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Erlöst nach dem Nein zur Unternehmenssteuerreform: Andrea Arezina (Mitte) jubelt mit der SP.
© Jonas Zürcher/az

Erlöst nach dem Nein zur Unternehmenssteuerreform: Andrea Arezina (Mitte) jubelt mit der SP.  Bild: Jonas Zürcher/az

Andrea Arezina – sie hat die Schweizer Wirtschafts-Elite ins Elend gestürzt

Andrea Arezina aus Brugg hat grossen Anteil am Nein zur Unternehmenssteuerreform: Sie koordinierte als Co-Leiterin die Kampagne der Gegner – spricht den Erfolg aber nicht sich, sondern dem Volk zu.

Mario Fuchs / az Aargauer Zeitung



Er strahlt, jubelt, ballt die Faust: Es ist ein glücklicher Christian Levrat an einem – für die Linke – glücklichen Sonntag. Das Foto zeigt den SP-Parteipräsidenten, umrahmt von Parteifreunden, wie er sich über das Abstimmungsresultat freut. Am Tag nach dem Nein zur Unternehmenssteuerreform erscheint die Aufnahme in vielen Zeitungen: Die SP im Freudentaumel. Ein seltenes Bild, auch deshalb das Bild des Tages.

SP Jubel im Hauptquartier des Nein-Komitees gegen die USR III, von links, Yvonne Beutler, Finanzvorsteherin der Stadt Winterthur, die Nationalraetinnen Margret Kiener Nellen, BE, und Susanne Leutenegger Oberholzer, BL, SP-Praesident Christian Levrat, FR, Nationalraetin Prisca Birrer-Heimo, LU, Ursula Marti, Praesidentin der SP des Kantons Bern, und Andrea Arezina, Kampagnenleiterin der SP, am Sonntag, 12. Februar 2017 im Progr in Bern. Das eidgenoessische Stimmvolk hatte am Sonntag ueber drei Vorlagen zu bestimmen, die erleichterte Einbuergerung der dritten Auslaendergeneration, die Schaffung des Nationalstrassenfonds NAF, sowie die Unternehmenssteuerreform USR III. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

SP-Chef Levrat jubelt über das USR-Nein. Ganz rechts: Andrea Arezina. Bild: KEYSTONE

Ganz am Rand, ein Arm schon angeschnitten, steht eine junge Aargauerin, bestickte Bluse, grauer Blazer, die Ärmel lässig nach hinten gekrempelt. Es ist Andrea Arezina, aufgewachsen in Brugg, später wohnhaft und als Einwohnerrätin engagiert in Baden, inzwischen abgewandert in die andere Limmatstadt, die mit Z.

Sie hat alles dafür getan, damit dieser 12. Februar für die Linke ein glückvoller wird: Als Co-Leiterin koordinierte sie mit Stefan Krattiger im SP-Zentralsekretariat die Nein-Kampagne.

«Wir haben gezeigt: Wenn man sich gemeinsam für eine Sache einsetzt, kann man etwas erreichen, auch mit wenig Budget.»

Andrea Arezina

Die Zeitungsseiten mit dem Foto werde sie nicht im Büro aufhängen, sagt sie im Gespräch mit der AZ: «Aber es sind schöne Erlebnisse, die bleiben. In der Linken haben wir diese ja etwas seltener als in der Rechten.»

Auf die Resultate im Aargau habe man genau geschaut: früh zeichnete sich ab, dass es einen deutlichen Sieg geben könnte. An einen solchen habe sie immer geglaubt – «als Kampagnenleiterin muss ich ein klares Ziel vor Augen haben» – aber dass er so deutlich ausfalle, habe auch sie überrascht.

Was sie berührt habe, sei «das Engagement der Zivilgesellschaft»: All die Leute, die auf die Strasse gingen, Flyer verteilten, Leserbriefe schrieben. «Für sie freue ich mich wahnsinnig. Wir haben gezeigt: Wenn man sich gemeinsam für eine Sache einsetzt, kann man etwas erreichen, auch mit wenig Budget.»

