Schweiz
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ma vie de courgette

Ein Waisenhaus fährt in die Winterferien und alle heulen vor Rührung. Bild: prasens

«Ma vie de Courgette» ist der Roger Federer des Schweizer Films!

Für den Oscar nominiert und jetzt endlich im Kino: Der Schweizer Film «Mein Leben als Zucchini» und seine Filmhelden aus Silikon, Kunstharz und Latexschaum begeistern überall.

Lory roebuck / Aargauer Zeitung



Die Oscar-Verleihung findet zwar erst in ein paar Tagen statt, doch schon jetzt kann man sagen, dass «Mein Leben als Zucchini» (Originaltitel: «Ma vie de Courgette») einer der meist dekorierten und beliebtesten Schweizer Filme aller Zeiten ist. Wo immer auf der Welt der kleine Waisenjunge mit den blauen Haaren auch auftritt, fliegen ihm die Herzen zu, Zucchini ist sozusagen der Roger Federer der Filmwelt.

Viel wurde bereits über den Film geschrieben und gelesen: über die aufsehenerregende Premiere an den Filmfestspielen in Cannes letzten Mai, über die Welle an Auszeichnungen auf seiner Welttour quer durch verschiedene Festivals, über die historische Nominierung als bester Animationsfilm bei den Oscars.

Trailer zu «Mein Leben als Zucchini»

abspielen

Video: YouTube/KinoCheck

Seit der Film letzten Oktober in der Romandie veröffentlicht wurde, hat er dort bereits über 100'000 Zuschauer ins Kino gelockt. Weltweit sogar schon über eine Million.

Nun gibt es «Ma vie de Courgette» – endlich, endlich, endlich! – auch in den Deutschschweizer Kinos zu sehen, wo er unter seinem deutschen Titel «Mein Leben als Zucchini» läuft.

Zeit also, mal genauer hinzuschauen: Was macht den 66-minütigen Schweizer Animationsfilm eigentlich so gut, dass er seine Zuschauer, egal wo auf der Welt und welchen Alters, derart zu begeistern vermag? Was ist das Erfolgsgeheimnis des Walliser Animationsfilmers Claude Barras und seiner über 200-köpfigen Filmcrew?

Zunächst einmal erforderte die Produktion des Films unglaublich viel Handwerk und Feinarbeit. Barras wollte den Roman «Autobiographie d’une Courgette», in den er sich vor Jahren verliebt hat, unbedingt im aufwendigen Stop-Motion-Verfahren drehen.

Portrait du realisateur suisse, Claude Barras, pris ce lundi 13 fevrier 2017 dans les studios Helium Films a Lausanne. L'oeuvre de Claude Barras,

Regisseur Claude Barras im Atelier. Bild: KEYSTONE

Seine Filmhelden entstanden also nicht im Computer, sondern von Hand: 25 Zentimeter hohe Puppen aus Silikon, Kunstharz und Latexschaum, deren Position zwischen jeder Aufnahme minim verändert wurde, damit der Eindruck von Bewegung entsteht. Pro Drehtag waren 30 Sekunden Film im Kasten, das fertige Werk setzt sich jetzt, drei Jahre nach Produktionsbeginn, aus 43'200 Einzelbildern zusammen.

Klingt beeindruckend – und hat für Zuschauer auch einen spürbaren Effekt: Die handgemachte Filmwelt fühlt sich unmittelbar vertraut und warm an. Und weil Barras gezwungenermassen ruhig und unaufgeregt inszeniert, wirkt «Mein Leben als Zucchini» wie das wohlige Gegenprogramm zu all den Hollywoodtrickfilmen, in denen alle paar Sekunden etwas knallen, rauschen oder zischen muss.

ma vie de courgette

Ein klassisches Knetmassen-Schulzimmer. Bild: praesens

Ob in der Schweiz, Australien oder den USA: Ein Film über vernachlässigte Kinder lässt natürlich niemanden kalt. «Mein Leben als Zucchini» sticht aber umso mehr hervor, weil der Film sein Thema mit unglaublich viel Feingefühl angeht. Der Filmstoff ist ja auch nicht unheikel: In der Anfangssequenz sehen wir, wie Zucchini unbeabsichtigterweise seine alkoholsüchtige Mutter tötet. Er wird in ein Waisenheim gebracht, wo er andere Kinder kennen lernt, die teilweise noch viel schlimmere Dinge erlebt haben als er.

Barras grosses Verdienst ist es, dass er konsequent auf Augenhöhe der Kinder erzählt. Den düsteren Rahmen der Geschichte versteht man nur als erwachsener Zuschauer – am liebsten würde man losheulen, vor allem, weil die überdimensionierten Köpfe und Augen der Figuren so unglaublich ausdrucksstark sind.

Ma vie de Courgette

Jööö, hier entwickelt sich sowas wie eine allererste, kleine Liebe. Bild: Praesens

Doch Barras zieht uns und die jüngeren Zuschauer voll in die Lebenswirklichkeit dieser beherzten Waisenkinder hinein, die das Geschehene auf eigene, manchmal traurige, oft aber auch wunderbar lustige Art interpretieren, verarbeiten, ausleben. Und dabei lernen: Selbst an einem Ort, «wo man hinkommt, wenn dich keiner mehr liebt», kann man Geborgenheit und Freunde fürs Leben finden. Das ist eine Botschaft so voller Hoffnung und Optimismus, dass sie Zuschauern auf der ganzen Welt ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

«Mein Leben als Zucchini» läuft jetzt im Kino.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 19.02.2017 09:30
    Highlight Highlight Der Film sieht ja absolut billig aus. Keine Ahnung wie so etwas für einen Oscar nominiert werden kann 🙄
    • UncleHuwi 19.02.2017 11:15
      Highlight Highlight weil es Kunst ist...und nicht immer eine 200Mio$ Hollywood Produktion sein muss! Es geht um die Geschichte die erzählt wird. Und diese wird extrem aufwändig insziniert.
    • Mia_san_mia 19.02.2017 11:57
      Highlight Highlight Ach was, die Geschichte wirkt auch langweilig und das ganze sieht schlecht aus...
  • c0rnfl4ke 18.02.2017 21:37
    Highlight Highlight Wow, die haben sich ja wirklich keine Mühe gegeben für die deutsche Synchro. Tönt ja wie ein Laientheater.
    Vor allem, wenn man sich danach den Trailer in Originalton anschaut:
    Play Icon
    • El Vals del Obrero 19.02.2017 09:25
      Highlight Highlight Das ist bei den meisten Filmen so.

      Deswegen ist es auch so bedauerlich, dass auch in schweizer Kinos die Unsitte der Synchronisation immer mehr um sich greift.

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