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Geneve-Servette's Head coach Chris McSorley looks on his players, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EV Zug, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Saturday, September 20, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Chris McSorley hatte beim Spengler Cup 2014 stets den Durchblick. Bild: KEYSTONE

Perfekter Auftritt des Bandengenerals

Eismeister Zaugg

Servette gewinnt den Spengler Cup – weil Chris McSorley besser ist als Napoléon

Der einzige wahre Bandengeneral heisst Chris McSorley. Er hat die Russen schon wieder besiegt und nach dem 3:0 über Ufa zum zweiten Mal hintereinander den Spengler Cup geholt. Er ist grösser als Napoléon.



General ist der höchste Dienstgrad. Daher ist in der sportlichen Abteilung der Trainer als Inhaber vom höchsten Dienstgrad ein General. Da er an der Bande seines Amtes waltet, wird er gelegentlich als Bandengeneral bezeichnet.

Nun ist nicht jeder General auch ein fähiger General. Als fähigster oberster Befehlshaber gilt in der Weltgeschichte in der Regel Napoléon. Unter den vielen grossen Bandengenerälen im Schweizer Hockey (Arno Del Curto und Marc Crawford und Kevin Schläpfer und Sean Simpson) ist Chris McSorley der Grösste.

Weil er die meisten Parallelen zu Napoléon hat. Nicht nur, weil er sein Hauptquartier auf französischem Boden hat und bei seinen bisher grössten sportlichen Feldzügen in den Finals von 2008 und 2010 in Zürich und Bern gescheitert ist wie Napoléon vor Moskau.

Geneva's hread coach Chris McSorley gesturing during the game between Switzerland's Geneve Servette HC and Finland's Jokerit Helsinki at the 88th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Sunday, December 28, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Chris McSorley dirigiert seine «Armee» souveräner als einst Napoléon. Bild: KEYSTONE

Das Genie von Napoléon war es, durch schnelle Manöver aus einem Minimum ein Maximum herauszuholen und seine Defensive schlauer zu organisieren. Er riskierte mehr als die gegnerischen Generäle und erfasste eine Situation schneller als seine Gegner und zog daraus die richtigen Schlüsse. Und er kümmerte sich um alle Details. Ausrüstung und Uniformen und Nachschub und Sanitätswesen und Geheimdienst und Transportmöglichkeiten und Wirtschaft und Rechtswesen und Politik und Diplomatie und die Programme in der Oper und im Theater. Es heisst, die Anwesenheit von Napoléon auf dem Schlachtfeld habe den Wert von 40'000 Soldaten gehabt.

Die Anwesenheit von Chris McSorley an der Bande hat mindestens den Wert von einem ganzen Fünferblock. Weil er die Situationen schneller erfasst und daraus die richtigen Schlüsse zieht. Er kümmert sich bei seiner Hockeytruppe als General um alle Details. Und als Mitbesitzer und Manager hat er alle Macht. Wie Napoléon. Der war nicht nur oberster Befehlshaber. Er hatte sich auch noch selber zum Kaiser von den Franzosen gekrönt.

Alle Macht für McSorley

Napoléon scheiterte ja letztlich an der schieren Übermacht von seinen Gegnern. Das ist auch das Schicksal von Chris McSorley. Es gelingen ihm Siege in kurzen Feldzügen wie dem Spengler Cup 2013 und 2014. Vielleicht gewinnt er auch die Neuauflage vom Schweizer Cup. Aber im langen Feldzug um die nationale Meisterschaft erliegt er aus Mangel an finanziellen und sportlichen Ressourcen am Ende von langen Wintern doch den Titanen aus den Bergen oder aus dem Tessin oder den grossen Städten der Deutschschweiz.

Chris McSorley, entraineur en chef du GSHC, pose devant le nouveau tram aux couleurs du Geneve-Servette HC lors de la conference de presse d'avant saison du Geneve-Servette HC, GSHC, ce lundi 10 septembre 2012 a Geneve. (KEYSTONE/Yannick Bailly)

Chris McSorley ist und bleibt Mr. Servette. Bild: KEYSTONE

Chris McSorley ist auch deshalb der letzte wahre Bandengeneral, weil nur noch er die Belastung durch die gesamte Macht trägt. Alle anderen Bandengeneräle – auch Arno Del Curto oder Sean Simpson oder Marc Crawford – tragen nicht die ganze Verantwortung. Um die Geldbeschaffung in ihrem Unternehmen und die wirtschaftliche Verantwortung bei der Ausgestaltung von Spielerverträgen müssen sie sich nicht kümmern. Chris McSorley macht aber auch das noch.

Der Spengler Cup 2014 ist das Meisterstück von Chris McSorley. Obwohl seine Torhüter Nummer 1 und 2 verletzt ausgefallen sind (Robert Mayer und Christophe Bays), hat er das Turnier gewonnen. Man stelle sich das Gejammer vor, wenn in Bern Marco Bührer und Nolan Schaefer ausfallen würden. Oder in Lugano Elvis Merzlikins und Daniel Manzato. Wenn Bern oder Lugano mit dem Torhüter von Hockey Thurgau antreten müssten.

