Schweiz
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Ein Bus faehrt ueber die verkehrsfreie Mittlere Bruecke in Basel am Dienstag, 6. Januar 2015. Seit dem 5. Januar gilt in der Basler Innenstadt ein neues Verkehrskonzept, mit dem Fussgaenger mehr Platz erhalten sollen und der Fahrradverkehr gefoerdert werden, der oeffentliche Verkehr Vorrang haben, der Taxiverkehr privilegiert werden und der motorisierte Individualverkehr in der Innenstadt reduziert werden soll. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Der Terror-Scherz im Bus kommt ein Basler teuer zu stehen. Bild: KEYSTONE

Teurer Scherz: Basler (27) muss nach Terror-Drohung im Bus 100'000 Franken bezahlen

In einem Basler Bus sprach ein 27-Jähriger lautstark am Telefon über Giftgas und Sprengstoff. Den Scherzanruf kommt ihn nun teuer zu stehen.

Patrick Rudin / ch media



Leise murmelte der 27-Jährige am Montag im Gerichtssaal vor sich hin, nur wenige Worte drangen deutlich bis zu den Zuschauerplätzen. Das war im Mai 2017 in einer Nacht von Freitag auf Samstag anders.

Um 2.20 Uhr fuhr der Mann mit dem Nachtbus N28 von Basel nach Birsfelden und führte dabei lautstark ein Telefongespräch über Giftgas und Sprengstoffe. «Das ziehen wir in drei Wochen durch!», soll er in einem orientalischen Akzent gesagt haben. Wie viele der Passagiere diesen «Dialog» mitgekriegt hatten, konnte am Montag im Basler Strafgericht nicht genau geklärt werden.

Eine Passagierin allerdings bekam es mit der Angst zu tun und alarmierte hinterher die Polizei. Die gross angelegte Fahndung war jedoch erst zehn Tage später erfolgreich, der Mann sass zwei Tage in Untersuchungshaft.

Nur gespielt

Die Staatsanwaltschaft führte zuerst eine Untersuchung wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen zu einem Anschlag, stellte dieses Verfahren dann aber ein: Das Telefongespräch im Bus war nur gespielt gewesen, und bei der Hausdurchsuchung in der Familienwohnung in Birsfelden fand die Polizei ausser seltsamem Geschreibsel nichts Auffälliges. Die Familie des Mannes war über die Vorwürfe aber offenbar ziemlich entsetzt, sein Bruder soll wegen der Hausdurchsuchung gar einen Herzanfall erlitten haben.

«Wenn er übermüdet ist, äussert er sich oft unkontrolliert und führt Selbstgespräche.»

Anwältin

«Dieser Behördeneinsatz wäre vermeidbar gewesen», kritisierte am Montag Verteidigerin Nuray Ates Tekdemir. Bereits auf der Videoaufzeichnung aus dem Bus sei zu sehen, dass andere Fahrgäste wohl gar nichts von den angeblichen Drohungen mitgekriegt hätten und auch nicht verängstigt gewesen seien. «Wenn er übermüdet ist, äussert er sich oft unkontrolliert und führt Selbstgespräche», sagte die Verteidigerin und forderte einen Freispruch.

Der 27-jährige Alevit mit Schweizer Pass leidet offenbar an den Spätfolgen eines Schlaganfalles und bezieht eine Invalidenrente. Derzeit versucht er, in eine Detailhandelslehre einzusteigen. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Schreckung der Bevölkerung angeklagt und eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten beantragt.

Busse und hohe Verfahrenskosten

Die Buspassagierin wurde am Montag vom Gericht nochmals als Zeugin befragt. Einzelrichterin Dorrit Schleiminger betonte danach, die Aussagen seien glaubhaft. Unklar blieb allerdings, ob der vom Strafgesetzbuch verlangte grosse Adressatenkreis damals wirklich erreicht wurde. Daher blieb es bei einem Schuldspruch wegen versuchter Schreckung der Bevölkerung.

Die Richterin erachtete eine bedingte Freiheitsstrafe in der Höhe von fünf Monaten als angemessen, mangels Vorstrafen führte dies zu einer bedingten Geldstrafe in der entsprechenden Höhe von 150 Tagessätzen zu 20 Franken.

