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Lugano’s Philippe Furrer, center, celebrates the 1-0 goal with team-mates, during the preliminary round game of the National League A (NLA) Swiss Championship 2016/17 between HC Lugano and EHC Biel, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, Sunday, October 9, 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Captain Philippe Furrer (Mitte) ist für Lugano äusserst wertvoll. Bild: TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Ein stiller Titan – Philippe Furrer ist der wichtigste Schweizer Verteidiger

Kein Schweizer Verteidiger spielt in der NLA in seinem Team eine so zentrale Rolle wie Philippe Furrer (31). Die NLA-Antwort auf Roman Josi wäre in dieser Form auch in die NHL gekommen.



Die Statistik zeigt uns Philippe Furrers Wert für den HC Lugano: Er hat diese Saison durchschnittlich 23:51 Minuten pro Partie gespielt. Länger als jeder andere Schweizer Spieler. Er ist damit die Nummer zwei der Liga hinter Luganos kanadischem Verteidiger Ryan Wilson (25:12 Minuten).

Philippe Furrers Eiszeit hat beinahe die Dimensionen der Statistik von Roman Josi, dem besten Schweizer Verteidiger aller Zeiten. Er hatte bisher in Nashville pro Partie 24:31 Minuten Arbeitszeit.

Furrers Name stand einst auch in den Notizblöcken der NHL-Talentsucher. 2003 haben die New York Rangers seine Rechte im Draft erworben (6. Runde/79. Pick). Er ist zwar nicht so hoch eingeschätzt worden wie Roman Josi (2. Runde/28. Pick). Aber eine NHL-Karriere wäre für den WM-Silberhelden von 2013 möglich gewesen.

ZUR NOMINIERUNG DES EISHOCKEY OLYMPIA-KADERS FUER DIE OLYMPISCHEN WINTERSPIELE IN SOCHI, RUSSLAND, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Switzerland's Philippe Furrer controls the puck, during the IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Norway vs Switzerland at the Globe Arena in Stockholm, Sweden, on Sunday, 12 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Auch als Nati-Verteidiger erwies Furrer gute Dienste. Bild: KEYSTONE

Eine Serie von Verletzungen hat dazu geführt, dass er eine ganze Saison verlor (2003/04) und bis heute nie alle Partien einer Saison bestreiten konnte. Doch der kräftige Titan (186 cm/90 kg) hat nie aufgegeben und spielt nun im Herbst seiner Karriere sein bestes Hockey. Jetzt wäre er gut genug, um in der NHL die Rolle eines Defensivverteidigers zu übernehmen – aber es ist zu spät.

Die Gegenwart gehört Lugano

Eine neue, grosse Herausforderung hat er trotzdem gefunden. Vielleicht sogar eine grössere als ein Versuch in der NHL. Im Sommer 2015 zügelte er nach Lugano. Mit Lugano Meister zu werden ist wahrscheinlich aufregender und schwieriger als in einem NHL-Team Verteidiger Nummer sechs oder sieben zu sein.

Luganos Spieler Philippe Furrer lauscht der Nationalhymne, vor dem dritten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern, in der Resega Halle in Lugano, am Donnerstag, 7. April 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Im Playoff-Final traf Furrer mit Lugano auf seinen vorherigen Arbeitgeber Bern. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Der Berner mit Luzerner Wurzeln, der mit sieben zum SCB kam und mit 16 in der NLA debütierte, bereut jedenfalls den Wechsel ins Tessin nicht. «Alle meine Erwartungen haben sich erfüllt. Ich habe noch einmal eine neue Herausforderung gesucht. Ich wollte eine neue Mentalität kennen lernen und mich noch einmal in einer anderen Mannschaft bestätigen.» Das sei ihm in Lugano in einem professionellen Umfeld gelungen. Er ist mit seiner Familie, mit den drei Töchtern, nach Lugano gezogen. Ein Tessiner wie der Langnauer Steve Hirschi wird er allerdings kaum. Seine Zukunft nach der Karriere liegt wohl im Bernbiet, wo er in der Nähe von Murten ein Haus besitzt.

Die Gegenwart gehört Lugano. Hier hat er noch einen Vertrag bis 2018. «Zum vollkommenen Glück fehlt jetzt nur noch ein Titel mit Lugano …» Er kann diese Saison sogar den «Grand Slam» gewinnen. Vier Titel. Die Schweizer Meisterschaft, den Schweizer Cup, den Spengler Cup und die Champions Hockey League.