Schwendener, der Glücksgriff auf dem Wühltisch 

Genau so ist es in Genf. Chris McSorley hat bei Hockey Thurgau den 22-jährigen Janick Schwendener geholt. Ausgerechnet den Torhüter, dem der HC Davos letzte Saison nach dem Ausfall von Leonardo Genoni keine Chance geben wollte. Die Verpflichtung von Janick Schwendener hat sich als genialer Schachzug erwiesen. Der ehemalige HCD-Junior, den die Davoser nicht mehr wollten, weil er angeblich mental zu zerbrechlich sei, hat Servette unter maximaler Belastung zum Turniersieg gehext.

Chris McSorley hat auf dem Transferwühltisch eine Goalie-Rolex gefunden, weil er sich wie Napoléon um alles kümmert. Weil er als Einziger von unseren Bandengenerälen jeden Spieler in der Nationalliga in einem ganz besonderen eigenen Bewertungssystem erfasst hat. Weil er so über mehr Informationen verfügt als die Konkurrenz. Das Nachrichtenwesen hat schon so manchen Feldzug entschieden.

Geneva's goalkeeper Janick Schwendener, left, and Kevin Romy, right, fights for the puck against Ufa's Antti Pihlstrom during the game between Switzerland's Geneve Servette HC and Russia's HC Salavat Yulaev Ufa in the final game at the 88th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Wednesday, December 31, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Torhüter Janick Schwendener: beim HC Davos geschasst, mit Servette Spengler-Cup-Sieger. Bild: KEYSTONE

Ein weiteres Meisterstück war seine Kommandoführung in den letzten Minuten im Halbfinal gegen Team Canada. Da machte er SCB-Bandengeneral Guy Boucher lächerlich. Während Chris McSorley seine Jungs fest im Griff hatte und die Schiedsrichter nicht über Gebühr provozierte, drehte Guy Boucher durch.

Schiedsrichter Danny Kurmann hat es so geschildert: «Wir hatten Guy Boucher bereits wegen Spielverzögerung verwarnt. Er nahm den Torhüter raus und schickte acht Feldspieler aufs Eis. Wir konnten deshalb die Scheibe nicht einwerfen. Wir forderten ihn auf zwei Spieler vom Eis zu nehmen. Er holte nur einen vom Eis und wir konnten die Scheibe wieder nicht einwerfen. Da blieb uns gar keine andere Möglichkeit als ihn mit zwei Minuten zu bestrafen.»

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Guy Bouchers Ausraster im Halbfinal. video: srf

Mit dieser Strafe in der letzten Minute raubte Guy Boucher seinem Team die realistische Chance gegen ein wankendes Servette doch noch das 6:6 zu erzielen. Dass der SCB-Bandengeneral auch noch den Anstand verlor und die Schiedsrichter beschimpfte, ist ein anderes Kapitel. Aber eines mit Folgen. Guy Boucher hat sich im Hinblick auf die Playoffs bei den Schiedsrichtern schon wieder unnötig unbeliebt gemacht.

Nur die Ehe mit Vicky Mantegazza fehlt

Chris McSorley hat sich hingegen nach diesem legendären Halbfinale in Davos mit seinem Erbfeind Danny Kurmann versöhnt. Der Kultschiedsrichter erzählt: «Er kam nach dem Spiel zu uns in die Garderobe und lachte und sagte in Bezug auf diese letzte Strafe: ‹Danny, dass wir beide einmal in regeltechnischen Dingen einer Meinung sind, hätte ich wirklich nicht gedacht …›» Wir dürfen uns auf die Playoffs freuen. Wird Guy Boucher in heissen Spielen so völlig überfordert sein wie beim Spengler Cup? Ist er eigentlich ein Bandengeneral oder ein Banden-Rumpelstilzchen?

Chris McSorley hat nach diesem wilden Halbfinale seine Hockeyarmee wieder geordnet und neu aufgestellt und im Finale in einem von den taktisch besten Spielen in der neueren Hockeygeschichte die Russen nach 2013 (5:3 gegen ZSKA Moskau) erneut geschlagen. Ufa aus der grossrussischen KHL musste sich mit 0:3 vor dem taktischen Genie von Chris McSorley verneigen.

Vicky Mantegazza, Praesidentin des HC Lugano, aufgenommen an der Saison-Pressekonferenz, am Mittwoch, 3. September 2014, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Leider hat Chris McSorley schon eine Frau: Sonst hätte er eigentlich Lugano-Präsidentin Vicky Mantegazza heiraten müssen. Bild: TI-PRESS

Napoléon ist an den Russen zerbrochen. Chris McSorley hat die Russen bereits zweimal besiegt. Eigentlich ist Napoléon der Chris McSorley im Militärwesen. Der grösste Unterschied zwischen den beiden ist im Privatleben zu suchen. Um seine Macht zu vergrössern heiratete Napoléon Marie-Louise, die Tochter von Kaiser Franz von Österreich. Würde Chris McSorley auch so denken, hätte er Vicky Mantegazza vor den Traualter geschleppt. Sie ist die milliardenschwere Präsidentin vom HC Lugano.

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