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Fremd im eigenen Land – SVP-Glarner. bild: screenshot/srf

Jeder ist fremd im eigenen Land – Erkenntnisse aus der Rassismus-«Arena»

Die letzte «Arena» vor der Sommerpause nahm die Diskussion um fremdsprachig klingende Namen und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei Job- und Wohnungssuche auf. Und mäandrierte dann zwischen Begriffsunschärfen und seelischem Wohlbefinden.



«Rassismus, der: Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen»

Die letzte «Arena» vor der Sommerpause behandelte ein Thema, das die Schweiz mit zuverlässiger Regelmässigkeit durchschüttelt: Rassismus. Für die einen dringenderes Thema denn je, für die anderen Mottenkiste in der Historien-Galerie. 

Hintergrund der «Arena»-Sendung war ein Artikel der «Sonntagszeitung», der beschrieb, wie Mitarbeiter von Callcenters ihren fremdsprachig klingenden Namen ablegten bzw. wie ihnen eine Namensänderung nahegelegt wurde, weil diese im Job mehr Erfolg versprechen würde.  

Das heisse Eisen diskutieren sollten SVP-Nationalrat Andreas Glarner, die Autorin Melinda Nadj Abonji, der Historiker Georg Kreis und Jasmin El Sonbati, Mitbegründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam

«Arena»-Quotenschlager Glarner machte den Anfang: Glarner fand es «zulässig», dass Arbeitgeber oder Hausbesitzer, die schlechte Erfahrungen mit gewissen «Volksgruppen» gemacht haben, diese bei der nächsten Jobausschreibung oder Wohnungsvergabe berücksichtigten. Dass es, wie der SVP-Nationalrat selber zugab, nur eine kleine Minderheit sei, die sich daneben benehme, sei umso störender. Denn die «versieche» den Ruf der grossen Mehrheit, die sich korrekt verhalte. 

Georg Kreis, Verallgemeinerungen nicht gewogen, hielt entgegen, dass in der Ausländerfrage die Tendenz zur Generalisierung bei negativen Erfahrungen interessanterweise immer viel schneller komme als bei positiven Leistungen. 

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Die Namensfrage, Ausgangspunkt der Debatte, trat aber bald einmal in den Hintergrund. Stattdessen erhielt der Zuschauer einen Einblick in die Gefühlswelt von Andreas Glarner. Er fühle sich fremd im eigenen Land, offenbarte Glarner. Er verspüre ein «Unwohlsein», angesichts der stetigen Zuwanderung. Und sowieso, eine zu extreme Mischung der Kulturen sei es, die Rassismus erzeuge, das habe die Geschichte immer wieder gezeigt. Psychiater Projer hatte zuvor mit Kalkül Glarners Seele gekitzelt, als er ein SP-Werbeplakat einblendete, das ausnehmend mit fremdsprachig klingenden Kandidaten bestückt war.

Dass es aus Basel stammte, verwunderte Glarner dann nicht weiter. «Basel ist ein verlorenes Pflaster», so die vernichtende Diagnose des SVP-Asylhardliners.

Von da an machte sich die «Arena»-Runde auf die Suche nach der Black-Box der Glarner-Gefühle. Worin gründete sich dieses Unbehagen? Glarner selber tat sich schwer, die Dinge beim Namen zu nennen. Es seien die Kultur, die Sitten, die Gepflogenheiten der Schweiz, die von Einwanderern aus gewissen kulturellen Räumen halt nicht geteilt werden – und, so die implizite Aussage, auch nie geteilt werden könnten. 

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Kultur, Sitte, Gepflogenheiten, Werte – abstrakte Begriffe, schwierig zu definieren, leicht zu vereinnahmen. 

Abonji, die mit zunehmender Dauer der Sendung immer konsternierter wirkte, warf ein, dass Glarner und Konsorten es bis jetzt versäumt hatten, die Werte, auf die sie sich immer wieder berufen, zu definieren. Massgebend sei die Verfassung, nichts anderes. 

Schliesslich fiel es Glarner doch noch ein, welches die Werte sind, auf die man sich in der Schweiz gefälligst zu halten habe: Die «christlich-abendländische Kultur» nämlich. Oder besser, eigentlich seien es Ausschlusskriterien. Nicht schweizerisch sei es zum Beispiel, irgendwo irgendwelche religiösen Türme hinzustellen, oder den Handschlag zu verweigern, oder gar in Schulzimmern «unsere Kreuze runterzuhängen». 

Das rief Fathima Ifikthar auf den Plan, eine junge Berner Muslima, aus einem «kulturfremden» Flecken Erde in die Schweiz eingewandert (Glarner dazu: «Dass das SRF eine Vorzeige-Muslima einlädt, war ja zu erwarten.»). Ifikthar gab zu bedenken, dass die oftmals so intensiv eingeforderte Integration gar nicht zugelassen werde.« Früher, als wir den Müll eingesammelt hatten, wurden wir toleriert, heute haben wir eine Stimme und das stört offenbar.» 

Glarner wehrte ab: Ausländer, ob Muslim oder nicht, störten ihn grundsätzlich nicht, er wolle nur, dass sich die Menschen, die hier leben, ans Gesetz halten und nicht versuchten, ihn zu bekehren. Dass Glarner, der in Minaretten ein islamisches Herrschaftssymbol sieht, das Kopftuch in diesem Zusammenhang nicht aufstösst, nahm man ihm nicht so recht ab. 

Georg Kreis warf ein, dass die Integration kein einseitiger Akt sei: «Wenn man den Menschen immer wieder sagt, dass sie sich ans Recht halten sollen, dann unterstellt man ihnen doch gleichzeitig, dass sie sich eben nicht ans Recht halten.»

Sukkurs bekam Glarner aus dem Publikum: Herr Kessler machte eine Begriffsunschärfe aus: «Wenn wir von integrieren reden, verstehen die meisten darunter ‹profitieren›.» Sinnbildlich dafür sei die hohe Sozialhilfequote unter Ausländern. Ausserdem, so Kessler, habe er Angst, dass ethnische und religiöse Konflikte von aussen in die Schweiz hineingetragen werden. Da sei man jetzt schon auf dem besten Weg dazu.

Sonbatis trockener Hinweis, dass die Schweiz keine Insel sei, fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Im Gegenteil. Glarner, auf Facebook immer wieder benzinkanisterschwingend unterwegs, hatte nach wie vor Angst vor dem kulturellen Flächenbrand. 

Und nun? Es fremdelt den Schweizern offenbar im eigenen Land. Den einen, weil sie ihre Schweiz von einst, imaginiert oder echt, nicht mehr wiedererkennen, den anderen, weil ihnen offene und latente Abneigung entgegenschlägt. Aber auch nach knapp 60 Minuten mühseliger Expedition ins Seelengebälk blieb die Frage offen: Was definiert den Schweizer, die Schweizerin?

Bis ein junger Mann in der hintersten Reihe den Mund aufmachte. Heraus kam ...

Gartehäg.

«Viele Schweizer haben einen Gartenhag und zäunen ihr Haus damit ein». Und das, so der junge Mann, sei manchmal auch beim Gedankengut der Fall.

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