Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Ambri-Spieler Jakob

Der HC Sierre duellierte sich 1987 mit Ambri-Piotta. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Sierre und Servette sind sich einig – gibt die Liga den Segen zum Aufstieg in die NLB?

Ein historisches Ereignis im welschen Hockey: Sierre hat sich mit Servette überraschend auf eine Zusammenarbeit geeinigt und will als Farmteam der Genfer nächste Saison in die NLB. Nun spielt die Liga eine Schlüsselrolle.



Gestern hat Sierres Präsident Alain Bonnet gemäss verlässlichen Informationen aus Liga-Kreisen den «Letter of Intent» über die Zusammenarbeit mit Servette unterschrieben. Ein überraschendes hockeyhistorisches Ereignis. Die erste interkantonale und interkonfessionelle Zusammenarbeit auf diesem Niveau in der Geschichte des welschen Hockeys, die 1908 begonnen hat. Kenner hatten eine solche Zusammenarbeit wegen der grossen kulturellen Unterschiede zwischen dem ländlich-alpinen Sierre und dem urbanen Genf nicht für möglich gehalten.

Das Dokument («Letter of Intent») wird heute in Genf bei Chris McSorley eintreffen. Eine entsprechende Medienmitteilung kann am Freitagnachmittag oder am Samstag erwartet werden.

Le coach du Geneve Servette Chris McSorley, reagit, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League LNA, entre le Geneve Servette HC et le HEV Zoug, ce samedi 24 octobre 2015 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Chris McSorley hat als Vermittler Wunder vollbracht. Bild: KEYSTONE

Stark vereinfacht gesagt: Der «Letter of Intent» ist die Verpflichtung zum späteren Abschluss eines Hauptvertrages. Diese Form wird in diesem Falle gewählt, weil es eilt und die Parteien noch Zeit brauchen, später alle Details zu regeln.

Liga spielt zentrale Rolle

Das Vorhaben: Sierre soll in der NLB nächste Saison das bankrotte Martigny ersetzen. Der aktuelle Erstligist wird das Farmteam von Servette. Das erste Farmteam der Westschweiz, die dringend auf diesem Niveau eine Verbreiterung der Basis braucht. Bisher gibt es erst in der Deutschschweiz (GCK Lions, Zug Academy) und im Tessin (Ticino Rockets) reine Farmteams. Angedacht ist eine sportliche Beteiligung von Gottéron und Lausanne.

Bild

Freundlich sind sie ja in Sierre. bild: hcsierre.ch

Alles klar? Nicht ganz. Nun spielt die Liga eine zentrale Rolle. Sie entsendet heute Freitag Liga-Direktor Denis Vaucher zum Lokaltermin nach Sierre. Der Fürsprecher aus Bern wird dort, wenn alles planmässig läuft, kurz vor 14.30 Uhr eintreffen. Zur Inspektion des Stadions und zu Gesprächen mit den Verantwortlichen. Seine Einschätzung der Lage wird im ganzen Prozedere «matchentscheidend» sein.

Sierre ist «Hockeytown»

Formell muss Sierre nämlich als Farmteam am nächsten Dienstag bei der Liga-Versammlung in Konolfingen in die NLB aufgenommen werden. Gelingt das?

Die praktische Umsetzung wäre kein Problem. Obwohl bis zum Saisonstart im September nur noch etwas mehr als zwei Monate Vorbereitungszeit bleibt, wird es Chris McSorley gelingen, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen.

Sierre ist «Hockeytown». Ein Schnitt von 1500 bis 2000 Fans pro Spiel ist möglich, die Finanzierung eines Budgets von 1,5 bis zwei Millionen Franken mit Hilfe von Servette machbar.

Soll Sierre den HC Red Ice in der NLB beerben?

Aber es geht um Hockey-Politik. Und um dicke Walliser Schädel. Martigny ist zwar in erster Instanz in den Konkurs geschickt worden und hat nach den Buchstaben der Hockeygesetze die Lizenz und damit die Zugehörigkeit zur NLB verloren. Die Verantwortlichen können jedoch die nächsthöhere Instanz anrufen (Rekurs). Der Fall wird in diesem Falle juristisch bis zur Liga-Versammlung am nächsten Dienstag nicht abgeschlossen sein.

Ist die Liga mutig genug?

Das ist juristisch brisant. Hat die Liga den Mut, Martigny die Lizenz auch dann zu entziehen und aus der NLB auszuschliessen, wenn das Konkursverfahren wegen eines hängigen Rekurses noch nicht abgeschlossen ist? Fehlt dieser Mut, dann kann Martigny die Aufnahme von Sierre in die NLB blockieren. Die «Gefahr» ist erheblich, dass Martigny einen Aufschub erreicht, aber am Ende während der bereits laufenden Meisterschaft doch dem Konkurs anheimfällt.

Die zentrale Frage ist daher: Beisst der Papiertiger «Lizenzverfahren», der so viel Geld frisst, endlich einmal in einem konkreten Fall? Er sollte. Er müsste eigentlich. Denn Martigny hat, bei Lichte besehen, eigentlich keine sportlichen und vor allem keine wirtschaftlichen Perspektiven in der NLB. Die Infrastruktur ist ungenügend (Stadion) und es gibt keine tragfähige wirtschaftliche Basis. Ein wirtschaftliches Überleben des siebenstellig überschuldeten Klubs ist nur durch permanente betriebsfremde Zuschüsse möglich. Martigny ist und bleibt im Grunde ein Sanierungsfall.

Willy Voegtlin, Leiter Spielbetrieb der Nationalliga, mit dem Meisterpokal, vor dem dritten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern, in der Resega Halle in Lugano, am Donnerstag, 7. April 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Willi Vögtlin hat noch nicht mit der Arbeit des NLB-Spielplans begonnen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Offen ist nach wie vor, ob es Servettes Manager Chris McSorley im Falle eines Falles am nächsten Dienstag bei der Liga-Zusammenkunft gelingt, von den Nationalliga-Klubs die politische Zustimmung (die erforderliche Mehrheit) zu bekommen.

So oder so verlangt Spielplan-General Willi Vögtlin bis am Dienstag Klarheit. Damit er endlich weiss, ob er einen Spielplan für eine NLB mit elf oder zwölf Teams erstellen muss. Er hat wegen dieser Ungewissheit mit seiner Arbeit noch nicht begonnen.

Die Cup-Blamagen der NLA-Klubs in der Neuzeit

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel