Schweiz
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Die Plakate der neuen

Die Love-Life-Kampagne wurde im November 2016 lanciert. Bild: KEYSTONE

Millionen für Kampagnen und Werbung – wie der Bund seine Botschaften unters Volk bringt

Eine neue Liste zeigt detailliert, welche Mandate an private Agenturen gehen. 

Sven Altermatt / ch media



Events, um die Energiewende anzukurbeln. Broschüren, um für die Schweizer Luftwaffe zu werben. Aktionspläne, um Herrn und Frau Schweizer das heimische Holz schmackhaft zu machen. Wenn der Bund seine Botschaften unters Volk bringen will, setzt er gerne auf externe Profis.

Solche Agenturen sind kostspielig. Wie kostspielig, zeigt eine neue Liste: Kampagnen im Umfang von rund 20 Millionen Franken lassen die Behörden der Eidgenossenschaft allein dieses Jahr von Privaten umsetzen – eingerechnet sind allerdings nur die 25 teuersten Mandate.

Informationsmaterial zur Love Life Kampagne liegt auf, waehrend einer Medienkonferenz zum Bericht des Bundesamtes fuer Gesundheit zu HIV und anderen sexuell uebertragbaren Infektionen, am Montag, 23. Oktober 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Gehören zum Portfolio des Bundes: Kampagnen, die für sexuell übertragbare Krankheiten sensibilisieren. Bild: KEYSTONE

Das enthüllt eine Übersicht, die der Bundesrat nach einem Vorstoss des Aargauer SVP-Nationalrats Hansjörg Knecht erstmals veröffentlicht hat. Zu den Gesamtausgaben für extern vergebene Kampagnen im Jahr 2018 macht die Regierung keine Angaben, und auch interne Kosten sind nicht eingerechnet. Die neue Liste bringt aber Licht in den Agentur-Dschungel der Verwaltung.

Um sein Image zu pflegen und die Bevölkerung über seine Arbeit zu informieren, lässt der Bund gerne die Kasse klingeln. Für Öffentlichkeitsarbeit haben die Behörden im Jahr 2017 insgesamt 78.6 Millionen Franken ausgegeben, wie der Staatsrechnung zu entnehmen ist. Die Personalkosten machen dabei rund zwei Drittel der Gesamtkosten aus.

307 Vollzeitstellen sind mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut. Nicht publik gemacht wird, auf wie viele Personen sich diese verteilen. Die staatlichen Öffentlichkeitsarbeiter lancieren einerseits Kampagnen, andererseits schreiben sie etwa Medienmitteilungen, beantworten Anfragen oder bewirtschaften Websites.

30 Jahre Aids-Prävention

Energieamt ist Umsatztreiber

Am meisten Geld für PR und Information gibt das Innendepartement von Bundesrat Alain Berset aus, 15.3 Millionen Franken waren es 2017. Mit Ausgaben von jeweils rund 10 Millionen Franken folgen das Verteidigungsdepartement, das Finanzdepartement sowie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.

Dass das Innendepartement an der Spitze steht, überrascht nicht. In seinen Wirkungsbereich fallen die Kampagnen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), das 5 der 25 teuersten Kommunikationsaufträge unterhält. Das Auftragsvolumen dafür beträgt total 6.5 Millionen Franken.

Im laufenden Jahr überweist das BAG unter anderem 2 Millionen Franken für die bekannte «Love Life»-Kampagne gegen sexuell übertragbare Krankheiten an die Agentur Rod, wie der Liste des Bundesrats zu entnehmen ist. Für die Organspende-Kampagne fliessen 1.4 Millionen Franken an die Agentur YJOO. Den gleichen Betrag bekommt die Havas AG, um eine Kampagne gegen Antibiotika-Resistenzen umzusetzen.

Love Life! Wie die Anti-Aids-Kampagnen mit den Jahren immer heisser wurden

Ein noch grösserer Umsatztreiber für private Agenturen ist das Bundesamt für Energie (BFE). Es zeichnet sich für sieben grosse Kampagnen im Umfang von total 6.9 Millionen Franken verantwortlich. Eine Aktion des BFE veranlasste SVP-Nationalrat Knecht überhaupt erst dazu, sich mit einem Vorstoss an den Bundesrat zu wenden: die Energy Challenge.

