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Lugano's Top Scorer Luca Fazzini in action, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2019/20 between HC Ambri Piotta and HC Lugano at the ice stadium Valascia in Ambri,  Switzerland, Tuesday, December 17, 2019. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Luganos Top-Scorer Luca Fazzini. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Lugano – alternde Leitwölfe, offensive Stehgeiger und der «Point of no Return»

Eigentlich ist das schmähliche 2:7 in Ambri ein gutes Omen für Lugano. Eigentlich. Aber was, wenn es doch am Trainer liegt? Lugano ist nach Verlustpunkten bereits Schlusslicht.



Achtung, fertig los. 3:0 nach 14:08 Minuten. 4:1 nach zwei Dritteln. Am Ende gewinnt Ambri 7:2. Na und? Das hat es schon mal gegeben.

Achtung, fertig los. 3:0 nach 14:58 Minuten. 4:1 nach zwei Dritteln. Am Ende gewinnt Ambri 8:2. Das war am 3. Februar 1998. Trainer Jim Koleff bleibt im Amt. Etwas mehr als ein Jahr später gewinnt er mit Lugano am 5. April 1999 den Titel. Durch ein 3:1 in Ambri im 5. Finalspiel.

Der Optimist sagt: Die Schmach vom Dienstagabend ist also ein gutes Omen für Trainer Sami Kapanen. Im Frühjahr 2021 wird auch er Meister. Die Geschichte wird sich wiederholen.

Luganos Cheftrainer Sami Kapanen gibt Anweisungen, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem HC Fribourg Gotteron und dem HC Lugano, am Dienstag, 3. Dezember 2019, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ist die Niederlage gegen Ambri ein gutes Omen für Sami Kapanen und seine Mannschaft? Bild: KEYSTONE

Der Trainer war bisher in Lugano offiziell kein Thema. Verständlich. Seit dem letzten Titelgewinn von 2006 hat Lugano 13 Trainer «verbraucht». Sami Kapanen ist der 14. Trainer seit der Meisterfeier 2006. Sofern sich der Chronist nicht verzählt hat.

Schon wieder den Trainer wechseln? Nein. Es liegt nicht am Trainer. Aber woran dann?

Tatsächlich ist nicht immer der Trainer schuld. Der SC Bern hat nur einen brauchbaren Torhüter benötigt, um aus der Krise zu kommen. Tomi Karhunen ist statistisch mit einer Gangquote von 93,75 Prozent bereits die beste Nummer 1 der Liga und hat mit Bern vier der letzten fünf Spiele gewonnen. Soeben hat er beim 4:1 im Hallenstadion 32 Schüsse abgewehrt. Es mag eine Ironie der Geschichte sein, dass Luganos Sportchef Hnat Domenichelli mit Niklas Schlegel ausgerechnet den Goalie verpflichtet hat, der in Bern die Krise mitversursacht hat. In Lugano ist der ehemalige SCB-Goalie noch nicht eingesetzt worden.

Niklas Schlegel, neuer Torhueter des HC Lugano, waehrend seiner ersten Trainingseinheit in der Corner Arena des HC Lugano, am Donnerstag, 12. Dezember 2019, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Elia Bianchi)

Niklas Schlegel hatte noch keinen Einsatz bei Lugano. Bild: TI-PRESS

Theoretisch ist die kluge Präsidentin Vicky Mantegazza auf dem richtigen Weg. Zurück zur Bescheidenheit. Aufbau einer starken Identität. Leidenschaft statt pures Talent. Grosse Herzen statt grosse Namen. Geist statt Geld.

So macht es Ambri nun schon seit drei Jahren. So macht es diese Saison Davos. Warum funktioniert es in Lugano noch nicht?

Eine Philosophie im Büro zu entwerfen ist eine Sache. Eine ganz andere ist es, sie auf dem Eis zu leben. Es ist manchmal nicht einfach, eine Theorie in die Praxis umzusetzen. Wir kennen das auch aus dem richtigen Leben.

Die Schlüsselfiguren beim Umsetzen einer Philosophie sind der Sportchef und der Trainer. Kein Löschblatt darf zwischen die beiden passen. Und beide müssen starke, charismatische Persönlichkeiten mit grosser Überzeugungskraft sein, die den Verwaltungsrat und die Medienschaffenden hypnotisieren. Das Umfeld und die Kabine dominieren. Die keine Zweifel aufkommen lassen, dass sie von den Hockeygöttern gesalbt sind und ihr Weg der einzig richtige ist. Und die den Spielern jeden Fluchtweg in die Ausreden verbarrikadieren.

Paolo Duca, Sportchef Ambri-Piotta, Michael Fora, Captain des HC Ambri-Piotta und Trainer Luca Cereda, von links, posieren mit dem neuen Trikot bei der Praesentation des neuen Teams fuer die Saison 2017/18 aufgenommen in Cademario im Tessin am Dienstag, 29. August 2017. (KEYSTONE/TI-PRESS/Benedetto Galli)

Paolo Duca (links) und Luca Cereda (rechts) sind ein Traumteam. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Sportchef Paolo Duca und «sein» Trainer Luca Cereda, zwei Tessiner, die beide die Klub-DNA in der Seele haben, sind die Väter des neuen Ambri. Sportchef Raeto Raffainer und «sein» Trainer Christian Wohlwend, zwei Bündner, die beide die Klub-DNA in der Seele haben, sind die Schöpfer des neuen HC Davos.