Von Widmer-Schlumpf «überrumpelt»

Natürlich sei Geld im Abstimmungskampf «nicht völlig irrelevant», doch bei der USR habe man schlicht die besseren Argumente gehabt. «Es gelang uns, aufzuzeigen, dass die Ausfälle vom Mittelstand hätten bezahlt werden müssen.»

Übrigens: Als sich Eveline Widmer-Schlumpf kritisch zur Vorlage äusserte, war Arezina «genauso überrumpelt wie die Befürworter», wie sie am Sonntag einem Fachblog verriet.

Zu viel des Lobes will die 32-Jährige ohnehin nicht für sich beanspruchen. Sie betont mehrmals, der Sieg sei nicht ihrer, sondern «der des Volks und unseres Teams»: «Alleine könnte das niemand erreichen.»

Wie man gemeinsam für ein Ziel kämpft, lernte die Schweizerin mit bosnischen Wurzeln bei der Juso. Im Personalbüro eines Konzerns hatte sie nach der KV-Lehre miterlebt, «wie ein 55-jähriger Familienvater die Kündigung erhielt, weil sein Vorgesetzter mehr Businessflüge buchen und sich ein fetteres Büro leisten wollte», wie sie 2009 der «WOZ» erzählte.

Keine Zeit, um den Lohn auszugeben

Vor allem politisiert hatte sie schliesslich, «dass Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, aber keinen Schweizer Pass haben, nichts zu sagen haben.» So freute sie sich am Sonntag auch über das Ja zur erleichterten Einbürgerung.

In Baden etwa setzte sie sich mit Cédric Wermuth für bezahlbaren Wohnraum ein, auch mittels Hausbesetzung im Bäderquartier. Später Mitarbeit in Ortspartei und Einwohnerrat, heute als Vizepräsidentin der SP Kanton Zürich.

Zur USR-Kampagnenleitung kam sie durch ihre Erfahrung als Campaignerin bei der 1:12-Initiative. Die USR III war ihr bislang grösstes Projekt.

Die Anstellung ist, wie immer in diesem Business, befristet. Nun analysiert das Team, was funktionierte, was man noch besser machen könnte. Ende Monat läuft der Vertrag aus. Was dann? «Puh», fährt es aus Andrea Arezina: «Ich hatte noch keine Zeit, darüber nachzudenken. Dafür auch nicht, um meinen Lohn auszugeben.»

Dass es eine nächste Kampagne geben wird, ist sicher. Aber zuerst gibt es Ferien. Zeit für Freundinnen und Familie, die zuletzt komplett auf ihre Andrea verzichten mussten. Dafür können sie sie jetzt in der Zeitung strahlen sehen.

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 15.02.2017 03:37
    Highlight Highlight "Sie koordinierte als Co-Leiterin die Kampagne der Gegner – spricht den Erfolg aber nicht sich, sondern dem Volk zu."

    Merkt es euch: Ab sofort darf man auf Watson dem Volch wieder Volk sagen.
  • CASSIO 14.02.2017 17:41
    Highlight Highlight Die Sieger sind nicht die Linken, sondern die Verlierer sind die Rechten und hier in erster Linie Finanzminister Maurer und die SVP-Elite. Dass die FDP wirtschaftsfreundliche Steuergesetze gutheisst, ist nichts neues, auch ich bin dafür. Hier dem Ausland, und im Besonderen EU und OSZE, nachzugeben, ist der falsche Weg, vor allem wenn man mit Lizenzboxen neue Instrumente ex EU (Irland) kopiert. Maurer hat durch's Band versagt! Statt eine durchdachte Lösung mit den Kantonen und für den Mittelstand zu erarbeiten, hat er in Zusammenarbeit mit Parlament eine neue Bonzengünstlingssteuer eingeführt.
  • Herr Hasler 14.02.2017 17:20
    Highlight Highlight Was genau bedeutet Co-Leiter schon wieder??
  • piedone lo sbirro 14.02.2017 16:27
    Highlight Highlight die forenbekannten SVPler sehen sich plötzlich als sieger.
    obwohl lediglich die hälfte der SVP wähler gegen die USR III war.