Frühere Recherchen dieser Zeitung offenbarten Ungereimtheiten rund um die Energiesparkampagne. Es geht um fragwürdige Subventionen und rechtliche Tricks, mit denen die Verantwortlichen eine öffentliche Ausschreibung umgehen konnten (siehe Box am Ende des Artikels).

Damit die Menschen landauf und landab lernen, wie sie Energie sparen können, lässt sich das BFE einiges einfallen. 925'926 Franken gehen für die Aktion «CO2-Tieferlegen» an Quade & Zurfluh, damit die Agentur energieeffiziente Fahrzeuge promotet. 600'000 Franken bekommt Burson-Marsteller für die Gemeinde-Kampagne von «Energie Schweiz» und 550'000 Franken werden an Wirz Brand Relation überwiesen, um das Gebäudeprogramm 2018 zu bewerben.

Auch eine Kampagne mit dem Ziel, leerstehende Ferienwohnungen weniger zu beheizen, gehört zum Portfolio des BFE – die Agentur Franz & René kassiert dafür 400'000 Franken. 

Staats-PR unter Beschuss

Parlamentarier kritisieren die Ausgaben für PR und Information regelmässig. «Kommunikation in der Bundesverwaltung – ein Fass ohne Boden?», lautete vor zwei Jahren der sinnbildliche Titel eines Vorstosses von FDP-Präsidentin Petra Gössi.

Manche bezeichnen die Kampagnen des Bundes als überflüssige Staatspropaganda, andere erachten sie als unabdingbar, um die Bevölkerung für dies oder jenes zu sensibilisieren. Die SVP verlangt in fast jeder Budgetdebatte eine Kürzung der entsprechenden Ausgaben. Ihr Nationalrat Hansjörg Knecht sagt: «Ich werde die neue Liste nun ganz genau anschauen und prüfen, ob die Mittel sinnvoll eingesetzt werden.»

So oder so bleibt die Öffentlichkeitsarbeit auf der politischen Agenda. Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats hat dazu eine vertiefte Untersuchung angeordnet. Man prüfe, ob die Kommunikation der Bundesverwaltung «zweckmässig und wirtschaftlich organisiert ist», heisst es bei der zuständigen Verwaltungskontrolle des Parlaments dazu. Die Resultate sollen nächstes Jahr vorgelegt werden. (aargauerzeitung.ch)

Energy Challenge: Fragwürdige Subventionen auf dem Prüfstand

Das Bundesamt für Energie (BFE) wendet viel Geld auf, um für die Energiewende zu werben. Zu der staatlichen Aufklärung gehört auch die Aktion Energy Challenge, die mit aufwendig inszenierten Ständen durchs Land tourt. Frühere Recherchen dieser Zeitung offenbarten einen fragwürdigen Umgang mit Steuergeldern: 2016 orchestrierte die Zürcher Kreativ-Agentur Aroma Productions AG im Auftrag des BFE die Energy Challenge.

Die Energiesparkampagne war ursprünglich auf ein Jahr befristet, ohne Option auf Verlängerung. Das Mandat wurde vorschriftsgemäss in einer öffentlichen Ausschreibung vergeben, das Auftragsvolumen belief sich auf 2.2 Millionen Franken.

Doch die Energy Challenge läuft noch immer. Einem Wettbewerb für den Auftrag musste sich die Agentur nicht mehr stellen. Der Trick: Das BFE überwies ihr die Millionenbeträge – viermal mehr als in der Ausschreibung seinerzeit vorgesehen – 2017 und 2018 in der Form von Subventionen.

Das BFE stützt sich auf den Standpunkt: Die Agentur habe selbst um die Subventionen gebeten. Demnach ist die Energy Challenge nun formell ein Projekt der Firma. Das BFE sagt, die «beschaffungsrechtlichen Vorgaben» seien stets eingehalten worden.

