Bereits in über 50 Filialen: Migros und Coop führen eine Neuerung ein
Wo sind die Teigwaren schon wieder? Und die Kaffeekapseln? Der Einkauf in einem Supermarkt kommt für viele Kundinnen und Kunden einem Spiessrutenlauf gleich – insbesondere, wenn man mit der Filiale nicht vertraut ist oder das Sortiment umgestellt wurde. Entsprechend lange kann die Shoppingtour dauern. Für Menschen älteren Semesters oder solche mit einer Gehbehinderung kann dies herausfordernd sein.
Dies scheinen auch die grossen Detailhändler erkannt zu haben. Das zeigt sich beispielsweise in der im Herbst neu eröffneten Migros-Filiale in Zürich-Leutschenbach. Dort steht mitten im Supermarkt eine Holzbank. «Nachdem sich gezeigt hat, dass Kundinnen und Kunden in Leutschenbach eine Sitzmöglichkeit im Laden begrüssen würden, konnten wir diesem Kundenanliegen einfach nachkommen», sagt Migros-Zürich-Sprecherin Annabel Ott.
Diese Massnahme ist laut Ott neu Teil des Migros-Ladenkonzepts, das bei Bedarf und je nach Verhältnissen vor Ort auch ein Bänkli auf der Geschäftsfläche vorsieht.
Bei grossen Filialen fix eingeplant
Laut Laura Dikhoff, Sprecherin des Migros-Genossenschaftsbunds, startete das neue, nationale Filialkonzept vergangenen Frühling. «Aktuell verfügen rund 50 Filialen in der ganzen Schweiz über das neue Ladenkonzept.» Wo überall eine Sitzbank zum Einsatz komme, könne man nicht genau sagen. Vorgesehen sei aber, dass das Bänkli ab einer gewissen Filialgrösse als festes Element im Geschäft eingeplant sei, insbesondere für Menschen mit Gehschwierigkeiten oder anderen Gebrechen.
Je nach Standort könne dies auch kleinere Filialen betreffen, wenn das die Kundschaft vor Ort wünsche. Als Beispiel nennt Dikhoff den Supermarkt in Embrach ZH, wo ein Altersheim in der Nähe steht.
Bei Coop kommen Bänkli bei «zahlreichen Supermärkten» mit dem neuesten Ladenbaukonzept zum Einsatz, wie Sprecher Kevin Blättler auf Anfrage bestätigt. Allerdings kann auch er keine Zahl dazu nennen. Die Warenhauskette Manor ebenfalls nicht. Doch bei ihr gehören Bänkli sowie gemütliche Sessel im neuen Shop-Konzept ebenso dazu, wie ein Sprecher bestätigt. Sie sind in den bereits modernisierten Warenhäusern in Genf, Lausanne und Basel aufgestellt, in den Mode- und Lingerieabteilungen. Wo es die Platzverhältnisse zulassen, seien sie auch an weiteren Standorten vorgesehen, die modernisiert werden. Man wolle der Kundschaft damit eine Atmosphäre bieten, die zum Verweilen einlade.
Pro Senectute wünscht sich mehr Bänkli
Bei der Stiftung Pro Senectute, die sich für Anliegen von Seniorinnen und Senioren einsetzt, freut man sich über die neuen Sitzgelegenheiten. Sie seien «sehr wichtig», sagt Sprecher Peter Burri Follath. «Angesichts der demografischen Entwicklung wird die ältere Kundschaft auch künftig eine zentrale Zielgruppe des stationären Detailhandels sein und eher zunehmen.» Sitzmöglichkeiten würden die Zugänglichkeit erhöhen, selbstständiges Einkaufen ermöglichen und wesentlich zu einem positiven Einkaufserlebnis beitragen.
Laut Burri Follath hat sich die Pro Senectute schon vor mehreren Jahren gegenüber der Migros für altersfreundliche Massnahmen im Detailhandel ausgesprochen – damals erfolglos. Auch aktuell bestehe keine Zusammenarbeit zu diesem Thema.
Man wünsche sich noch mehr Sitzgelegenheiten in den Filialen, sagt der Pro-Senectute-Sprecher. Und er liefert auch gleich ein betriebswirtschaftliches Argument, damit die Migros, Coop und Co. nicht nur altruistisch handeln müssen: «Der stationäre Detailhandel kann sich im Wettbewerb mit dem Onlinehandel dadurch abheben, dass er das Einkaufserlebnis vor Ort möglichst positiv und einladend gestaltet.» Sitzgelegenheiten seien dabei ein einfaches und wirksames Mittel. «Eine angenehme und entspannte Einkaufsatmosphäre kommt nicht nur älteren Menschen, sondern allen Kundinnen und Kunden zugute.» (aargauerzeitung.ch)