    geldelite, bauern und die staatsangestellten waren dafür, die rentner und die minderverdiener dagegen. hätte nicht linksgrün geschlossen, und die mitteparteien wähler mehrheitlich dagegen gestimmt, wäre die USR III nie abgelehnt worden.

    die SVPler waren lediglich noch der sargnagel.

    da wollen sich welche mit fremden federn schmücken.
    • Posersalami 14.02.2017 16:41
      Highlight Highlight Was hätten die Staatsangestellten von der USR III gehabt?
    • Tepesch 14.02.2017 16:43
      Highlight Highlight @piedone lo sbirro
      Diese SVPler haben auch das Gefühl, die EMI hätte die USR3 zu Fall gebracht 🤣
  • Wehrli 14.02.2017 15:43
    Highlight Highlight Liebe Watson-Polemiker: gebt mir doch mal eine Definiton der "ins Elend gestürzten Elite", würde mich wunder nehmen, wer denn "Die" sind, "Denen wir es gezeigt haben" ...
  • MacB 14.02.2017 15:16
    Highlight Highlight Wer ist Arezina?
    • Wehrli 14.02.2017 15:42
      Highlight Highlight Die kleine Schwester von Arsen
  • Regas 14.02.2017 14:56
    Highlight Highlight Vielen dank Andrea Arezina du hast die Wirtschafts-Elite ins Elend gestürzt! Die wird sich vom tiefen Fall kaum mehr erholen können. Pravo!
    • Spooky 14.02.2017 23:50
      Highlight Highlight @Regas
      Ist das Satire?
  • Döst 14.02.2017 14:51
    Highlight Highlight Also für mich ist Kurt Fluri FDP der inoffizielle Kampagnenleiter gegen USR3. Schliesslich hat er massgeblich die MEI nicht umgesetzt, die Verfassung gebrochen, das Volk betrogen und somit den Weg für das USR3 Nein geebnet.
    Irgendwie amüsant: FDP&SP haben gemeinsam sowohl MEI als auch USR3 verhindert
    • Tepesch 14.02.2017 15:52
      Highlight Highlight @Dast S.
      Wenn es an der MEI liegt, warum wurden dann die beiden anderen so deutlich Vorlagen angenommen???
    • Döst 14.02.2017 16:02
      Highlight Highlight @Tepesch:
      weil es bei Einbürgerung und NAF Vorlage weder Verfassungsbruch noch Volksbetrug gab
    • piedone lo sbirro 14.02.2017 16:38
      Highlight Highlight @dast s.

      ziemlich wirr was sie da getippt haben.

      die FDP war praktisch geschlossen für die USR III, sowie die geldelite der SVP.

      die MEI ist ein witz wie die SVP. blocher&co wollten die USR III und nicht die MEI, sonst hätte die SVP das referendum gegen die umsetzung der MEI ergriffen.

      ohne die globalisierungsgewinner (blocher/matter/frey usw.) wäre die SVP nie zur wählerstärksten partei aufgestiegen. oder glauben sie, dass die verlierer die millionen teuren kampagnen berappen?

      http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/66971/warum-die-mei-umsetzung-kein-verfassungsbruch-war/