Das grössere Problem für den Mann sind allerdings die Verfahrenskosten: Der Polizeieinsatz für die Fahndung jener Tage im 2017 war massiv, damit bleiben an dem Verurteilten auch Kosten von knapp 100'000 Franken hängen. Er kann das Urteil noch weiterziehen.

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dominik Treier (1) 09.04.2019 13:22
    Highlight Highlight Also eine Frau war wegen eines Typen der Krank ist und Mist labert, im Nachtbus verängstigt und hat überreagiert, die Polizei verbrät wegen sowas 100'000.- CHF, zumal ich bezweifle, dass währenddessen auch nur ein Polizist mehr beschäftigt werden musste, es also den Staat ohnehin so viel gekostet hätte und als Reaktion darauf darf der Typ diese horrenden Kosten für den Fehlalarm bezahlen, zumal er dank seiner Krankheit wohl weder Geld noch Nerven hat.
    Das ist der Soziale Staat Schweiz! Wo man im Zweifelsfall einfach mal niedergetrampelt wird, denn so integriert man Leute ja am besten...
    • die Freiheit die ich meine 09.04.2019 14:13
      Highlight Highlight Und das Beste zum Schluss.
      Die 100000 werden am Ende wohl noch von der Führsorge hingeblättert.
  • andrew1 09.04.2019 12:08
    Highlight Highlight Klar ist die aktion daneben. Aber das ganze für 100000 fr untersuchen wirkt auch unverhältnissmässig. Hätte man ihn nicht einfach auf den polizeiposten beordern können um die angelegenheit schnell zu klären?
    • el_chef 09.04.2019 14:50
      Highlight Highlight es gab eine gross angelegte fahndung, welche 10 tage dauerte. die frau hat ja die polizei erst später informiert. ich denke, den mann ausfindig zu machen kostete einen grossteil der ganzen aktion.
  • DaniSchmid 09.04.2019 10:55
    Highlight Highlight WTF? Dachte die Polizei wird aus Steuergeldern finanziert. Seit wann müssen Gesuchte für den Einsatz bezahlen? Die Polizei, das Profit-Center: Nebst Parkbussen nun auch neue Einkommenskanäle durch Inrechnungstellung der Aufwände an Kriminelle? 🤔
  • bresse 09.04.2019 10:38
    Highlight Highlight Schreckung der Bevölkerung, war wohl eher Schreckung einer einzelnen Frau. Jedenfalls habe ich nichts davon mitbekommen. Braucht Staat einfach Geld?
    • Alnothur 09.04.2019 14:20
      Highlight Highlight Deswegen ja VERSUCHTE Schreckung.
  • eBart! 09.04.2019 08:11
    Highlight Highlight Schon sehr dumm gelaufen.

    Aber mich stört diese Aussage: "Die Buspassagierin wurde am Montag vom Gericht nochmals als Zeugin befragt."

    Theoretisch wäre doch Aussage gegen Aussage? Und im Zweifel für den Angeklagten?

    Was aber auch typisch Schweiz ist: jeder will Polizist spielen.

    Ich möchte den Typen nicht verteidigen, er hat sicher daraus gelernt - aber so ein Tamtam draus machen ist schon etwas übertrieben.
    • Asmodeus 09.04.2019 09:01
      Highlight Highlight Man erinnert sich an den Polizeieinsatz in Bern weil eine paranoide Bürgerin einen Terroralarm ausgelöst hat wegen einem kaputten Kunstwerk am Bahnhof.

      Das ist halt das Ergebnis wenn Medien und Politiker Paranoia schüren um sich besser zu verkaufen.
    • Aglaya 09.04.2019 09:02
      Highlight Highlight Aussage gegen Aussage resultiert nicht zwingend in einem Freispruch. Wenn das Gericht zum Schluss kommt, dass die Aussage der Zeugin glaubhafter ist als die Aussage des Beschuldigen, kann es ihm verurteilen, ohne die Unschuldsvermutung zu verletzen.
    • efrain 09.04.2019 09:13
      Highlight Highlight Naja, vor Gericht zählt ja nicht notwendigerweise jede Aussage gleich viel. Aber wichtiger: dem Anschein nach wurde die Tat hier ja nicht bestritten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ich_bin_ich 09.04.2019 08:08
    Highlight Highlight Bestrafung muss sein und auch das Tragen der Konsequenzen.

