Dank Manzambi könnte eine neue Ära für Nachwuchs-Talente anbrechen
Johan Manzambi hat womöglich eine Tür geöffnet. Sein ehemaliger Trainer Luigi Pisino hofft, dass der Durchbruch des internationalen Stars, der für eine Rekordsumme für einen Schweizer Spieler zu Aston Villa gewechselt ist – die Rede ist von 68 Millionen Euro (rund 63.3 Mio. Franken) –, die Klubs hierzulande dazu bewegt, verstärkt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Zum Auftakt der Super League und der Challenge League an diesem Wochenende wird der Trainer der U19-Nati die Aufstellungen genau verfolgen. «Ich hoffe, dass die jungen Talente im Land möglichst viel Spielzeit erhalten», sagt er.
«Es gibt viel zu tun»
Pisino verbirgt jedoch eine gewisse Frustration nicht. Seiner Ansicht nach erhalten junge Schweizer Spieler weiterhin deutlich zu wenig Einsatzzeit. Auch der Rückstand auf vergleichbare Länder sei noch immer gross: «Es gibt viel zu tun. Der Abstand zu Ländern wie Dänemark oder Belgien, die mit uns vergleichbar sind, ist enorm. Wir sind sehr weit von ihnen entfernt.» Er nennt ein konkretes Beispiel: «Als unsere U17 im vergangenen Frühling gegen Belgien spielte, standen fünf belgische Spieler bereits in der 2. Liga im Einsatz. Bei uns hatte kein Spieler dieses Jahrgangs einen solchen Status – nicht einmal in der U18.»
«Wenn man gegen Gegner spielt, bei denen bereits die Hälfte der Mannschaft auf Profistufe antritt, und trotzdem besser ist als sie, obwohl bei uns viel weniger Spieler in diesem Umfeld spielen, muss man sich zwangsläufig Fragen stellen», betont Pisino. Der Trainer der U19-Nati nennt ein weiteres Beispiel:
Nachwuchsspieler gelten als Risiko
Für Pisino geht das Problem über den sportlichen Bereich hinaus. Es sei auch eine Frage der Mentalität. «In der Schweiz gilt der Einsatz eines jungen Spielers noch zu oft als Risiko. Bei einem jungen Spieler bleiben Fehler eher in Erinnerung als bei einem erfahrenen Fussballer, der genau denselben Fehler macht.» Eine Sonderbehandlung für den Schweizer Nachwuchs fordert er jedoch nicht.
Der Transfer von Johan Manzambi ist kein Einzelfall. Auch andere junge Schweizer Talente nutzten diesen Sommer für einen Wechsel ins Ausland. Andrej Vasic vom FC Luzern und Cheveyo Tsawa vom FC Zürich wechselten nach Belgien. Loun Srdanovic verliess Servette in Richtung Lille. Für Pisino zeigen diese Abgänge vor allem eines: Junge Spieler müssen spielen, um entdeckt zu werden.
«Uns fehlt der Mut»
Seiner Ansicht nach müssten die Schweizer Klubs in ihrem Umgang mit Nachwuchsspielern einen weiteren Schritt machen. «Manchmal sind wir noch etwas zu zurückhaltend. Uns fehlt der Mut, diese jungen Spieler einzusetzen. Gleichzeitig sehen wir, dass Klubs, die dieses Risiko eingehen, häufig sportlich und finanziell davon profitieren.»
Die Schweizer Klubs könnten viel gewinnen, würden sie stärker auf ihren Nachwuchs setzen. Selbst ein Wechsel zu einem kleineren ausländischen Klub kann langfristig finanziell interessant sein. So meint Pisino:
«Jeder Klub verfolgt seine eigene Linie»
Können die Trainer der Schweizer Nachwuchs-Nationalteams dazu beitragen, die Klubs von einem stärkeren Einsatz ihrer jungen Spieler zu überzeugen? «Wir versuchen, den Klubs zu zeigen, was ihre Spieler auf internationaler Ebene leisten können. Das ist wichtig, weil diese jungen Spieler im Klub mit Spielern aus anderen Ländern konkurrieren», erklärt Pisino.
Er stehe zudem regelmässig mit den Schweizer Klubs im Austausch. «Wenn unsere Spieler in der Nationalmannschaft gute Leistungen zeigen, geben wir den Klubs immer eine Rückmeldung und machen sie auf die Fortschritte ihrer jungen Spieler aufmerksam.» Doch reichen diese Botschaften aus, um ein Umdenken auszulösen?
Von einer Sache ist Luigi Pisino dennoch überzeugt: Der Schweizer Nachwuchs verdient mehr Chancen. «Ich bin überzeugt, dass es Platz für unsere Schweizer Spieler gibt und dass sie nicht schwächer sind als die Mehrheit der Spieler, die heute in der Super League im Einsatz stehen.»
