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Die neue Mobile App der SBB beim Community Abend der SBB-User-Community, fotografiert am Montag, 31. Oktober 2016, in Zuerich. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Zukunftsmusik: Kann man sich in Zukunft bei der SBB selbstständig ein- und auschecken? Bild: KEYSTONE

Neue ÖV-App: Vielleicht musst du bald nie mehr ein Ticket lösen

Ab Juni 2017 soll eine App automatisch alle ÖV-Reisen abrechnen. Der SBB-Tarifdschungel könnte so gelöst werden.

stefan ehrbar / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

In den Bus oder Zug einzusteigen, ohne sich um ein Ticket kümmern zu müssen, ist GA-Kunden vorbehalten. Der Durchschnitts-Reisende müht sich an den Billettautomaten mit unzähligen Via-Kombinationen und Spezialtickets ab. Das könnte sich nun ändern. Eine neue App, entwickelt von der Berner Bahngesellschaft BLS, soll ab Juni 2017 das Ticket-Lösen für alle überflüssig machen.

«Lezzgo» heisst die Smartphone-Anwendung, welche vom Team des IT-Strategiechefs Andreas Kronawitter entwickelt wurde. Die App funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Wer eine Reise macht, checkt in der App ein, sobald er das erste öffentliche Verkehrsmittel betritt. Sobald die Reise beendet ist, muss man wieder auschecken.

Dazwischen kann man beliebig oft umsteigen. Ein Ticket muss nicht gelöst werden. Die App zeichnet die Reise mithilfe des GPS-Signals und anhand von Standortdaten von WLAN, Mobilfunk-Zellen und mit Bewegungssensoren der Smartphones auf. Am Ende einer Reise wird sie automatisch zum günstigsten Tarif abgerechnet. Das funktioniert auch, wenn am selben Tag eine weitere Reise unternommen wird.

Vor einigen Wochen startete die BLS den Testbetrieb der App. Mittlerweile kann sie in den Tarifverbünden libero, frimobil und Passepartout genutzt werden. Der technische Pilotbetrieb soll Ende des zweiten Quartals 2017 beendet sein, wie Kronawitter sagt. Ob sie dann tatsächlich in der ganzen Schweiz genutzt werden kann, hängt allerdings mehr von der Politik denn von der Technik ab. Denn die Tarifstruktur in der Schweiz ist komplex.

Tarifverbünde als Fragezeichen

Für den sogenannten direkten Verkehr, also beispielsweise die Strecke Bern–Zürich, darf die BLS mit der App zwar Tickets verkaufen. Nicht genutzt werden kann die App zurzeit aber etwa für die Strecke Bern–Zürich Bellevue, weil eine Tramfahrt im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) dabei wäre. Insbesondere der ZVV hat die Hoheit über seine Tarife und darf selbst entscheiden, wer seine Tickets vertreiben darf. 20 Tarifsysteme mit mehr oder weniger strengen Regeln dieser Art gibt es insgesamt in der Schweiz. Mit ihnen müssen sich die App-Entwickler einigen.

Ob sich «lezzgo» durchsetzen wird, ist unklar. Mit der App «Fairtiq», hinter welcher verschiedene Verkehrsbetriebe stecken, steht eine Alternative in den Startlöchern, welche nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert. Man habe verschiedene konkrete Offerten von App-Anbietern auf dem Tisch, sagt etwa Stefan Kaufmann vom ZVV. Ob man sich für eine bestimmte oder mehrere Apps entscheide, sei noch unklar.

Ob «Fairtiq» oder «lezzgo» in Zukunft den Markt dominieren oder ob die Hintergrundsysteme sowieso zusammengelegt werden, wie Kronawitter von der BLS vermutet: Der GA-Komfort für alle steht bevor. Im zweiten Halbjahr 2017 könnten die SBB aufspringen. Angedacht ist, dass die Funktionen von «lezzgo» in die sogenannte Preview-App der Bundesbahnen integriert werden, welche damit eine Marktakzeptanz-Studie durchführen könnten.