Die SVP-Nationalräte Hansjörg Knecht (AG) und Christian Imark (SO) haben sich wegen der Energiesparkampagne mit Vorstössen an den Bundesrat gewandt. Dessen Antwort ist nun zu entnehmen, dass die Unterstützung für die Energy Challenge «schrittweise zurückgefahren» werde. Für 2020 sei «keine weitere Unterstützung des aktuellen Energy-Challenge-Konzeptes» mehr vorgesehen. (sva)

Immer mehr Geschlechtskrankheiten sind auf dem Vormarsch

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Warum? 30.11.2018 16:11
    Highlight Highlight Jedes Jahr 1~3 Mrd Überschuss im Bundeshaus liegt somit im Budget.
  • Freiheit und Toleranz 30.11.2018 10:05
    Highlight Highlight Der Staat muss auch flächendeckend wirkungsvoll kommunizieren und aufklären können.

    Doch anstelle einer breitgestreuten Antibiotika Kampagne sollte man die verschreibenden Ärzte in die Pflicht nehmen, da Antibiotika generell rezeptpflichtig sind. Eine gezielte Kommunikation über andere Kanäle wäre wirkungsvoller und günstiger.
    Oder hat das BAG die Kontrolle über die Akteure des Gesundheitswesens ganz verloren?
    • joebluesky 30.11.2018 11:15
      Highlight Highlight Die Bevölkerung darf wohl nicht wissen, wann es angebracht ist, Antibiotika zu verwenden und wann nicht? Verschreibungspflichtig hin oder her.
  • Sauäschnörrli 30.11.2018 09:02
    Highlight Highlight Die Bevölkerung informieren ist doch eine der wichtigsten Aufgaben eines demokratischen Staates.
  • Regentrockner 30.11.2018 08:30
    Highlight Highlight Es gehört zu den Aufgaben des Staates, solche Informations-Kampagnen zu machen und sie sind aus meiner Sicht auch immer sehr gelungen.

    Ausserdem bin ich froh, dass die Aufträge an private Agenturen gehen. Ich will nicht wissen, um welche Dimensionen sie teuer wären, gäbe es hier extra Staats-Stellen. 😬
  • AlienTechnologie 30.11.2018 08:02
    Highlight Highlight «Ich werde die neue Liste nun ganz genau anschauen und prüfen, ob die Mittel sinnvoll eingesetzt werden.» 😂😂😂
    Ich finde es ja gut, dass dem Staat auf die Finger geschaut wird. Aber was sinnvoll ist und was nicht, hat nicht eine Person zu entscheiden.

    Wie gesagt soll der Staat überprüft werden, genau wie Firmen und Verreine. Wenn ein Verrein oder eine Firma verdächtigt wird Geld zu verschleudern, entscheidet jedoch nicht eine Person, ob die Mittel sinnvoll eingesetzt wurden. Schon garnicht anhand einer Liste der 25 teuersten Objekte...
  • inmi 30.11.2018 07:56
    Highlight Highlight Hinter den Kampagnen stecken vielleicht manchmalngute Absichten. Besorgnis erregend ist, dass die Wirksamkeit dieser unzähligen Kampagnen nie geprüft wird. Hier wollen sich einfach viele Menschen selbst verwirklichen und in den Medien auftauchen.
    • joebluesky 30.11.2018 11:39
      Highlight Highlight Wenn Sie ein wenig googeln, dann finden Sie auch Informationen dazu ... oder fragen Sie doch direkt bei den Bundesämtern nach ...
    • Knäckebrot 30.11.2018 12:09
      Highlight Highlight Ich habe beruflich viel mit AIDS-Erkrankten zu tun gehabt. Es ist oft nicht das Problem, dass sie zu wenig aufgeklärt waren. Es würde mich wirklich wundern, wenn diese 2Mio-Kampagne einen Einfluss hat. Gerade heute wird auch in der Schule schon sehr aufgeklärt und sensibilisiert.