    Weitere Antworten anzeigen
  • DerTaran 14.02.2017 14:03
    Highlight Highlight «wie ein 55-jähriger Familienvater die Kündigung erhielt, weil sein Vorgesetzter mehr Businessflüge buchen und sich ein fetteres Büro leisten wollte» mit Verlaub, ich glaube diese Aussage ist populistischer Blödsinn, dafür erfunden worden, den Hass zu schüren und den Klassenkampf anzuheitzen.
    Shame on you Watson, das ihr diesen Satz ohne zu hinterfragen als Tatsache gebracht habt.
    So entstehen alternative Fakten und Fakenews.
    • u.s. 14.02.2017 14:14
      Highlight Highlight 1. Der Artikel stammt von: "Mario Fuchs / az Aargauer Zeitung".
      2. Haben Ihre Tiraden nichts mit journalistischer Arbeit vor Ort zu tun mit realen Menschen aus Fleisch und Blut. Einfach etwas anonym in der Kommentarspalte rumgifteln und andere der Lüge bezichtigen, ist sicher keine Heldentat.
    • pamayer 14.02.2017 14:21
      Highlight Highlight Wohl kaum alternativefacts, wenn's in der WOZ kommt. Die ist eine der letzte wirklich recherchierenden Zeitungen.
    • DerTaran 14.02.2017 14:50
      Highlight Highlight Dann hat die WOZ eben versagt. Es ist eine völlig unbewiesene Aussage: Wer war der böse Manager? Bei welcher Firma ist das passiert? Woher weiss Frau Arezina, dass er wegen Businessclass und Büro gekündigt wurde? Wo ist die Stellungname der Betroffenen? Hat der Manager noch seinen Job.
      Wenn ihr nicht erkennt, dass ihr hier eine höhrensagen Geschichte ohne Nachfrage als Wahrheit akzeptiert, dann seit ihr nicht besser als die SVP Anhänger, die Blocher auch jeden Stuss glauben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hades69 14.02.2017 13:39
    Highlight Highlight Danke Andrea für deinen Einsatz!!

    Und an all die Hater die es Andrea nicht gönnen: Was habt Ihr denn für die Abstimmung gemacht? Einen Kommentar auf Watson geschrieben?
    • Maragia 14.02.2017 15:07
      Highlight Highlight Mir kommts so vor, als wäre für die Leute eine Abstimmung zu gewinnen so etwas wie für den Federer ein Tennisspiel zu gewinnen.
      Dabei sollte es um das Volk gehen, nicht um eine Trophäe für sich zu Hause...
    • u.s. 14.02.2017 15:08
      Highlight Highlight "Was habt Ihr denn für die Abstimmung gemacht? Einen Kommentar auf Watson geschrieben?"
      Diese Haters sollten sich ev. besser fragen, was das Genie Bigler vom Gewerbeverband und sein Team alles so gemacht haben in der Kampagne... Irgendwelche Leute, die da im Hintergrund dabei waren, muss es ja gegeben haben. Und sie wären das Pendant zu Andrea und Co., nicht einzelne Stimmbürger/innen hier. Aber vielleicht bleiben die Leute von Bigler lieber eher etwas anonym und möchten sich nicht exponieren nach dieser katastrophalen Kampagne...
  • Mr. Raclette 14.02.2017 11:56
    Highlight Highlight Nein, die Schweizer Wirtschaftselite hat sich selber ins Elend gestürzt. Das hat sie in den letzten Jahren ganz alleine zustande gebracht!
    • Wehrli 14.02.2017 15:40
      Highlight Highlight Der Osterhase ist zumindest realer als irgendeine Linke Utopie ...
  • jjjj 14.02.2017 11:42
    Highlight Highlight nie von ihr gehört, selbständig informiert und Nein gestimmt.
    Jetzt kommt dann gleich auch noch Operation Libero. gähn...
  • Filipposchubser 14.02.2017 11:35
    Highlight Highlight Die Meinung von Frau Widmer Schlumpf war sehr wichtig und hat mich am meisten überzeugt.
    • Henzo 14.02.2017 13:57
      Highlight Highlight ging mir genau so ...sie ist für mich eine der glaubwürdigsten und kompetentesten personen auf dem politparkett.

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