Haben sich Schweizer an «Sarajevo-Safaris» beteiligt? Bundesanwaltschaft ermittelt
Die Vorwürfe rund um die sogenannten «Sarajevo-Safaris» während des Bosnienkriegs bleiben bis heute ungeklärt. Während der Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo von 1992 bis 1995 sollen wohlhabende Kriegstouristen aus Westeuropa Geld bezahlt haben, um von den Hügeln rund um das belagerte Sarajevo aus gezielt auf Zivilisten zu schiessen.
Bei der Bundesanwaltschaft sind laut SonntagsBlick Informationen zu möglichen Tätern und Mitwissenden aus der Schweiz eingegangen. Darum prüfe sie nun Strafanzeigen zu möglichen Schweizer Beteiligten an den «Safaris». Ermittlungen liefen zuvor bereits in Italien, Österreich und Belgien.
Ein Strafverfahren sei bisher nicht eröffnet worden. Es sei noch unklar, ob ein hinreichender Tatverdacht bestehe und ob die Bundesanwaltschaft zuständig sei.
Der Mailänder Autor Ezio Gavazzeni hat mit einem kleinen Team über reiche Ausländer recherchiert und die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Er behaupte, Schweizer und Italiener aus dem Umfeld eines Kunsthändlers in Lugano seien gemeinsam für solche «Sniper-Safaris» nach Bosnien gereist. Belastbare Belege dafür fehlten bislang. Fachleute zweifelten an den Anschuldigungen und zwei Kronzeugen distanzierten sich von Darstellungen Gavazzenis, heisst es im «SonntagsBlick».
Im März sagte Gavazzeni gegenüber der «SonntagsZeitung», dass auch Schweizer bei der Menschenjagd beteiligt gewesen wären. Laut dem SonntagsBlick konkretisiert er nun seine Aussagen. Es habe sich um Schweizer und Italiener gehandelt, die sich um einen Kunsthändler in Lugano im Tessin gruppiert hätten. Die Gruppe habe sich aus Jägern zusammengesetzt, die im Zuge der «Sniper-Safaris» gemeinsam nach Bosnien gereist seien. Doch auch hierfür fehlen bislang belastbare Beweise.
(hkl, mit Material von Keystone-SDA)