      Aber deinen Blitzern nach, kann man davon ausgehen, dass Evaluation nicht bei allen besonders Priorität hat.
    • joebluesky 30.11.2018 12:27
      Highlight Highlight Aha, und du glaubst, die Schulen und die Beratungsstellen etc. profitieren nicht von einer Kampagne, die überall zu sehen ist und in den Köpfen also schon präsent ist, sozusagen den Grund legen, damit ihre Infos ankommen .... Übrigens muss man nur ein wenig googeln, um zu Evaluationen zu gelangen. Aber ist natürlich immer einfacher, zuerst mal zu meckern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ströfzgi 30.11.2018 07:56
    Highlight Highlight Dünken mich schon etwas hoch, diese Beträge. 440'000 für leerstehende Ferienwohnungen zb. Da gäbe es weit bessere Themen um den Umweltgedanken rauszutragen. Zb beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen lassen. Der war jetzt sogar gratis.
    • Fabio74 30.11.2018 14:41
      Highlight Highlight Man kann das eine tun und das andere nicht lassen
  • Marco Leisi 30.11.2018 07:51
    Highlight Highlight tja, von irgenwas müssen wir in der werbebranche ja leben. und es sind ja nicht mal subventionen ...
  • _helmet 30.11.2018 07:27
    Highlight Highlight Andererseits übertreffen die Kosten, die durch diese Kampagnen für die Bevölkerung eingespart werden, diese Ausgaben wohl um ein Vielfaches.
    Z.B. wenn Aids oder anderen Krankheitstherapien eingespart und Infektionen verhindert oder Energie gespart werden kann. Retten sogar Menschenleben. Es steht dem Geld ein Nutzen gegenüber!! Zudem schafft es Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, die wiederum weitere Arbeitsplätze schaffen, wenn sie das Geld ausgeben (Lieferanten, Löhne, Konsum), die wiedrum weitere schaffen. Diese Millionen fliessen vielfach als Lohn und Brot in die Bevölkerung zurück.
  • Kommentiert 30.11.2018 06:10
    Highlight Highlight Also ich finde diese Kampagnen sehr gut und wichtig. Meiner Meinung nach simd das alles auch wichtige Themen die hier aufgegriffen werden.
    • Tina Lang 30.11.2018 07:34
      Highlight Highlight Aktuell läuft eine Plakatekampagne, wie Privatpersonen Antibiotika einsetzen sollen. Die Multiresistenten Bakterien kommen zum grössten Teil aus der Industrie, zb.Massentierhaltung. Ausserdem gibts Antiobiotika nur auf Arztrezept. Macht das wirklich Sinn? Steuerzahler zahlt teure Kampagne aber Hauptverursacher (Industrie, Pharma) verdienen weiter ein Vermögen?
    • mulle 30.11.2018 09:21
      Highlight Highlight Auf den Punkt gebacht! Vor allem finde ich die Kampagnen immer sehr effektiv durchgeführt.
  • wolge 30.11.2018 06:05
    Highlight Highlight Fragt sich wieviel davon Information und wieviel Manipulation ist...
    • Valon Gut-Behrami 30.11.2018 10:55
      Highlight Highlight Was denkst denn du?
    • joebluesky 30.11.2018 11:23
      Highlight Highlight Ja, würde mich auch interessieren, wie du auf Manipulation kommst. Es ist für eine gute Sache, nämlich die Gesundheit - auch für deine. Schon mal drüber nachgedacht? Ob du's annehmen willst oder nicht, bleibt dir überlassen. Zwingen tut dich sicherlich keine/r. Viele Menschen sind froh um solche Informationen und benötigen sie, zumal einer unabhängigen Seite – kein Pharma-Multi oder deren Lobbyisten, die dir ein Medikament oder anderes aufschwatzen wollen. Bestünde kein Problem, gäbe es auch keine Kampagne.
    • joebluesky 30.11.2018 12:09
      Highlight Highlight ja, würde mich auch interessieren. Denke, es ist wichtig von einer unabhängigen Stelle und nicht von einem Pharma-Multi informiert zu werden. Da kann von Manipulation keine Rede sein. Und schliesslich geht es um unsere Gesundheit, auch deine. Was du mit den Infos machst, ist dann deine Sache.
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