Schweiz
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Fertig Güsel-Kübel: Pendler müssen ihren Abfall künftig weiter tragen

Die SBB bauen die Abfallkübel aus allen Zügen der Zürcher S-Bahn aus. Die Massnahme soll den Kunden mehr Beinfreiheit bieten.

Stefan Ehrbar / Schweiz am Sonntag



Pendler am fruehen Morgen im  S-Bahn Bahnhof Zuerich Altstetten, aufgenommen am 3. April 2012. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Eimer pro Türe: Die SBB erschweren die Abfallentsorgung in den Zügen. Bild: KEYSTONE

Zehn Medienmitteilungen verschickten die SBB in den letzten zwei Monaten, um auf das Aufstellen von neuen Recyclingstationen an Bahnhöfen aufmerksam zu machen. Mit keinem Wort erwähnten die Bundesbahnen hingegen, dass die Massnahme mit einem Abbau einhergeht. Denn gleichzeitig mit den neuen Recycling-Stationen verschwinden die Abfallkübel in den Zügen.

Besonders betroffen ist die S-Bahn Zürich. Bei den S-Bahn-Zügen der neusten Generation aus dem Haus Stadler, welche seit 2011 umherkurven, wurden Abfallkübel in den Abteilen erst gar nie eingebaut. Stattdessen müssen sich die Kunden mit Kübeln im Eingangsbereich begnügen.

38'000 Tonnen Abfall...

... entsorgen die SBB jährlich. Darunter sind 31 000 Tonnen Kehricht, 6100 Tonnen Papier und 43 Tonnen Glas. 1200 Mitarbeiter kümmern sich um die Reinigung.

Dieses Prinzip wird nun auf die ganze S-Bahn Zürich übertragen. Wie SBB-Sprecher Reto Schärli bestätigt, werden die Abfallkübel in den Abteilen momentan aus allen Zügen der S-Bahn entfernt – also auch aus den S-Bahn-Zügen der ersten und zweiten Generation. Damit erhielten die Reisenden mehr Beinfreiheit, sagt Schärli. Auf die Verunreinigung in den Zügen habe der Abbau keinen Einfluss.

Ob tatsächlich Komfort- und nicht Sparüberlegungen hinter der Massnahme stecken, muss offenbleiben: In der ersten Klasse bleiben die Abfalleimer am Platz nämlich bestehen. In einem SBB-Blog heisst es, die kleinen Kübel hätten sowieso wenig Platz für Abfall geboten.

Betroffen sei nicht nur die S-Bahn Zürich: In den nächsten Jahren solle die ganze Regionalverkehrsflotte der SBB vom Kübel-Sterben betroffen sein. Ob der Umbau stattfindet, ist allerdings noch unklar. Vorerst beschränke sich der Abbau auf den Zürcher Verkehrsverbund, sagt SBB-Sprecher Schärli. Für andere Regionalzüge sei die Massnahme noch nicht finanziert und werde derzeit geprüft. Konkrete Pläne gebe es noch nicht.

In ihrem Blog verweisen die SBB darauf, dass immer mehr Abfall aus den Zügen genommen werde. Im Bahnhof Bern wurden zwischen 2012 und 2015 etwa 73 Tonnen mehr Abfall von den Kunden selbst in den Kübeln im Bahnhof entsorgt, während 31 Tonnen weniger Abfall aus den Zügen genommen werden musste.

Die SBB rüsten deshalb grössere Bahnhöfe mit Recycling-Stationen aus, bei denen Abfall, Papier, Alu und PET getrennt weggeworfen werden können. Die Trennquote dürfte in den neun grössten Bahnhöfen Ende Jahr etwa 45 Prozent betragen.

Von den insgesamt 2300 Tonnen Abfall, welche in diesen Bahnhöfen angefallen sind, wurden 202 Tonnen PET-Flaschen und auch 478 Tonnen Papier getrennt weggeworfen. Bis Ende Jahr sollen 25 grössere Bahnhöfe mit den Stationen ausgerüstet werden.