In Lugano ist die Beziehung zwischen Sportchef und Trainer eher eine «Zwangs-Heirat». Hnat Domenichelli konnte bei der Wahl von Trainer Sami Kapanen nicht mitreden. Weil er noch nicht im Amt war.

Luganos Sportchef ist ein eingebürgerter Kanadier mit ruhmreicher Ambri-Vergangenheit. Der Trainer ein freundlicher Finne, der in der NHL eine Legende (mehr als 900 Spiele) und auf internationalem Parket Weltmeister war. Aber als Trainer in der finnischen Meisterschaft notorisch erfolglos und ruhmbekränzt nur beim Spengler Cup. Mit etwas Bosheit dürfen wir sagen: Im Vergleich zur sportlichen Führungsetage in Ambri und Davos mahnt Luganos sportliche Kommandobrücke fast ein wenig (aber nur ein wenig) an eine freundliche Hockey-Antwort auf Lolek und Bolek.

Das ist der grosse Unterschied zur Saison 1997/98: Jim Koleff war eine charismatische, intern allmächtige Persönlichkeit und führte Lugano im Doppelamt Sportchef/Coach.

Lugano hat also heute weder eine sportliches Führungsduo wie Ambri oder Davos und schon gar nicht eine dominante Trainerpersönlichkeit wie der SC Bern mit Kari Jalonen oder Langnau mit Heinz Ehlers.

Und es gibt noch einen Unterschied. Das Lugano des Jahrganges 1997/98 rockte und rollte mit charismatischen Spielerpersönlichkeiten wie Todd Elik, Patrick Fischer, Keith Fair, Sandro Bertaggia, Andy Ton, Marcel Jenni oder Jean-Jacques Aeschlimann übers Eis.

La joie du defenseur luganais Julien Vauclair, apres la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le HC Fribourg-Gotteron et HC Lugano, ce mardi, 26 fevrier 2019, a Fribourg. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Hat seine besten Hockey-Tage hinter sich: Julien Vauclair. Bild: KEYSTONE

Heute ist Lugano eher ein harmloses Streichorchester um offensive Stehgeiger Linus Klasen und Jani Lajunen und alternde Leitwölfe wie Julien Vauclair, Alessandro Chiesa, Reto Suri oder Raffaele Sannitz. An das «Grande Lugano» Ende der 1990er Jahre mahnt zurzeit fast nur Alessio Bertaggia, der Sohn der Legende Sandro Bertaggia.

Noch ist theoretisch nichts verloren. Der Rückstand auf Platz 7 beträgt bloss 5 Punkte. Also Geduld haben mit Sami Kapanen.

Der Realist mahnt: Es gibt in einer Krise einen Zeitpunkt, an dem keine Umkehr mehr möglich ist. In Bern hat Trainer Kari Jalonen gerade noch vor diesem Punkt durchgesetzt, dass endlich, endlich, endlich, endlich, endlich, endlich ein brauchbarer Torhüter verpflichtet worden ist.

Berns Cheftrainer Kari Jalonen beobachtet das Spielgeschehen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und Geneve-Servette HC, am Samstag, 26. Oktober 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kari Jalonen konnten den «Point of no Return» gerade noch verhindern. Bild: KEYSTONE

Nur noch 3 Siege in den letzten 14 Spiele. Nach Verlustpunkten ist Lugano bereits Schlusslicht. Und wo war eigentlich die Energie beim 2:7 in Ambri? 18:37 Torschüsse. Eine Demütigung sondergleichen. Nähert sich Lugano mit Sami Kapanen dem Point of no Return?

Eine Antwort auf diese Frage muss Sportchef Hnat Domenichelli finden. Er ist schliesslich dafür bezahlt, sich den ganzen Tag um die Mannschaft zu kümmern und ihr den Puls zu fühlen. Der Chronist macht es sich leicht polemisiert: Sami Kapanen ist Luganos Problem.

P.S. im Februar 1997 hat Lugano das nächste Spiel vier Tage nach dem 2:8 in Ambri daheim 5:1 gegen Rappi gewonnen. Nun wartet am Freitag Biel und Biel ist nicht Rappi.

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Jacques #23
18.12.2019 07:27registriert October 2018
Dramatisch, das Gebastel im Tessin.
Kapanen mag kurzfristig das Problem sein, jedoch ist es doch stets der gleiche Kreislauf. Die nächsten Trainer warten.
Was ist die Lösung?... Vielleicht ist es Bescheidenheit. Doch wenn ich Kapanen an die Bande stelle, Arco aus Bern bestelle und NHL Saurier und Klasen nicht spielen lasse... Ist es eine Mischung von drei Strategien.
Und von einer auf die nächste Saison lässt sich das nur punktuell ändern. Sprich die Wirkungen brauchen ein Momentchen.
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Zanzibar
18.12.2019 11:15registriert December 2015
Und bäm ist er weg!
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Linksanwalt
18.12.2019 09:30registriert September 2015
«Aufbau einer starken Identität. Leidenschaft statt pures Talent. Grosse Herzen statt grosse Namen. Geist statt Geld.» Genau das, was mir momentan beim EVZ fehlt. Schade nach der letzten Saison.
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13

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

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