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    Alle Leser-Kommentare
  • mrmikech 21.11.2016 20:11
    Highlight Highlight In London - etwa 10 millionen Einwohner - kann man einfach kontaktlos ÖV bezahlen (Kreditkarte und so), via ein- und auschecken, zum günstigsten Tariff. Warum muss die Schweiz jaaaaaaaahrenlang neue Sachen entwickeln wann die Lösung irgendwoanderes schon eingesetzt wird?
    • andal 21.11.2016 22:02
      Highlight Highlight In London braucht es Gates und die Leser in den Bussen - das sind teure Investitionen und teure Betriebskosten.
  • baldini75 21.11.2016 10:23
    Highlight Highlight Beim benutzen von lezzgo kann man gleich zuschauen wie die app die batterie leersaugt. 20% auf eine fahrt von 15 Minuten... zurück zum start bitte
    • andal 21.11.2016 22:05
      Highlight Highlight Hm. Ich weiss ja nicht, welches Smartphone sie verwenden. Bei mir macht es kaum was aus.
  • Daniel_a 21.11.2016 10:17
    Highlight Highlight Wie funktioniert das mit dem ein und auschecken genau? Muss man eine bestimmte Zugstrecke anwählen? Kriegt man Probleme, wenn der Zug Verspätung hat?

    Jedenfalls würde ich ein elektronisches System begrüssen, aber für die ganze Daten, die mit der App gesammelt werden einen Gegenwert erwarten, z.B in Form von Punkten oder Geldgutschriften nach einer bestimmten Anzahl gefahrenen Kilometern.
  • Bits_and_More 21.11.2016 08:30
    Highlight Highlight Guter Ansatz, doch schwer in der Umsetzung, wie soll das System sich verhalten, wenn kein GSP und Mobilfunksignal vorhanden ist? Was wenn der User den Empfang von mobilen Daten und GPS manuell ausschaltet? Was geschieht, wenn der Akku leer wird?
    Ich bin gespannt, wie die Entwickler diese Probleme lösen werden / wollen.

    Persönlich denke ich, dass ein System mit einchecken via Swiss Pass realistischer und höher Verfügbar wäre. Ähnlich wie die Entwertungsapparte für die Mehrfartenkarte würde man sich einchecken und am Endbahnhof auschecken.
    • Snozzlebert Crackerdong 21.11.2016 13:47
      Highlight Highlight Finde deine Idee vom ein- und auschecken an der Haltestelle mit dem Swiss Pass super, funktioniert z.B. auch schon in Dublin problemlos. Da hast du eine Karte (Leapcard) für alle Verkehrsmittel und checkst jeweils im Bus oder am Bahnsteig ein und aus.
  • chis 21.11.2016 08:19
    Highlight Highlight Steuern rauf (500CHF)
    ÖV gratis
    Kosten für den ganzen Kontrollapparat sparen
    = Win?

    Das sollte eigentlich das Ziel sein. Klar is das von heute auf morgen nicht möglich, denn es braucht gewaltige Investitionen. Es wäre aber ein ideales Konjunkturprogramm und Geld ist zZ günstig zu haben.
    • SwissGTO 21.11.2016 18:01
      Highlight Highlight Es gibt Leute die benutzen den öv nie.
  • Amboss 21.11.2016 08:11
    Highlight Highlight Ich kapier das nicht. Die Fairtiq-App (tolles, einfaches System finde ich) gibt es ja schon eine Zeit lang.
    Und die ist ja im Kanton Bern auch verfügbar.

    Wieso muss jetzt die BLS nochmals eine App entwickeln, die ganz exakt genau dasselbe macht?
    Absolut unsinnig, finde ich
  • Michael Buholzer (1) 21.11.2016 07:24
    Highlight Highlight Endlich! Wir sagen immer wie innovativ wir sind und erfinden dann neu was es schon lange gibt. Das Ein- und Auschecken ist sinnvoll und einfach. Neben London machen das auch die Niederlande und zum Teil Norwegen (schon lange). Neben Handy und Spezialkarte (Oyster oder eben Swisscard) geht jeder Kreditkarte.
  • pun 21.11.2016 07:10
    Highlight Highlight Hello akkulaufzeit my old friend, war schön mit dir, doch jetzt ist es leider zeit zu gehen.

    Abgesehen davon muss ich ja trotzdem noch ein- und auschecken, oder? Also zweimal einen leicht geringeren Aufwand betreiben als einmal mit der neuen SBB app (wenn die mal nicht zur rushhour ständig abstürzen würde..).
    Und was, wenn ich vergesse, wieder auszustempeln?
    • Madison Pierce 21.11.2016 09:30
      Highlight Highlight Du musst grundsätzlich nur Einchecken. Wenn Du das Auschecken vergisst, wird von der App erkannt, dass Du Dich zu Fuss oder mit dem Velo bewegst bzw. ausserhalb der Fahrstrecke. Könnte nur Probleme geben, wenn Du an der Tramhaltestelle auf das Auto wechselst und eine Strecke fährst, für die es auch eine Tram- oder Buslinie gibt.