Auch in Zürich fehlen Kübel

Die SBB sind nicht der erste Schweizer Verkehrsbetrieb, der auf Abfalleimer verzichtet. Im Sommer 2013 verschwanden sie etwa nach einem erfolgreichen Pilotprojekt aus allen Fahrzeugen der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Ein halbes Jahr später bilanzierten die VBZ im «TagesAnzeiger», die Trams und Busse seien sauberer geworden – etwa, weil keine halb leeren Dosen mehr in den Wagen entsorgt werden könnten, welche dann in die Fahrzeuge tropften. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • E. Regiert 28.11.2016 08:46
    Highlight Highlight Die SBB will Brezelkönige auf dem Perron, aber keinen Abfall in den Waggons.
    Das ist , wie in einen Puff mit Jungfrauen betreiben zu wollen.
  • dracului 27.11.2016 14:35
    Highlight Highlight In den letzten Jahren hat sich das Verhalten der Reisenden stark geändert und es wird viel mehr gegessen in den Zügen. Mir scheint, dass am Morgen immer mehr Leute im Zug frühstücken. Das zunehmende Essangebot an den Bahnhöfen scheint dieses Verhalten zu begünstigen. Jeden Tag muss auch der Abfall der Gratiszeitungen (20min, Blick am Abend) bewältigt werden. Ich fände eine Belebung eines gewissen "Grundanstands" toll, wenn jeder den Zug so verlässt, wie er eingestiegen ist und seine Abfälle selber am Zielbahnhof entsorgt! PS: Das gilt auch für grüne Politiker und ihr morgendliches Müsli.
  • BoomBap 27.11.2016 13:12
    Highlight Highlight Im Rheintal Express ist das schon so und ich muss sagen, es funktioniert erstaunlich gut. Selten bleibt Abfall liegen.
  • Meitlibei 27.11.2016 12:41
    Highlight Highlight First world problems.
  • Gianni48 27.11.2016 12:30
    Highlight Highlight Auch beim Wandern, Fahrradfahren nehme ich den von mir erzeugten Abfall mit und entsorge ihn richtig, warum nicht auch im Zug (ich benutze nur den ÖV, die Füße und das Fahrrad, Auto hab ich keins). In den Bahnhöfen kann man den Abfall sogar noch richtig bequem entsorgen in die richtigen Behälter. Einfacher geht's wirklich nicht mehr!
  • nolle 27.11.2016 11:53
    Highlight Highlight Ich sehe hier das Problem irgendwie nicht. Wem es zu umständlich ist, das Papierchen zum Abfall zu tragen, kann es auch wieder zurück in seine Tasche stecken, von dort kam es ja auch ursprünglich. Und ob es nun eine Sparmassnahme oder ein Mittel zu mehr Beinfreiheit ist, ist dahin gestellt, aber wie gesagt ich sehe hier sowieso kein Anlass um zum rumheulen.
  • Schreiberling 27.11.2016 11:44
    Highlight Highlight Ich finds gut. Es gab kaum was ekligeres, als die verschmierten, dreckigen und klebrigen kleinen Abfalleimer. Jene im Eingangsbereich reichen völlig aus. Und wer schon einmal in einer S-Bahn der neusten Generation sass, weiss dass die Züge deshalb nicht schmutziger sind.
  • JonathanFrakes 27.11.2016 11:34
    Highlight Highlight "Auf die Verunreinigung in den Zügen habe der Abbau keinen Einfluss."