Im Herbst der Karriere die längsten Eiszeiten. Wie ist das zu verkraften? «So viel Eiszeit ist kein Problem. Ja, ich fühle mich sogar besser, wenn ich so viel spielen kann. Als Verteidiger ist es einfacher, so lange Eiszeiten zu verkraften. Zumal wir in Lugano so viele gute Stürmer haben, dass ich als Verteidiger nicht auch noch ständig nach vorne stürmen muss.» Die Offensive befeuert er trotzdem. Beim 5:3 in Langnau assistierte er zum 1:1 und zum 5:3.

Er kann auch ohne Spektakelchecks

Die Wirkung des ruhigen, beinahe bedächtigen Mannes auf und neben dem Eis wird oft unterschätzt. Er macht keinen Lärm und kaum Spektakel und hat viel weniger Medienpräsenz als Eric Blum, Rafael Diaz oder Timo Helbling. Mit der Erfahrung und der Gelassenheit aus drei Meistertiteln mit dem SC Bern, fünf WM-Turnieren, einem WM-Final (2013 war aus gesundheitlichen Gründen seine bisher letzte WM) und einem Olympischen Turnier (2010) strahlt er auf und neben dem Eis die Autorität aus, die ihn auch ohne grosse Worte zum Leader macht.

Berns Eric Blum gibt seinen Teamkollegen Anweisungen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Ambri-Piotta, am Dienstag, 13. September 2016, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Eric Blum ist ein auffallenderer Verteidiger als Philippe Furrer, aber nicht zwingend ein besserer. Bild: KEYSTONE

Durch seinen schnörkellosen Stil fällt er dem Beobachter viel weniger auf als etwa Berns eleganter Eric Blum oder Zugs dynamischer Rafael Diaz. Philippe Furrer pflegt eher einen rauen «Landvermesser-Stil». Er fährt die direkten Linien und spielt mit der Genauigkeit eines Geometers. Der wichtigste Teil seiner Arbeit ist die Defensive und wenn es sein muss, dann kann er auch hart zulangen. Er kann auch ohne Spektakelchecks im Zweikampf unerbittlich hart sein.

Wie er spielt, so ist auch seine Art. Ehrlich, direkt, unkompliziert. Einer, der beruhigend wirkt in einem aufgeregten Umfeld wie in Lugano. Es ist kein Zufall, dass Lugano in der zweiten Saison mit Philippe Furrer nach zehn Jahren wieder eine Playoffserie gewonnen und im Frühjahr 2016 gar den Final erreicht hat. So gesehen ist Philippe Furrer wahrscheinlich in der NLA zurzeit der wichtigste Schweizer Verteidiger. Das berühmte Gedicht des deutschen Lyrikers Franz Emanuel August Geibel (1815 – 1884) passt, leicht abgeändert, gut zur Situation von Lugano in seinem Kampf gegen die Titanen von der Alpennordseite und der Rolle von Philippe Furrer:

Länger nicht mit seinen Horden
Schreckt uns der SCB-Koloss im Norden
Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
klarer Geist und scharfer Hieb
zügeln aus unserer starken Mitte
jeder Selbstsucht wilden Trieb
und es mag am Berner Wesen
einmal noch der HC Lugano genesen.

Die Schlüsselspieler beim HC Lugano

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Karl24 25.10.2016 00:45
    Highlight Highlight Die jeweiligen draftangaben sind kreuzfalsch!!!
  • Thomtackle 24.10.2016 08:57
    Highlight Highlight Für den HCL ist er enorm wichtig. Einfach ein sehr starker Spieler mit tollem Charakter.
  • darkstef 23.10.2016 23:40
    Highlight Highlight Herr Zaugg,
    Es wäre vielleicht Zeit, einen Artikel über den LHC zu schreiben... Und wenn nicht, was weiss ich warum, über Junland, Genazzi oder Yannick Herren. Oder juckt es Sie einzusehen, dass ihre Vorjahresprognose falsch, wenn nicht total daneben war ?...

