Die Schweizer Znüni-Kultur: Eine Spurensuche
Wer liebt Znüni? Wohl die meisten von euch. Ist ja das Normalste der Welt, sich nach ein paar Stunden Wachsein ein wenig Energiezufuhr zu gönnen, nicht? Das Konzept «Znüni» erscheint so normal – so banal, gar –, dass wir selten innehalten, um darüber nachzudenken.
In vielen Teilen Europas und auch anderen Teilen der Welt ist die Zwischenmahlzeit am Vormittag eine weitverbreitete kulturelle Tradition. Bei uns heisst sie Znüni – und offenbar auch im Vorarlberg und im alemannischen Sprachraum allgemein. Andernorts im deutschsprachigen Raum spricht man gerne mal von Brotzeit, Jause oder – lapidarer – vom zweiten Frühstück. In Grossbritannien gibt es elevenses, in Ungarn tízórai, in Kolumbien geniesst man medias nueves, in Schweden elvakaffe, in Polen drugie sniadanie, in Belgien tienuurtje und und und.
Weitverbreitet, ja. Aber nicht überall. Bezeichnenderweise gibt es in Frankreich und Italien nichts wirklich Vergleichbares. In der französischen Sprache gibt es nicht einmal ein indigenes Wort für «Snack» – was vielleicht eine tiefere kulturelle Ablehnung des Konzepts an sich widerspiegelt. Die Franzosen bevorzugen vollwertige Hauptmahlzeiten und betrachten diese im Allgemeinen nicht nur als Energieaufnahme, sondern als Genuss und Gelegenheit, Geselligkeit zu pflegen. Und auch die Italiener kennen keine morgendliche Jause – dies, obwohl ihr Frühstück nicht gerade nahrhaft ist, besteht sie doch meist lediglich aus einem Kaffee und vielleicht einem cornetto, und oft im Stehen an der Bar konsumiert wird. Aber wie die Franzosen konzentrieren sie sich lieber auf die späteren, vollständigen Mahlzeiten pranzo und cena.
Aber zurück zu den Ländern und Kulturen, welche die morgendliche Zwischenmahlzeit pflegen! Etwas fällt auf: Nirgends wird der Morgensnack früher gegessen als in der Schweiz. Es heisst ja Znüni. Bereits um neun Uhr wird das Brötli und der Apfel ausgepackt. Zum Vergleich: In Grossbritannien gibt es elevenses, in Schweden elvakaffe – weil diese traditionell um 11 Uhr morgens stattfinden. Die deutsche Brotzeit ist meist um 10, tízórai in Ungarn ebenfalls; almuerzo oder segundo desayuno in Spanien und Portugal meist zwischen 10 und 11.
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Weshalb braucht die Schweiz bereits um 9 Uhr eine Pause? Nun, weil die Schweiz im internationalen Vergleich tendenziell früh mit der Arbeit beginnt. Und demnach alles Darauffolgende ebenfalls etwas früher stattfinden muss. Hey, die watson-Sportredaktion erhebt sich bereits um 11 Uhr 15 geschlossen von ihren Schreibtischen, um sich ihr Kottu-Roti-Zmittag zu kredenzen! Und es ist auch nicht unüblich bei Schweizer Familien, bereits um 18 Uhr zu Abend zu essen. Derweil sucht man in etlichen europäischen Ländern vergeblich nach einem Restaurant, das vor 12 Uhr mittags überhaupt offen hat, und vielerorts gibt's Nachtessen selten vor 20 Uhr – Nacht-Essen eben.
Warum der Arbeitstag in der Schweiz im Allgemeinen früher beginnt als anderswo, wird oft mit ihrer agrarischen Geschichte erklärt: Die Bauern mussten die Tageslichtstunden optimal nutzen. Doch dieses Argument greift zu kurz, da etliche weitere europäische Länder Agrarwirtschaften waren – viele davon bedeutend länger als die Schweiz, die Mitte des 19. Jahrhunderts einen starken Strukturwandel erlebte und bereits Ende des 19. Jahrhunderts weniger als ein Drittel der Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt war.
Ein weiterer häufig genannter Grund sei der «kulturell tief verwurzelte Wunsch, die persönliche Freizeit zu maximieren und eine hohe Lebensqualität zu bewahren» (danke, Gemini!). Stichworte Work-Life-Balance und so. Aber: Das haben die Franzosen und die Italiener auch – ohne dass sie einen Znüni brauchen.
Während oben genannte Gründe gewiss nicht unwahr sind, ist wohl ein weiterer kultureller Aspekt wichtig: die viel gerühmte Schweizer Arbeitsmoral. Offenbar ist diese helvetische Emsigkeit nicht bloss ein Klischee, sondern ein historisch begründbarer Fakt, der mitunter auf das Wirken zweier Reformatoren zurückgeht, die eine besonders strenge Form des Protestantismus predigten: Calvin in Genf, Zwingli in Zürich. Und obwohl die Hälfte aller Kantone katholisch sind, setzte sich diese protestantische Arbeitsethik in der ganzen Schweiz durch. Der Historiker Jan de Fries identifiziert eine «industriöse Revolution», welche die Schweiz parallel zur industriellen Revolution erfasste: längere Arbeitszeiten und gesteigerte Produktivität – nicht nur durch Maschinisierung, sondern durch Fleiss.
Da haben wir es. Die Schweiz schätzt ihre Work-Life-Balance und ihre Freizeit – kombiniert dies aber mit einem Leistungswillen, der seinesgleichen sucht. Früh aufstehen. Früh mit der Arbeit beginnen. Logisch hat man schon um 9 Uhr Hunger!
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Soweit der kulturgeschichtliche Hintergrund. Eine neuere Entwicklung ist, dass sich in der Schweiz die Pendlerzeiten verlängern. Als Folge davon neigen immer mehr Arbeitende, typischerweise solche in Büroberufen, dazu, das frühmorgendliche Frühstück wegzulassen, womit der Znüni den Platz als erste Hauptmahlzeit einnimmt. Dies erklärt, weshalb zum Znüniöpfel gerne auch noch ein Rohschinken-Laugenbretzel, ein Protein-Riegel und ein Chai-Hafermilch-Macchiato dazukommt.
Womit wir bei der Frage wären, was esst ihr am liebsten zum Znüni? Ein Joghurt? Muffins? Ein Bündnerfleisch-Vollkorn-Baguette und dazu ein Ingwer-Shot? Getrocknete Früchte? Ein Wild Berry Bowl? Okay, nun seid ihr dran – sagt es uns in den Kommentaren!