    Natürlich nicht, wie kommt man darauf?
    • Lambda 27.11.2016 12:22
      Highlight Highlight Vielleicht weil bereits seit 5 Jahren Züge ohne Kübel bei den Sitzplätzen unterwegs sind? 😉
    • lilie 27.11.2016 15:58
      Highlight Highlight @Jonathan: Man hatte vermutlich Angst, die Leute würden ihren Abfall einfach liegenlassen, wenn sie am Platz keinen Abfallkübel mehr finden.
    • JonathanFrakes 28.11.2016 00:19
      Highlight Highlight @lilie: Das war natürlich eine rethorische Frage! Es wird mehr Müll im Zug liegenbleiben. Selbst oft genug erlebt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Heledar 27.11.2016 11:23
    Highlight Highlight Eine gute Sache. Viele Buslinien und S-Bahn Linien im ZVV haben dies schon. Und eine Sparmassnahme ist dies auch nicht. Die Züge werden ja noch immer gleich oft gereinigt.
    • lilie 27.11.2016 15:59
      Highlight Highlight @Heledar: So weit ich mich erinnern kann, gabs für die Leerung dieser kleinen Abfalleimer einen eigenen Mitarbeiter. Der kann nun natürlich eingespart werden.
    • exeswiss 04.12.2016 03:52
      Highlight Highlight @lilie bei der bls ist es der selbe, der mit dem abfallsack rumläuft, also kein speziell dafür zuständiger.
    • lilie 04.12.2016 07:31
      Highlight Highlight @exeswiss: Hab mich ungenau ausgedrückt: Ich wollte sagen, dass es zwei Mitarbeitertypen gibt, solche, die den Zug reinigen (von den abgeschafften Abfallkübeln kaum betroffen), und solche, die den Abfall einsammeln (direkt von den abgeschafften Abfallkübeln betroffen).

      So rein vom Schauen sah das jeweils ziemlich umständlich aus, den Abfall mit behandschuhten Händen aus diesen kleinen Kübeln herauszugrübeln. Nur noch Abfall einsammeln geht viel schneller - also wurden da bestimmt Stellen gestrichen.
  • Goon (Zeuge Del Curtos) 27.11.2016 11:10
    Highlight Highlight Ist im Regio Express Chur-Zürich schon länger so.
  • WeischDoch 27.11.2016 11:07
    Highlight Highlight Sparen...nichts anderes. Aber ok. Ich lass es unter meinem Sitz
    • Pisti 27.11.2016 11:38
      Highlight Highlight Inwiefern wird gespart? Die Züge werden genau gleich gereinigt, warscheinlich sogar noch mehr, weil viele ihren Dreck warscheinlich einfach liegen lassen im Zug. Und das Reinigungspersonal am Bhf wird auch mehr zu tun haben. Die SBB möchte ja bei der Infra. und der Reinigung Personal aufstocken. Da ist nichts mit sparen.
    • Fly Baby 27.11.2016 11:45
      Highlight Highlight Genau wie bei dir zu Hause, ab unters Sofa der Müll, gell. Momol super Typ.
    • Krocsyldiphic 27.11.2016 11:46
      Highlight Highlight Same here. Eigentlich müsste man den Hausmüll auch gleich noch deponieren, um den Ticketpreisen gerecht zu werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • oXiVanisher 27.11.2016 10:54
    Highlight Highlight Service public
  • Luca Brasi 27.11.2016 10:42
    Highlight Highlight Toll! Die 1. Klasse kriegt keine Beinfreiheit. Wie diskriminierend. *Ironie aus*
    Was mache ich, wenn ich einen Sitzplatz erwische, es gegen die Mittagszeit geht, viele Pendler einsteigen und ich mir einen Apfel gönne? Muss ich wohl die ganze Fahrt warten und Bioabfalltonnen gibt es am Bahnhof nicht, aber Hauptsache Beinfreiheit.
    • Goon (Zeuge Del Curtos) 27.11.2016 11:30
      Highlight Highlight Bitschgi essen. Sehe das problem nicht ;-)
    • Sagitarius 27.11.2016 11:43
      Highlight Highlight @Goon: Du hast recht! Aber es heisst: Gütschi! 😉
    • Karoon 27.11.2016 11:46
      Highlight Highlight Erstklass-GA kaufen oder das Apfelessen auf früher oder später verschieben - die Mitreisenden sind Ihnen sicher dankbar :-) (*schmatz*, *mampf*)
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