      Das Einchecken könnte theoretisch auch automatisch erfolgen, aber das gäbe wohl Probleme, wenn man mit dem Auto auf einer Buslinie unterwegs ist.
    • walsi 21.11.2016 13:08
      Highlight Highlight DIW APP überwacht also permanent wo ich bin und wie ich mich fortbewege. Diese Erklärung soll mich beruhigen? Sie tut es nicht.
    • andal 21.11.2016 22:09
      Highlight Highlight Die App erinnert einen, wenn man ausgestiegen ist (assisted check-out). Das wird schrittweise optimiert, bis der "Be Out" zuverlässig erkannt wird. Dann können sie wählen, welche Variante sie wollen.
  • walsi 21.11.2016 07:00
    Highlight Highlight Bin ich der Einzige dem es dabei kalt den Rücken runter läuft und an Big Brother denkt. Diese App ist der feuchte Traum jedes Überwachungsfreaks.
    • SemperFi 21.11.2016 10:58
      Highlight Highlight Offensichtlich sind Sie wirklich einer der wenigen. Aber datenschutzmässig ist das eine absolute Katastrophe. Und in zweiter Linie geht es wohl auch darum, nächstens das GA abzuschaffen, was dann eine generelle Preiserhöhung bedeuten wird.
    • andal 21.11.2016 22:12
      Highlight Highlight Wenn sie ein mobiles Telefon verwenden, werden sie schon heute mehrfach "getrackt". Woher glauben sie, kommen z.B. die Stauanzeigen in google maps? Und wie sollte eine Telefonfirma sie verbinden können, wenn sie nicht jederzeit wüsste, wo sie mit ihrem Gerät sind? Die Frage ist, welcher Firma sie mehr vertrauen. Wenn keiner, dann wäre ein Wohnort in einer "radio quiet zone" zu empfehlen.
  • The Destiny // Team Telegram 21.11.2016 06:00
    Highlight Highlight Wenn ich nur schon den Namen dieser app sehe *facepalm*


    Der Akkuverbrauch wird auch nicht gerade gering sein, den Datenschutz kann man Zuhause lassen und wenn man kein Smartphone hat?
    • Sveitsi 21.11.2016 08:50
      Highlight Highlight Hauptsache erst mal die negativen Aspekte sehen.
      Es ist doch niemand gezwungen, die App zu benutzen!
    • The Destiny // Team Telegram 21.11.2016 10:20
      Highlight Highlight @sveitsi, das hab ich mir auch gedacht als ich das erste mal vom Swisspass gehört habe... Man sieht wie es die SBB umsetzt <.<
    • andal 21.11.2016 22:12
      Highlight Highlight Nur hat das nicht die SBB gemacht.
  • Matrixx 21.11.2016 05:50
    Highlight Highlight Das Ganze wäre auch mit einer Karte möglich, die man an der Haltestelle kurz über ein Gerät zieht.

    Deshalb bin ich Fan von der Londoner Oyster-Card. Schnell und unkompliziert.
    • Globidobi 21.11.2016 07:46
      Highlight Highlight Naja so unkompliziert ist sie auch nicht. Ich musste einml am Flughafen Gatwick eine Busse zahlen, da die Oystercard nur im Zentrum von London gültig ist. Ich konnte aber ohne Probleme mit ihr in den Zug einsteigen.
    • Bowell 21.11.2016 08:54
      Highlight Highlight Das gleiche System gibt es in Kopenhagen (Rejsekort). Funktioniert hervorragend.
    • Matrixx 21.11.2016 09:15
      Highlight Highlight @Globidobi

      Das ist dann nicht das Problem des Systems. Für Touris gibts verschiedene Angebote. Und ausserdem kann man dort auch Geld draufladen, und der benötigte Betrag wird nach der Fahrt abgebucht. Egal, wohin du fährst.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bud! 21.11.2016 03:16
    Highlight Highlight Super. Wäre mal auch ein guter Grund, die komplexität der Tarife zu vereinfachen.
    • SemperFi 21.11.2016 10:57
      Highlight Highlight Das bedeutet dann in der Praxis einfach eine generelle Preiserhöhung.

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