Women from Nangar performed the play for to raise awareness of the dangers of female genital mutilation and invited neighboring communities. (KEYSTONE/AP Photo/Alexandra Zavis)

Eine Beschneiderin (l.) im Senegal. Bild: AP

Die Frau war mit ihren vier Kindern im November 2015 im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz eingereist. Rund zwei Jahre vorher liess sie ihre damals sechs und sieben Jahre alten Töchter in Mogadischu/Somalia beschneiden.

Wie das Bundesgericht in seinem Leitentscheid ausführt, spielt es keine Rolle, dass die Tat im Ausland begangen wurde, und die Frau damals noch keinen Bezug zur Schweiz hatte. Gemäss Artikel 124 des Strafgesetzbuches ist die Verstümmelung weiblicher Genitalien auch strafbar, wenn die Tat im Ausland begangen wird, sich die Täterschaft in der Schweiz befindet und nicht ausgeliefert wird.

Grosse Repression

Der Gesetzgeber hat gemäss Bundesgericht mit seinem Verbot im Sinne der Generalprävention auf eine grösstmögliche Repression abgezielt. Der Bundesrat habe in seiner Stellungnahme unterstrichen, dass die Strafverfolgung auch Personen betreffen könne, die nicht in der Schweiz niedergelassen oder allenfalls nur auf der Durchreise seien.

Die auf dem so genannten Universalitätsprinzip basierende Regelung finde auch in anderen Strafbestimmungen, beispielsweise bei der Zwangsheirat, Anwendung.

Nicht gelten lässt das Bundesgericht das Argument der Verurteilten, wonach sie nicht gewusst habe, dass ihr Tun rechtswidrig sei. Ob der Frau das Verbot der Genitalbeschneidung in der somalischen Verfassung bekannt war, spielt für das Gericht keine entscheidende Rolle.

Es stützt sich vielmehr darauf, dass die Beschneidungen in einem heimlichen Rahmen stattgefunden haben. Zudem habe die Frau selbst gesagt, diese Praktik sei «nicht gut», wie es im Urteil des Bundesgerichts heisst. Die Verurteilte habe damit zumindest kein gutes Gefühl gehabt und hätte sich deshalb informieren können. Der Irrtum sei deshalb vermeidbar gewesen.

(Urteil 6B_77/2019 vom 11.02.2019)

(sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Elon Musks Satelliten-Internet startet

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
31 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Ironiker
22.02.2019 12:08registriert July 2018
8 Monate bedingt??? 2 Jahre unbedingt - pro beschnittenes Kind!
Kuscheljustiz. So wird sich nie etwas ändern.
20839
Melden
Zum Kommentar
Aluhut
22.02.2019 12:53registriert September 2016
Solche Menschen sollten die Aufenthaltsberechtigung in der CH verlieren.
Das Urteil ist völlig daneben für das Leid das sie ihren Kindern zugefügt hat.
16711
Melden
Zum Kommentar
N. Y. P.
22.02.2019 12:19registriert August 2018
Verstümmelung weiblicher Genitalien.
Das ist doch eine schwere Körperverletzung ? Und das gibt kuschlige 8 Monate ? Bedingt ?
Was aber der Hammer ist : Zudem habe die Frau selbst gesagt, diese Praktik sei «nicht gut», wie es im Urteil des Bundesgerichts heisst.
Soso, die Mutter rotzt kurz einen Satz raus, dass es nicht gut sei und schon gibt es mildernde Umstände..
Kuscheljustiz, wie gehabt. Lächerliches Urteil.
12413
Melden
Zum Kommentar
31

Mord in Asylunterkunft – 16 Jahre Freiheitsstrafe für Messerstecher

Ein 35-jähriger Algerier hat Anfang 2018 in einer Asylunterkunft in Mels SG einen 38-jährigen Mann mit einem Küchenmesser tödlich verletzt. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilte ihn wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren.

Gemäss dem am Dienstag veröffentlichten Urteil werden dem Verurteilten noch weitere kleinere Straftaten vorgeworfen. Das Gericht ordnete neben der langjährigen Freiheitsstrafe eine Landesverweisung von 15 Jahren sowie eine Busse an. Eine von der …

Artikel lesen
Link zum Artikel