    In der Schweiz haben wir aber, meiner Meinung nach, eine verfehlte Strafgebung

    Während die eigentliche Strafe oft ein Hohn ist und den Namen Strafe nicht verdient, ruinieren Verfahrenskosten und zivilrechtliche Forderungen ein ganzes Leben. Teilweise sind Forderungen noch Jahre später möglich. Resozialisation ist so nur theoretisch möglich und eine Floskel.

    Interessiert aber niemanden, offensichtlich, in der Bevölkerung.

    • Astrogator 09.04.2019 08:25
      Highlight Highlight Weil es viele nicht wissen...
    • Butschina 09.04.2019 08:43
      Highlight Highlight Mich interessiert es.
    • atorator 09.04.2019 10:46
      Highlight Highlight Dir empfehle ich mal ein paar wirklich gute Interviews mit Ferdinand von Schirach, einem Strafverteidiger, was Schuld und Rache eigentlich sind. Sehr interessant.
    Weitere Antworten anzeigen
  • WEBOLA 09.04.2019 07:41
    Highlight Highlight 100'000 CHF ? Was haben die denn gemacht, dass der Einsatz so teuer wurde?
    • Bijouxly 09.04.2019 08:40
      Highlight Highlight Das sind die gesamten Verfahrenskosten.
    • P. Silie 09.04.2019 10:42
      Highlight Highlight ..darin enthalten sind vermutlich auch die Busseinnahmen durch Geschwindigkeitskontrollen, die man in dieser Zeit hätte durchführen können.
    • glüngi 09.04.2019 10:54
      Highlight Highlight grossfahndung? 10 tage lang? was meinst du was das kostet?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Kaulquappe2.0 09.04.2019 07:31
    Highlight Highlight Wer als Scherz Steuergelder versprasst, darf gerne die Kosten tragen. Schliesslich war er auch der einzige der den Scherz lustig fand
    • Dan Rifter 09.04.2019 09:42
      Highlight Highlight Dann wirds für viele Lokal-, Kantonal- und Bundespolitiker zum Minusgeschäft.

  • Natürlich 09.04.2019 07:27
    Highlight Highlight Ganz ehrlich: sowas finde ich jetzt masslos übertrieben.
    Es war in der Nacht, viele Besoffene schwatzen Seich.
    Natürlich eine Dummheit aber der Mann scheint ja auch psychisch angeschlagen laut Bericht.

    Da finde ich die ganzen Youtube Pranks mit einfach Rucksack hinschmeissen, allah ahkbar rufen und davonrennen viel schlimmer.
    Was bekommen die dann für Strafen?
    • Bijouxly 09.04.2019 08:42
      Highlight Highlight Also dass er die Verfahrenskosten tragen muss finde ich gut - es war ein extrem dummer Scherz, betrunken hin oder her. Dafür soll nicht der Steuerzahlende aufkommen müssen.
    • Asmodeus 09.04.2019 10:35
      Highlight Highlight @Bijouxly
      Tut es aber trotzdem. Es geht einfach in ein anderes Budget, da jetzt das Geld aus der IV kommt.
    • Bijouxly 09.04.2019 11:26
      Highlight Highlight @Asmodeus: Ja, aber es hält vielleicht den einen oder anderen von einem "dummen Scherz" ab.
  • Schneider Alex 09.04.2019 06:33
    Highlight Highlight Ein bedauerlicher Einzelfall!
    • The Real Deadpool 09.04.2019 07:04
      Highlight Highlight Weiso Einzelfall? Weiler einen ausländisch klingenden Namen hat?

      Es war einfach ein Typ, der es lustig fand, sich als Terrorist auszugeben und jetzt die Konsequenzen tragen muss. Da ist die Nationalität egal. Kindsköpfe gibt es überall.
    • Banana-Miez 09.04.2019 07:59
      Highlight Highlight Für mich klingt das mehr nach Schädigung des Frontallappens nach Schlaganfall.

      Aber trotzdem: Das Gericht macht seinen Job und der Typ ist wohl nicht die hellste Kerze.
    • Butschina 09.04.2019 08:45
      Highlight Highlight Wenn der Frontallappen geschädigt ist, hätte er freigesprochen werden müssen.

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