In Zürich entsteht das erste queer-freundliche Alterszentrum
In Zürich ist am Donnerstag der Grundstein für die erste queer-freundliche Altersinstitution der Schweiz gelegt worden. Im Espenhof sind 26 Alterswohnungen für Angehörige der LGBTIQ+-Gemeinschaft reserviert. Die Beteiligten sprachen von einem Herzensprojekt.
Noch ist der Espenhof in Zürich-Albisrieden eine grosse Baugrube. Früher befanden sich auf dem Gelände 84 Alterswohnungen, neu werden es 138 sein. Es ist die erste Altersinstitution in der Schweiz, in der ein Teil der Wohnungen queeren Personen vorbehalten sind. Vorbilder gibt es schon in Spanien und England.
Willkommen sind alle im Espenhof, sofern sie Lesben, Schwule und andere queere Menschen akzeptieren. Wie Andy Leemann, ab Februar Direktor der Gesundheitszentren für das Alter, gegenüber Keystone-SDA sagte, sollen Interessierte von Anfang an wissen, dass im Espenhof Toleranz herrscht. Schon in ersten Gesprächen würden sie über das Projekt aufgeklärt.
Viele wollten nicht offen leben
Für Barbara Bosshard, Präsidentin des 2014 gegründeten Vereins Queer Altern, ist es ein besonderer Moment. «Viele unserer Gemeinschaft trauen sich nicht, in Altersinstitutionen offen zu leben», sagte sie im Gespräch. 2017 habe eine Umfrage von 27 Zentren in Zürich ergeben, dass gerade mal zwei queere Personen offen darüber sprachen. Für Bosshard sind diese Rückmeldungen Ausdruck dafür, dass viele sich wieder versteckten - wie schon vor ihrem Coming-out. Auch aus Angst vor Intoleranz durch andere Bewohnerinnen und Bewohner.
Sie ist überzeugt, dass der Espenhof ein Ort der Vielfalt sein wird. Queer Altern werde sich aktiv einbringen und vieles für ein Funktionieren des Projekts tun. Da vielerorts queere Menschen angefeindet werden, auch jüngere Menschen, brauche es in Zukunft sichere Räume. Bosshard hofft, dass weitere queer-freundliche Lebensorte dazukommen. «Wir sehen das Projekt als Stein, der im Wasser Wellen wirft», sagte sie.
Regenbogenfahne in der Zeitkapsel
Die Grundsteinlegung feierte der Verein mit der Regenbogenfahne, dem Erkennungszeichen der Gemeinschaft. Ein Zeichen von Schmerz, Freude und Stolz sei diese, sagte Bosshard bei ihrer Rede. Die Fahne legte sie neben anderen Gegenständen in die Zeitkapsel, die im Grundstein einbetoniert wird.
Wichtig ist den Verantwortlichen die Pflegewohngruppe. Sie ermögliche es, auch im hohen Alter noch selbstbestimmt zu leben. Auf diese Weise würden Menschen sehr unterschiedlichen Alters in den Alterszentren wohnen. Viel war auch die Rede von den speziellen Lebensgeschichten vieler queerer Menschen, die in jüngeren Jahren für ihre Rechte kämpften.
Seit 2018 über Projekt diskutiert
Konkret über das Projekt diskutierte der Verein Queer Altern seit 2018 mit Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP). «Wir wollen mit unserer Altersstrategie Vielfalt abbilden», sagte Hauri bei der Grundsteinlegung. Das Projekt solle durchaus kopiert werden.
Insgesamt umfasst das neue Zentrum 138 Wohnungen und die Pflegewohngruppe. Ein Wohnhaus ist für queere Menschen reserviert. Ab Frühling 2028 soll das Zentrum bezugsbereit sein, wie die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich am Donnerstag mitteilte. Die Stiftung betreibt 36 Siedlungen mit über 2000 bezahlbaren Wohnungen. Bis 2035 soll es laut Hauri 1000 Alterswohnungen mehr geben. (sda)