    Mit freundlichen und sportlichen Grüssen
    darkstef
  • MaxHeiri 23.10.2016 23:01
    Highlight Highlight Er hat in den letzten Playoffs überragend gespielt. Ich denke nicht, dass es die Schweden vorne allein in den Final geschafft hätten. Darum supporte ich die Meinung von Klaus
  • CheGue 23.10.2016 18:46
    Highlight Highlight Bin absolut der Meinung von manolo! Fuhrer ist ein guter Verteidiger! Nicht mehr aber auch nicht weniger! In der NHL würde er einzig aufgrund seiner Grösse bestehen! Zu gross ist seine Fehlerquote immer wieder und vor allem extrem verletzunsanfällig! Herr Zaugg, der wahre Devensiv-Verdeidiger, über Jahre hinweg, mit einer unglaublichen, minimalen Fehlerquote ist - Beat Gerber!! DER wird (oder wurde) oft unterschätzt und viel zu wenig beachtet!
    • Lueg 23.10.2016 19:11
      Highlight Highlight Gerber hat am Samstag auch nicht in Langnau gespielt.......
    • CheGue 23.10.2016 19:15
      Highlight Highlight 👍🏻👍🏻😂Aber er kommt von dort😉😂....
    • fan-crack2 23.10.2016 19:59
      Highlight Highlight Ja, Furrer ist ein guter Verteidiger und passt sehr gut zum HCL ;)
  • Grinder 23.10.2016 18:38
    Highlight Highlight für mich total überbewertet, solid ja, aber für mehr fehlt doch einiges! mal eine saison ohne verletzungen durchspielen das sollte das ziel sein, und nicht vergleiche mit joslä ziehen lieber klaus.
    • MARC AUREL 23.10.2016 19:48
      Highlight Highlight Nichts gegen Furrer aber ihm mit Josi zu vergleichen ist ziemlich übertrieben!
    • fan-crack2 23.10.2016 20:00
      Highlight Highlight Ja, denn Josi ist ja NHL Niveau
  • Tikkanen 23.10.2016 18:06
    Highlight Highlight Guter Bericht, Chlöisu👍 Hervorragender Spieler👏🏻Allerdings muss der Phippu das mit noch einem 🏆vergessen, es sei denn er kehrt wegen seinen Kindern in zwei Jahren in den Tempel zurück😳
  • manolo 23.10.2016 17:14
    Highlight Highlight Stimmt überhaupt nicht was du da schreibst! Furrer ist ein guter Schweizer Verteidiger sonst aber nichts!
  • Mario 66 23.10.2016 17:10
    Highlight Highlight Chlöisu schreibt einen bericht über einen verteidiger, ohne dabei das wort "verteidigungsminister" zu verwenden. Ich fasse es nicht. Schon wieder nicht gewonnen im bingo 😤
  • plaga versus 23.10.2016 16:53
    Highlight Highlight Murten liegt niemals im Bernbiet. War es einst für kurze Dauer. Längst gehört Murten zum Kt. Freiburg. Und der genaue Wohnort von Furrer liegt näher bei Freiburg. Ja, vielleicht....?
    • Lueg 23.10.2016 17:56
      Highlight Highlight Im Weltbild von KZ ist Murten eine Emmentaler Enklave. Den da wurde doch Jeremias Gotthelf geboren. Es kann doch überhaupt nicht sein, dass Jeremias Gotthelf ein Freiburger ist......
    • chara 23.10.2016 20:09
      Highlight Highlight Furrer hat sein Haus in Kerzers gebaut und nicht in Murten...aber beides ist Kanton Freiburg....bei Murten liegt die Enklave Münchenwiler welche gum Kanton Bern gehört...
    • p***ylover 24.10.2016 18:32
      Highlight Highlight Es wäre für uns Fribourger ungewohnt in einem anderen Bezug als Bykow/Chomutow erwähnt zu werden in einem Zaugg-Artikel...
  • JJ17 23.10.2016 16:49
    Highlight Highlight http://www.srf.ch/play/tv/sport-clip/video/eishockey-wm-2008-eigentor-von-philippe-furrer?id=b8914e3c-8242-47a7-961a-1809c6406cd9

    Eine Legende!
    • CheGue 23.10.2016 19:01
      Highlight Highlight Das habe ich bei meiner Stellungsnahme vergessen!!😂😂😂Kult!!! Vorher und nachher nie mehr gesehen!😂😂😂

Wie der SC Bern mutwillig sein Meisterteam zerstört

So tief wie der SCB ist seit Einführung der Playoffs (1986) noch kein Meister gesunken. Die Krise ist nicht den Launen der Hockey-Götter geschuldet. Sondern der sportlichen SCB-Misswirtschaft.

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