So wirst du zum Finance Bro und verdienst «multiple 100»(-tausend) Franken

Für das SRF macht Donat Hofer eine Sendung über das Leben – «Donat auf Achse». Dabei quatscht er Menschen auf der Strasse an und führt eine kurze Unterhaltung mit ihnen. Die Sendung soll zeigen, was Menschen in der Schweiz bewegt.
«Multiple Hundert.» Das ist die Antwort auf Donats Frage, wie viel er als «Sales Guy» (Verkäufer) bei einem amerikanischen Asset Manager verdiene. Mehrere Hunderttausend Franken verdient Roman, der von Donat Hofer an der Bahnhofstrasse beim Paradeplatz in Zürich angesprochen wird. Das Video ging innert Tagen viral. Siehe selbst, warum.
Willst du auch einen schönen Batzen verdienen, dann folge nun dieser Anleitung, um zum kompletten Finance Bro zu werden.
Location
Sichtbarkeit bringt Marge.
Bewege dich nur an Orten, die modern und teuer wirken oder auf Social Media viral gingen.
Bars, Restaurants und Cafés gelten als cool, weil sie von interessanten Leuten besucht werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Coolheit automatisch auf dich übergeht, wenn du da auftauchst.
Beispiel: Ein neues Café ist plötzlich in. Du erzählst jedes Mal, wenn dieses Café erwähnt wird, dass du da auch schon warst. Andere Menschen denken: «Ich habe gehört, das Café soll cool sein. Du warst auch schon da, also musst du cool sein.» Deine Mitmenschen assoziieren dich mit coolen Sachen.
Da an coolen Orten coole Leute sind, ist es auch ein extrem gut geeigneter Ort, um zu networken. Durch coole Freunde steigst du in der Gesellschaftshierarchie weiter auf. Denn wie bei Orten gilt auch bei Freunden: Coole Menschen haben coole Freunde. Du hast coole Freunde, also bist du cool.
Wichtig ist dabei, dass du deine coole Umwelt auch in die Welt hinausträgst. Mach lieber mal einen Insta-Post mehr und erzähl möglichst vielen Menschen möglichst ausführlich davon.
Appearance
Fake it till you make it.
Wenn du viel verdienen und reich werden willst, dann musst du zuerst reich wirken. Keine Firma wird dir eine halbe Kiste Jahreslohn zahlen, wenn der Big Boss das Gefühl hat, dass du das nicht händeln kannst. Dein Erscheinungsbild fungiert als Code, der anderen vermittelt: Ich bin schon reich, also sollte ich noch mehr Geld bekommen.
Kleider
Lass dir deine Kleider schneidern! Richtige Connaisseure erkennen, ob dein Anzug von der Stange oder vom Nobelschneider ist. Trage vorzugsweise Oberteile mit Kragen. Solltest du zu einem T-Shirt greifen, dann stelle sicher, dass es von einer teuren Marke ist, deren Logo an einer prominenten Stelle platziert ist. Im äussersten Notfall kannst du es auch unter deinem Patagonia-Gillet verstecken. Trage keine Jeans, nie. Farblich sollte es nicht zu ausgelassen sein. Du bist ja kein Hippie.
Die Qualität der Kleider ist eigentlich nicht so wichtig. Klar, eine teure Arc'teryx-Jacke hat den Vorteil, dass du jemandem all ihre Gadgets erklären kannst. Bestenfalls hast du sie auch noch zu einem Schnäppchenpreis erhalten, was dein Talent als Dealmaker unter Beweis stellt. Gleichzeitig signalisierst du mit billig produzierten oder sehr heiklen Markenartikeln aber auch, dass du es dir locker leisten kannst, diese zu ersetzen.
Frisur
Lass dir deine Haare mindestens alle zwei Wochen schneiden. Die Frisur sollte anständig aussehen. Da hilft oft eine grosse Portion Haargel. Der Coiffeur sollte möglichst talentiert und komplett überqualifiziert für deinen Seitenscheitel sein. Wichtig ist jedoch, dass er eine spannende Origin Story hat, damit du anderen erzählen kannst, wie toll dein Coiffeur ist – irgendwas inspirierendes. Ein Beispiel: Mein Coiffeur war mal Koksdealer, weshalb er nun keine Nasenwand mehr hat. Kurz vor dem Abgrund hat er jedoch seine Päcklis gegen Schere und Rasierer eingetauscht. Die Kunden sind dieselben geblieben.
Mindset
Der Markt schläft nie, also schläfst du auch nicht.
Du arbeitest immer. Solltest du ausnahmsweise einmal etwas Freizeit haben, arbeitest du an deiner Selbstoptimierung. Du bist ein Hustler.
Behandle jede zwischenmenschliche Interaktion als einen Sales Pitch. Dein Produkt: du. Versuche deinem Gegenüber klarzumachen, dass du erfolgreich bist und deshalb mehr weisst. Du hast die Antworten, nicht die Fragen. Erklär ihm die Welt und verweise stets auf deine eigene Lebensweise.
Solltest du etwas nicht wissen, gib das auf keinen Fall zu, das könnte als Schwäche missinterpretiert werden. Entweder hast du etwas Ähnlicheres schon einmal gehört, aber anders, oder du zweifelst die Expertise deines Gesprächspartners an.
Talken
Ein gutes Wording verschiebt Kommas auf dem Bankkonto.
Wenn du rhetorisch überzeugen willst, ist das Wichtigste, dass du möglichst viele Anglizismen in deine Sätze packst. So wirkst du international (auf Englisch ausgesprochen). Die Aussprache sollte dabei möglichst amerikanisch klingen. Hier ein Beispielsatz:
FYI, die Low Hanging Fruits ASAP zu delivern ist ein No Brainer, wenn wir unserer Roadmap weiter folgen wollen. Für einen Workaround müssen wir sonst im Deep Dive einen Out-of-the-Box-Fix pitchen, um noch einen Impact zu machen.
Kompliziert wirkende Finanzausdrücke sind einfacher, verständlicher Sprache immer vorzuziehen. Einerseits denken so Unwissende, dass du mehr weisst als sie, und andererseits kannst du ihnen etwas erklären, sollten sie nachfragen.
Wenn du über Geld sprichst, solltest du möglichst vage Mengenangaben machen. Du bist busy. Sprich nie die volle Zahl aus. Es sollte allen klar sein, dass du aus Zeitgründen mindestens drei Nullen einsparst. Alternativ kannst du auch Synonyme verwenden wie Lappen, Taui, MIO, MILL, Kiste, Riesen.
Um dein Mindset zu vermitteln, kannst du gut auf die Populärkultur zurückgreifen. Bring etwas Rap Lingo rein und zitiere, so oft es geht, aus «The Wolf of Wall Street». Jetzt verkauf mir diesen Stift.

